Geisterblasen und Wasserharfe

Feuerspucken mit Bärlappsporen, eine von 14 Nummern für Hannover: Das Feuerzeug am anderen Ende des Schlauchs bewirkt allein gar nichts. Auf die Puste kommt es an.
Feuerspucken mit Bärlappsporen, eine von 14 Nummern für Hannover: Das Feuerzeug am anderen Ende des Schlauchs bewirkt allein gar nichts. Auf die Puste kommt es an.
Foto: WP

Allenbach..  Den Schlauch mit dem aus dem warmen Wasser herausdampfenden Trockeneis in die Seifenlauge leiten, mit der dicken, weißen Seifenblase Ball spielen. Passt. Das Lycopodium ins Röhrchen füllen. Pusten. Poff. Passt. Der Wasserstrahl funktioniert – wie die Saite einer Harfe. Passt. 14 Nummern im 45 Minuten. Die schaffen das.

Generalprobe: Die Science-Show des Gymnasiums Stift Keppel bereitet sich auf einen ihrer größten Auftritte vor. Jeweils um die 800 Zuschauer werden am Samstag und Sonntag ihre Auftritte bei der Ideen Expo sehen. Die Messe in Hannover will junge Menschen für Naturwissenschaften begeistern. „Deutschlandweit das größte MINT-Event“, sagt Sebastian Funk, Gründer und Leiter der Science Show AG. Noch nie zuvor haben die Veranstalter Schüler auf die Bühne gelassen. Dass die Niedersachsen die Stift Keppeler für einen Show-Act anfragten, macht natürlich stolz. Ein bisschen.

Lampenfieber ist fast kein Thema

Denn die Truppe ist in den fünf Jahren, die es sie jetzt gibt, sowieso ganz schön rumgekommen: Berlin, Stuttgart, Köln, schließlich Słubice, beim internationalen Science-on-Stage-Festival. Lampenfieber? Der erste Auftritt, erinnert sich Thomas Benner, war zum Eingewöhnen gut. „Ich hatte noch nicht mal Text.“ Da war er in der 5. Klasse — jetzt kommt er in die 9. Emma Stötzel, die im nächsten Schuljahr Abi macht, sieht das ganz entspannt: „Man hat ja die Mannschaft hinter sich.“ Wer unsicher ist, hält sich an den Text im immerhin 34 Seiten dicken Drehbuch. „Das wird immer flüssiger“, beobachtet Biolehrerin Maja Röder, die die Truppe ebenfalls nach Hannover begleitet, „manche können schon in der sechsten Klasse ganz gut improvisieren.“ Und wenn ein Experiment schief geht? Dann macht man das, was der Lehrer in der Schule auch macht. „Wir erklären, wie es eigentlich hätte funktionieren sollen“, sagt Thomas.

50 Mitglieder stark ist die AG, seit jeher mehr Mädchen als Jungen. „Mädchen haben nicht so viel Angst auf der Bühne“, behauptet Sebastian Funk. Emma macht’s kürzer: „Wir können’s halt.“ Wie immer ist nur eine Auswahl unterwegs – anders wären die vielen Auftritte, im Schnitt zwölf pro Jahr, gar nicht zu meistern. Aber auch in der kleinen Besetzung stimmt der Querschnitt: Die Jüngsten sind ebenso vertreten — einer gibt am Wochenende sogar sein Debüt — wie die Ältesten, die demnächst Abi machen. Noch ein Grund, ein bisschen stolz zu sein.

Alles wird wie am Schnürchen klappen: DVDs zu Schläuchen aufblasen. Bei Infrarotlicht, unsichtbar für den Menschen, sichtbar nur für die Kameras, Selfies machen. Aus Sahne und flüssigem Stickstoff Schoko-Eis zaubern. Doch, leise Zweifel gibt es noch. Die 30-Kilo-Fuhre Trockeneis für die Geisterblasen ist noch nicht geliefert worden. Und dank Poststreik auf der Strecke sind die Infrarot-LED-Birnen für das große „WOW“ auf der Bühne. Das Lycopodium? Bärlappsporen sind das. „Man kann das auch mit Mehl machen“, sagt Sebastian Funk. Nur: Dann macht das jeder nach. Wer mag schon zu Hause nach einer Staubexplosion sauber machen?

Von der Gage wird Material gekauft

Mit der Gage wird die „Science Show AG Box“ wieder mit Experimentier-Materialien aufgefüllt. Nach den Ferien lassen sich die Jugendlichen dann wieder von Grundschulen einladen.

In Siegen ist die Science Show am 3. und 4. September bei den MINT-Mitmachtagen und am 5. September beim Techniktag vertreten.