Geplatzte Geschäfte und gestohlene Handys

Siegen..  „Abenteuerlich. Sehr, sehr seltsam“, beschreibt Verteidiger Björn Lange die Aussagen der beiden Zeugen und Opfer. Damit lässt sich zugleich die gesamte Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht zusammenfassen. Oder, wie Amtsrichterin Antonia Kuhli nach der Entlassung des letzten Zeugen mit spür- und sichtbarer Verzweiflung Richtung Staatsanwältin anmerkt: „Schwierig!“.

Dabei ist der Sachverhalt anfangs recht überschaubar. Die drei Angeklagten sollen die Zeugen am 19. April 2014 auf dem Giersberg aus heiterem Himmel bedrängt und um Geld ersucht haben. Die beiden wurden nach der Anklageschrift auf einen Spielplatz gedrängt, bedroht, dann nahmen ihnen die Täter die Mobiltelefone ab. Für 500 Euro pro Person sollten sie die Handys bis zum Abend wieder auslösen können. Eines der beiden Opfer hat angeblich auch einen Faustschlag bekommen, der Auge und Gesicht anschwellen ließ.

Schubsen, nicht schlagen

Der älteste Angeklagte Eugen M. (20) schüttelt mit empörtem Blick den Kopf und berichtet, er habe sich damals mit seinen Freunden getroffen, sie hätten sich gelangweilt und – unter falschem Namen – einen der Zeugen angerufen, um von ihm für 50 Euro Marihuana zu kaufen. Nach Bestätigung sei das Trio mit dem Bus von Geisweid zum Giersberg gefahren, um sich dort mit ihm und dessen Freund zu treffen. Die beiden hätten aber gesagt, sie hätten kein Rauschgift. Aus Ärger über das geplatzte Geschäft habe Sinan A., Angeklagter Nummer zwei, das Handy eines Zeugen eingesteckt und später für 250 Euro verkauft. Der dritte und jüngste des Trios, Sükrü S. (19), gibt zu, dem Zeugen ebenfalls das Telefon abgenommen zu haben. Dieser habe ängstlich gewirkt und das Handy nach mehrmaligem Auffordern übergeben. Er verkaufte es im An- und Verkauf für 180 Euro.

Sie hätten geschubst, aber nicht geschlagen, betonen die drei und versichern, dass ihnen das Ganze inzwischen leid tue. Ihr Verhalten sei nicht richtig gewesen.

Nötigung und Unterschlagung

Die Zeugen, 21 und 22, liefern die gleiche Version wie bei der Polizei ab. Sie seien von den drei ihnen weitgehend Unbekannten grundlos bedroht und beraubt worden.

Für Eugen M. springt am Ende eine Einstellung heraus, seine Kumpels kommen wegen der Telefone nicht so leicht davon. Sükrü S. wird nach Jugendstrafrecht wegen Erpressung zu 90 Sozialstunden verurteilt. Gegen den älteren und vorbestraften Sinan A. verhängt Antonia Kuhli eine Geldstrafe von 1050 Euro, wegen versuchter Nötigung und Unterschlagung.