Gesamtschule verändert die Schullandschaft

Dr. Mario Vallona, Werner Jüngst und Christian Scheerer klären die „familiären Verhältnisse“ unter den Gesamtschulleitern aus Siegen und Kreuztal.
Dr. Mario Vallona, Werner Jüngst und Christian Scheerer klären die „familiären Verhältnisse“ unter den Gesamtschulleitern aus Siegen und Kreuztal.
Foto: Maik Haubrich

Eiserfeld..  Die Gesamtschule Eiserfeld (GEE) hat am Samstag mit einem Festakt und anschließendem Schulfest ihr 25-jähriges Bestehen gefeiert. Geladene Gäste waren Eltern, Lehrer, Freunde und Förderer der Schule sowie Vertreter aus Politik und natürlich Schüler, die mit Musical-Songs, Akrobatik-Einlagen und Jonglier-Auftritten dem Programm einen Rahmen verliehen. Besonderer Gast war NRW-Umweltminister Johannes Remmel, der bei der Gründung der GEE noch in der Siegener Lokalpolitik aktiv war.

Dass alle Mitwirkenden heute auf eine Erfolgsgeschichte zurückblicken können, war zum Start im Jahr 1990 keineswegs in Aussicht, im Gegenteil: Damals war die Schulentwicklung Siegens ein höchst umstrittenes Politikum, erinnert sich Remmel, der als Mitglied im Rat der Stadt die für diese Zeit neuartige Schulform nach dem Motto „Gemeinsames Lernen ohne Grenzen“ befürwortete: „Den Gesamtschulen in Siegen ist nichts geschenkt worden, jeder Fortschritt musste erkämpft werden“. Erst nach mehreren Gerichtsverfahren konnte das erste Anmeldeverfahren stattfinden. „Das, was heute Realität ist, war damals nicht denkbar. Das ist ein Zeichen, dass die Gesamtschule in Eiserfeld ihren Platz in der Siegener Schullandschaft gefunden hat.“

„Asyl“ in Kierspe

Der heutige Schulleiter Werner Jüngst erzählte von einer Anekdote, die ihm sein Vorgänger mit auf den Weg gab: „An meinem ersten Arbeitstag stand ich im Stau vor dem Ortsschild und Joachim Pfeifer sagte, es gäbe bald einen direkten HTS-Anschluss“. Pfeifer sei damals schon sehr zukunftsorientiert gewesen, scherzte Jüngst.

Auch er erinnerte sich zurück an die Entstehungsgeschichte seiner Schule, die die Zweite im Bunde nach der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule (1988 gegründet) wurde. Sie sei durch „Pressekampagnen, Parteigründungen, Demos und neue Gesetze“ geprägt gewesen. „Im März 1990 haben wir dann Asyl bei der Gesamtschule in Kierspe beantragt“, ein Ausdruck des Protests der Schüler, die die zweite Gesamtschule in Eiserfeld verlangten. So viel Einsatz verbindet: In einer Talkrunde klären Dr. Mario Vallana (Bertha-von-Suttner-Gesamtschule), Werner Jüngst und Christian Scheerer (Clara-Schumann-Gesamtschule) „die familiären Verhältnisse“ unter den Gesamtschulleitern in Siegen und Kreuztal.

Stadträtin Babette Bammann betonte, dass die Gesamtschule als Schulform gefragt ist wie nie: „Es gibt eine sehr große Nachfrage nach Schulen des gemeinsamen Lernens“. Daher sei die Planung einer dritten Gesamtschule in Geisweid nur folgerichtig, sagte die Schuldezernentin. Auch in Eiserfeld wird weiter investiert: Die Brandschutzanlage wurde modernisiert, ein neuer Parkplatz steht nach den Ferien zur Verfügung. Durch den Umzug der Unterstufe in die ehemalige Realschule am Hengsberg kann ab Sommer in den Stufen 5 und 10 jeweils eine weitere Klasse aufgenommen werden. Außerdem sei ein weiteres Bauprojekt im Gange: „Es wird ein Aufzug eingerichtet, um unseren Beitrag zur Inklusion zu leisten“, sagte Babette Bammann.

Schulfest und Party

Beim Schulfest stellten Partnerunternehmen der Schule Ausbildungsmöglichkeiten vor, außerdem boten die Schüler ein kulinarisches Potpourri aus Tapas, Crêpes, Bratwurst und Steaks an. Auch Musik, Theater und Tanz aus verschiedenen Schulgruppen traten auf einer Open-Air-Bühne auf. Am Abend fand schließlich noch die Jubiläumsparty mit Schulgruppen und der Band Soul Affair statt.