Geschichte eines Drogendeals, der doch keiner war

Siegen..  Die Anklage liest sich wie ein klassischer Fall von Family-Business. In der kriminellen Variante. Ein Drogenhändler verkauft einem anderen Betäubungsmittel. Die Abmachung: Der volle Preis ist fällig, sobald die Ware an den Mann gebracht ist. Allerdings bleibt Drogenhändler zwei seinem Kollegen das Geld schuldig. Dieser trommelt seine Brüder zusammen und überzeugt ihn mit handfesten Mitteln, dass es doch besser wäre, die Rechnung zu begleichen.

Diesem Vorwurf sieht sich am Freitag vor dem Jugendschöffengericht Ishak Z. ausgesetzt. Der 25-Jährige soll Mohammed B. (25) im Juli 2013 rund 100 Gramm Marihuana verkauft haben, erläutert Staatsanwalt Scholz. 250 Euro zahlte Mohammed B. sofort. Der Rest sollte später folgen. Das Problem laut Anklage: Mohammed B. rauchte das Zeug selbst. Und was nicht in seiner Lunge landete, entsorgte die wütende Mutter im Klo.

Hartz IV-Empfänger Ishak Z. allerdings bestand darauf, dass Mohammed B. seine Schulden begleichen müsse. Er stattete ihm in Siegen einen Besuch ab – mit seinen drei Brüdern, die ebenfalls auf der Anklagebank sitzen. Bei der Auseinandersetzung – es sollen Messer, Baseballschläger und Eisenstangen eingesetzt worden sein – wurden Mohammed B.’s Stiefvater und ein 39-jähriger Bekannter verletzt, so der Staatsanwalt.

„Die Sache ist geklärt.“

Mohammed B., der vermeintlich Geschädigte, verstrickt sich im Zeugenstand in Widersprüche. Die Aussagen, die er im Juli 2013 bei der Polizei gemacht hat, lassen sich selbst mit viel gutem Willen nicht in Einklang bringen mit seinen Ausführungen am Freitag. Plötzlich ist auch nicht mehr die Rede von 100 Gramm Marihuana, sondern von einem Mobiltelefon, für das er Ishak B. noch 500 Euro schulden würde: „Die Sache ist aber erledigt, wir haben das geklärt“, sagt der 25-Jährige.

Schnell geklärt ist auch der Prozess, der eigentlich auf zwei Verhandlungstage angesetzt war. Ishak Z. kann das Drogengeschäft nicht nachgewiesen werden, dieser Anklagepunkt fällt weg. Die vier bereits mit dem Gesetz in Konflikt Geratenen gestehen ihr einschüchterndes Auftreten wegen eines Smartphones. Richterin Antonia Kuhli verurteilt sie wegen gemeinschaftlicher versuchter Nötigung zu Geldstrafen.