Gesamtschule als Lösung für Wittgenstein im Visier

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Was wir bereits wissen
Die Debatte um eine neue Schullandschaft für Wittgenstein hat begonnen – Politik, Verwaltung, Eltern und Schulleitungen sind beteiligt. Die Schüler sollen mit ins Boot.

Wittgenstein..  Ist eine Integrierte Gesamtschule die Lösung, um Wittgensteins Schullandschaft auch angesichts sinkender Schülerzahlen insgesamt auf eine neue Basis zu bringen? Das Modell wurde jetzt in der AWO-Werkstatt Schameder beim Fachforum zur interkommunalen Schulentwicklung von Politikern, Verwaltungsvertretern, Eltern und Schulleitern intensiv diskutiert – und viele Teilnehmer halten es für eine vernünftige Idee.

Bernd Weiskirch, Leiter der Realschule in Erndtebrück, sieht darin gar „die letzte Chance“, um in der Edergemeinde zumindest die Sekundarstufe I mit den Klassen 5 bis 10 zu halten – als Teilstandort einer Gesamtschule in Bad Berleburg, wo dann für die Schüler aus Erndtebrück alle Abschlüsse samt Abitur möglich wären. Platz im Schulzen­trum am Stöppel wäre genug, meint Weiskirch – zumal auch in Bad Berleburg selbst tendenziell mit weniger Schülern zu rechnen sei. Bad Laasphe sei mit dem städtischen Gymnasium sowie dem privaten Gymnasium und der privaten Realschule auf Schloss Wittgenstein bereits gut aufgestellt. Und die Laaspher Hauptschüler orientierten sich inzwischen ohnehin schon mit großer Mehrheit nach Berleburg.

In „seinem“ Workshop mit 25 Teilnehmern habe seinem Vorschlag „Gesamtschule“ jedenfalls niemand widersprochen, sagt Weiskirch. „Vor fünf Jahren hätte ich den erst gar nicht gemacht“, bekennt er. Damals seien aber auch die Geburten-Rückgänge noch nicht so ein Thema gewesen.

Erhalt des Berufskollegs sichern

Der 64-jährige Bernd Weiskirch geht im Juni in den Ruhestand, will um eine vernünftige Lösung aber „bis zum letzten Schultag kämpfen“. Die müsse im Grunde zum Schuljahr 2016/17 her – dann nämlich soll die Erndtebrücker Hauptschule mit den letzten zwei Klassen geschlossen werden.

Ursula Belz, CDU-Politikerin und Lehrerin an der Hauptschule in Bad Berleburg, warnt allerdings davor, insbesondere die Eltern in der weiteren Debatte außen vor zu lassen. Nur ein Modell, das von ihnen und ihren Kindern am Ende auch tatsächlich akzeptiert werde, könne langfristig eine Zukunft haben. Auch Belz sieht die Vorteile einer Gesamtschule für Wittgenstein, das als System flexibel auf den Bedarf der Schüler vor Ort reagieren könne. Allerdings müsse man hier vielleicht noch etwas gegen ein inzwischen überholtes Image-Problem dieser Schulform tun.

Nach Ansicht von Belz muss auch das Berufskolleg Wittgenstein eine wichtige Rolle in der Schul-Debatte spielen. Hier gelte es zum Beispiel in den Berufswahl-Vorbereitungen bis Klasse 10, die Schüler verstärkt mit den Berufschancen in heimischen Betrieben vertraut zu machen – das würde auch dem Berufskolleg den Erhalt sichern.

Zum Einstieg in das Forum hatte Susanne Blasberg-Bense, bei der Bezirksregierung in Arnsberg Leiterin der Abteilung Schule, die machbaren Zukunftsmodelle vorgestellt:
Weiter mit dem bisherigen Schulangebot, aber eben nur bei ausreichenden Schülerzahlen,
Gründung von Sekundarschulen (mit Teilstandorten),
Gründung einer Gesamtschule (Teilstandorte möglich)

Arbeitsgruppe entwickelt Plan

Blasberg-Bense empfahl, eine interkommunale Arbeitsgruppe „Schulentwicklung Wittgenstein“ zu bilden, um einen gemeinsamen regionalen Schulentwicklungsplan ausarbeiten – als Basis für spätere politischen Entscheidungen. Ziel müsse „der Erhalt eines wohnortnahen und leistungsfähigen Angebots öffentlicher Schulen“ sein.

Mit dem Bildungsexperten Achim Kühne-Henrich, Anja Achenbach (Zweckverband Region Wittgenstein), Carsten Lottner (DSK, Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft) sowie Jens Steinhoff (Institut für Regionalmanagement) diskutierten die Teilnehmer in drei Workshops über Schulalltag, Schulprofile und Schulkooperationen in der Zukunft. Und: Es besteht großer Handlungsbedarf für kurzfristige Lösungen – darin waren sich aller Teilnehmer einig. Es wurde ferner angeregt, bei einer nächsten Veranstaltung die Schülersprecher einzubinden.

Die Wittgensteiner Verwaltungen werden die Resultate des Schulforums demnächst in die neue Arbeitsgruppe „Schulentwicklung Wittgenstein“ einfließen lassen – das sicherte Erndtebrücks Bürgermeister Karl Ludwig Völkel als Zweckverbandsvorsteher zu.