Geist und Materie

„64 Feet“ heißt die Installation der jungen Künstlerin Kai Gieseler. Sie hat seidene Schnittabfälle von Brautkleidern mit Zuckerwasser verstärkt und daneben Hölzer gelegt, die zur Aufforstung von Schösslingen verwendet werden.
„64 Feet“ heißt die Installation der jungen Künstlerin Kai Gieseler. Sie hat seidene Schnittabfälle von Brautkleidern mit Zuckerwasser verstärkt und daneben Hölzer gelegt, die zur Aufforstung von Schösslingen verwendet werden.
Foto: Wolfgang Leipold
Was wir bereits wissen
Zwölf Kunststudenten stellen ihre Werke im Haus Seel noch bis Anfang Juli aus

Siegen..  Gut, dass die Ausstellungsfläche im Haus Seel vor kurzem verdoppelt wurde. Dadurch haben Installationen, Skulpturen und Bilder den Raum, den sie benötigen. So die Arbeit „Wanken und Wucht“ von Tobias Wurm. Sie zeigt eine viele Meter große filigrane Konstruktion, bei der man fürchtet, sie könne jeden Moment umfallen. Sie steht nur an einer Stelle fest: Auf einem 160 Kilogramm schweren Betonwürfel.

Gezuckerte Brautseide

Oder die Installation „ 64 Feet“ von der Künstlerin Kai Gieseler. Sie hat seidene Schnittabfälle von Brautkleidern mit Zuckerwasser verstärkt und daneben Hölzer gelegt, die zur Aufforstung von Schösslingen verwendet werden.

Drei bunte Schlafsäcke liegen sorgfältig nebeneinander. Malte Roes nennt sie „Ehemaliges Kreishausgebäude in Siegen“. Er erinnert daran, dass das inzwischen leere Hochhaus bisweilen von Obdachlosen als Schlafplatz genutzt wird.

Beeindruckend Anna Friesens „Matrona“. Mitten in einem dick gefüllten Sitzsack sieht man ein Gesicht, einer Totenmaske gleich, von einem Kopftuch eingehüllt. Anna Friesen: „Dies ist der Abdruck meines Gesichts. Es soll an meine russischen Wurzeln erinnern. Die behäbige, füllige Hausfrau näht, kocht, versorgt die Familie.“

Dies sind vier Beispiele der Ausstellung von zwölf Kunststudenten der Uni Siegen, die sie mit ihrem Lehrer, Professor Stefan Wissel, konzipiert haben.

Stefan Wissel lehrt seit drei Semestern Kunst mit dem Schwerpunkt Plastik in Siegen. „mind & matter“, also Geist und Materie ist das übergeordnete Thema der Arbeiten. Sehr unterschiedliche Ansätze, Ideen und Materialien finden sich wieder, alle speziell für die Gegebenheiten und Möglichkeiten des Haus Seel konzipiert. Sehenswert und spannend, originell und provozierend, auf jeden Fall einen Besuch wert.

Die Ausstellung dauert vom 10. Juni bis 5. Juli. Öffnungszeiten: Di.-Sa. 14-18 Uhr, So. 11-13 und 14-18 Uhr.

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