„Gemeinde ist die Rieselwiese egal“

Die letzte Siegerländer Rieselwiese funktioniert nicht mehr. Ein Stück Kulturgeschichte könnte verloren gehen.
Die letzte Siegerländer Rieselwiese funktioniert nicht mehr. Ein Stück Kulturgeschichte könnte verloren gehen.
Foto: Sonja Riedel
Was wir bereits wissen
Zwischen dem Heimatverein Rinsdorf und der Gemeinde Wilnsdorf schwelt ein Streit darüber, wer verantwortlich ist, dass ein Kulturgut nicht mehr funktioniert.

Rinsdorf..  Karl-Heinz Kring hebt das schwere Beil und lässt es auf die Wiese herab sausen. Das Beil ist vorn an der einen Seite rund, an der anderen Seite mit einer Hacke versehen. Er demonstriert, wie früher Rieselwiesen überall im Siegerland bearbeitet wurden. „Die älteren Leute im Dorf haben das Werkzeug dafür oft noch Zuhause“, sagt er. Jetzt ist die Wiese in Rinsdorf wohl die einzige Rieselwiese, die es im Siegerland noch gibt. Und sie funktioniert nicht mehr richtig. Das ärgert den Mann vom Heimatverein Rinsdorf.

Die spezielle Art des Wiesenbaus gab es seit dem Mittelalter überall im Siegerland. Durch die aufblühende Eisenindustrie wurde die Fläche für die Landwirtschaft immer kleiner. Trotzdem brauchten die Bauern immer mehr Futter für ihr Vieh. Deshalb entstanden die Rieselwiesen. „Die Bewässerung bewirkt, dass der Ertrag um das zwei- bis dreifache gesteigert werden konnte“, erklärt Kring. In einer Rieselwiese gibt es mehrere Gräben, die alle von einem Hauptgraben abzweigen. Der ist mit einem Bach verbunden. Zweimal im Jahr stauten die Bauern das Wasser und ließen es auf die Wiese laufen. So wuchs das Gras schneller. Und es gab mehr Viehfutter.

In Rinsdorf ist der Hauptgraben zu. Deshalb funktioniert die Wiese nicht mehr so, wie es ursprünglich einmal war. Seit 1993 kümmert sich der Heimatverein um die Wiese. „Alles, was früher gemacht wurde, soll der Nachwelt erhalten werden“, findet er. Früher hat der Verein einmal im Jahr ein großes Heufest veranstaltet. Jetzt wird die Wiese bloß noch ein bis zweimal im Jahr gemäht. Kring sagt, die Gemeinde Wilnsdorf habe den Graben zugeschüttet, als vor ein paar Jahren der Heckebach nebenan renaturiert wurde. „Der Gemeinde ist die Rieselwiese doch egal.“

Die Gemeinde sieht das anders. „Der Hauptgraben war schon vor der Renaturierung zu“, sagt Pressesprecherin Stefanie Gowik. Die Gemeinde habe ihn nicht zugeschüttet. „Wir haben den Graben dann teilweise wieder frei gemacht, aber nicht so, dass die Wiese wieder funktionsfähig ist“, sagt sie. Die Gemeinde sieht den Heimatverein in der Pflicht. „Die Rieselwiese funktioniert nur, wenn die Gräben instand gehalten werden. Und dafür ist der Heimatverein zuständig.“

Karl-Heinz Kring hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass die Rinsdorfer Rieselwiese irgendwann wieder funktioniert. Und mit ihr nicht das passiert, was mit vielen Wiesen nach dem Zweiten Weltkrieg geschehen ist. Da die Landwirtschaft an Bedeutung verlor, wurden die Rieselwiesen im Siegerland unwichtiger. Teilweise siedelten sich dort Gewerbe und Industrie an.

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