„GehDenken“ auch ohne Nazis
05.12.2011 | 19:33 Uhr 2011-12-05T19:33:00+0100
Siegen.Wer geglaubt hat, dass das Bündnis für Demokratie in diesem Jahr auf das „GehDenken“ am 16. Dezember verzichtet, hat sich getäuscht: Auch ohne Neonazi-Aufmarsch wollen die Siegerländer ein Zeichen gegen Rechtsextremismus und Rassismus setzen.
Denn schon vor der ersten Neonazi-Demo 2008 am Jahrestag des folgenreichen alliierten Luftangriffs auf die Krönchen-Stadt am 16. Dezember 1944 gab es Gedenkveranstaltungen – so das Stille Gedenken am Mahnmal am Unteren Schloss und den Ökumenischen Gottesdienst. Die als Reaktion auf die Neonazi-Aktivitäten entwickelten zusätzlichen Aktivitäten werden auch im „Jahr Zwei“ ohne Nazi-Demo weitergehen.
Wie wichtig das Engagement gegen Rechtsex-tremismus ist, machte DGB-Chef Willi Brase am Beispiel der rechtsextremen Mordserie an Ausländern und einer Polizistin deutlich: „Wir müssen dieses Gedankengut zurückdrängen.“ Eine besondere Rolle habe dabei die Jugend- und Bildungsarbeit. „Da, wo sich die Gesellschaft aus der Jugendarbeit zurückzieht, steigen die Neonazis systematisch ein“, betonte der SPD-Bundestagsabgeordnete mit Blick auf die Folgen in Ostdeutschland. Dies, im Zusammenhang mit der Lösung der sozialen Fragen, stehe für den DGB im Mittelpunkt.
Auch bei der Geschichtsdeutung dürfe man ihnen nicht das Feld überlassen. Der 16. Dezember sei ein gutes Beispiel dafür, betonte Siegens Bürgermeister Steffen Mues. „Wir dürfen die historischen Wahrheiten nicht verschwimmen lassen. Die Nazi-Herrschaft war Ursache des Leids, nicht der alliierte Luftangriff.“
Schulen ohne Rassismus und Seniorenbeirat
Passend dazu wird eine neue Auflage der Broschüre „Siegen unter dem Hakenkreuz“ erscheinen. Klaus Dietermann hatte in den 80er Jahren die Publikation für die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit erstellt, der Journalist Raimund Hellwig hat nun die neue Auflage redaktionell bearbeitet, die in einer Auflage von 2000 Stück ab dem 16. Dezember an allen Ständen kostenlos abgegeben und auch später noch in den Bürgerbüros und bei der Stadt und dem DGB bestellt werden kann. Möglich war der Druck durch die finanzielle Unterstützung des Programms „Toleranz fördern“.
Die Aktivitäten zum 16. Dezember erwiesen sich schon fast als Selbstläufer – zumindest was die Kooperationspartner angeht. Denn immer mehr Organisationen und Vereine treten dem Bündnis bei oder unterstützen das „GehDenken“.
Die Spanne ist dabei sehr groß: So engagieren sich immer mehr „Schulen ohne Rassismus“. Und selbst der Seniorenbeirat ist erstmalig dabei, berichtet André Schmidt, einer der Bündnissprecher. Nun hoffen sie auf viele Teilnehmer, um ein deutliches Zeichen gegen Rechtsextremismus zu setzen.
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