Geheime Abstimmung – Kinderbetreuung in Kreishaus-Nähe

Sitzung des Kreistags Siegen-Wittgenstein.
Sitzung des Kreistags Siegen-Wittgenstein.
Foto: Hendrik Schulz
Die Einführung einer betrieblich unterstützten Kinderbetreuung für Bedienstete der Kreisverwaltung hat der Kreistag am Freitag beschlossen.

Siegen-Wittgenstein..  Die Entscheidung fiel in geheimer Abstimmung mit 26 gegen 22 Stimmen.

„Ärgerlich“ nannte Bernd Brandemann (CDU) die Begründung des Angebots, dass die Angebote der Kitas nicht ausreichten oder nicht flexibel genug seien: Der Kreis rühme sich schließlich sonst mit seiner Familienfreundlichkeit. 200 Männer und Frauen hätten sich allein auf die Stellen in den neuen Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge beworben. „So unattraktiv scheint der Kreis als Arbeitgeber nicht zu sein.“ Landrat Andreas Müller wies dagegen auf die vergebliche Suche nach Lehrern, Ärzten und Lebensmittelkontrolleuren hin: „Bei Führungskräften sieht das anders aus.“ Jugendamtsleiter Pia Cimolino nannte den Betreuungsbedarf, der bei der Wahrnehmung von mehrtägigen Fortbildungen oder Abendterminen entstehe. Dass dort ein Angebot gemacht werde, „liegt im Interesse des Arbeitgebers“. Gäbe es ein Tagespflegeangebot in der Nähe des Arbeitsplatzes, würde wohl auch manche Frau früher aus dem Erziehungsurlaub zurückkehren.

„Betroffen“ zeigte sich Petra Weskamp (SPD) von der Diskussion: „Das ist doch kein neues Thema.“ „Nicht alle haben Opa oder Oma zur Verfügung, die im Notfall einspringen“, sagte Ullrich Georgi (Linke). „Ein Kind hat doch auch ein zweites Elternteil“, erwiderte Hans Peter Kunz (FDP), „und abends schlafen Kinder in der Regel auch schon.“

Kritik an „Nebenregierung“

Günter Jochum interpretierte den im Vorfeld verbreiteten Widerspruch aus der Bürgermeisterkonferenz: Genutzt werde da „irgendwie auch die Gelegenheit, dem neuen Landrat vors Schienbein zu treten.“ Das sah Winfried Schwarz (SPD) mit Blick auf die CDU genauso: Es sei „ungemein nervig, wie Sie versuchen, mit der Bürgermeisterkonferenz eine Nebenregierung aufzubauen“. Schwarz wies die Kritik zurück, das Thema sei nicht in Fachausschüssen vorberaten worden. Die Einführung der Kinderbetreuung für die eigenen Bediensteten liege in der Organisationshoheit des Landrats.

Landrat Andreas Müller machte bei dieser Gelegenheit klar, dass er allein für die Verwaltung spricht: Die Aufforderung von Thomas Helmkampf (CDU), dem Kämmerer das Wort zu geben, wies er zurück. Das Angebot solle „innerhalb des beschlossenen Haushalts“ finanziert werden und betreffe daher die von den Kommunen zu zahlende Kreisumlage nicht.

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