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Gedenktag

Gegen das Vergessen

27.01.2011 | 18:35 Uhr
Gegen das Vergessen

Kreuztal-Littfeld.„Ist es Ihnen kalt?“, fragte Dr. Michaela Vidlakova die Besucher der alljährlichen Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus am Littfelder Fred-Meier-Platz.

Um fortzufahren: „Bei minus 15 Grad wurden die Häftlinge von Auschwitz genau zu dieser Jahreszeit vor 66 Jahren aus dem Lager getrieben.“

Sie mussten 65 Kilometer weit laufen, in dünner Häftlingskleidung, ohne warme Wäsche und barfuß in Holzschuhen. Die Nazis wollten nicht, dass diese Menschen befreit werden. Denn die Rote Armee war schon in Hörweite, und das Ende des Elends war greifbar. Doch die Todesmärsche forderten noch einmal tausende unschuldiger Opfer, die nachts im Schnee schlafen mussten, notdürftig in Papier eingewickelt, in der Eiseskälte eng beieinander liegend.

Nur wenige befreit

Allein die Vorstellung ließ die über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Gedenkfeier am Donnerstag erschauern. Mit eindrucksvollen Worten führte Michaela Vidlakova plastisch vor Augen, wie die „Befreiung“ von Auschwitz durch die Sowjetarmee tatsächlich verlaufen ist. „Nur ein kleiner Teil wurde befreit“, sagte die Zeitzeugin aus Prag, die selbst als Sechsjährige ins KZ Theresienstadt verschleppt worden war und nur dank eines Zufalls überlebte.

Dr. Vidlakova ist seit Jahren zu Gast in Littfeld. Für sie ist klar: „Den Verbrechern darf nicht verziehen werden.“ Sie will zu denen eine Brücke bauen, die keine Schuld tragen. Deshalb besucht sie jedes Jahr Schulen im Siegerland, um der jungen Generation einen authentischen Eindruck der Nazischreckensherrschaft zu vermitteln.

Alon Sander hingegen ist der Nachkomme eines rechtzeitig nach Israel ausgewanderten Juden. Als Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegen-Wittgenstein sprach auch er gegen das Vergessen, das Verdrängen und die Gleichgültigkeit. Denn: „Die Verbrechen der Nazis waren sinnloser als jedes andere Verbrechen in der Geschichte der Menschheit.“ Er appellierte an alle Anwesenden, die Lehren aus dieser „unbeschreiblichen Zeit“ zu ziehen.

Auch Kreuztals Bürgermeister Walter Kiß betonte, wie wichtig es sei, die Erinnerung an die aus dem heutigen Kreuztal deportierten und in Lagern ermordeten Juden wach zu halten. „Welches Unrecht und welches Leid den Menschen damals zugefügt wurde, wird uns erst deutlich, wenn wir uns den Einzelschicksalen nähern, die hinter der anonymen Masse von Millionen Opfern stehen.“

Dafür steht Fred Meier: Seit fast 30 Jahren gedenkt die Stadt Kreuztal in Littfeld der Ermordung des im Februar oder März 1943 verschleppten jüdischen Kindes und seiner Angehörigen: Am 30. Januar – damals noch in der Kapellenschule – fand die erste Gedenkfeier statt, damals gegen einige Widerstände.

Mehr Besucher als sonst

Inzwischen hat auch die Stadt Kreuztal diesen Termin auf den Tag der Befreiung der Menschen im Vernichtungslager Auschwitz am 27. Januar gelegt. Von einem „Gewöhnungseffekt“ ist nichts zu spüren Im Gegenteil: Am Donnerstag fanden sich so viele Menschen wie selten zuvor an der Littfelder Grubenstraße ein. Jugendliche aus dem Littfelder „Glonk“ schilderten die Geschichte der Verschleppung von Fred Meier, die auch 68 Jahre danach noch ein Gefühl der Wut und der Ohnmacht hinterlässt.

Kranzniederlegung

WR Siegen

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