Gefängnisstrafe für Betrüger im Schrott-Prozess

Siegen..  Es gab keine Überraschungen am zweiten Verhandlungstag gegen das Täter-Duo, das zwischen März 2008 und September 2012 rund 2,3 Millionen Euro von einem Metallhandel in Mülheim/Ruhr ergaunert hatte. Der Siegerländer Thomas S. muss wegen bandenmäßigen Betrugs in 47 Fällen drei Jahre und zwei Monate ins Gefängnis. Sein Mittäter Sven Sch. kam mit 22 Monaten auf Bewährung plus 150 Sozialstunden davon.

Ursprünglich hatten rund 252 Tattage in der Anklage gestanden, die nun auf die Zahl der Monate reduziert wurden, weil die Lieferverträge immer monatlich abgeschlossen wurden. Nach dem umfangreichen Geständnis der beiden Männer und der Vereinbarung von Höchststrafen zwischen ihnen, dem Staatsanwalt und der Wirtschaftskammer, ging es gestern rasch in Richtung Entscheidung.

Der Geschäftsführer und ein Vorstand des geschädigten Unternehmens erklärten, in den bewussten Jahren auf die Angaben in den Papieren vertraut zu haben. Es sei auch nicht beabsichtigt gewesen, dass die Lieferungs- und Prüfungsvorgänge praktisch komplett in der Verantwortung einer einzigen Person waren, stellte der Geschäftsführer K. fest. Nachdem die Betrügereien aufflogen, habe es im Unternehmen erhebliche Umstrukturierungen gegeben, um ähnliche Vorfälle ausschließen zu können.

K. bestätigte die Angaben des Angeklagten S., dass die Geschäftsbeziehungen zum Siegerländer Unternehmen weiterliefen, an dem dieser 45 Prozent der Anteile hält. Das sei auch eine Folge des 2012 geschlossenen Vergleichs, nachdem sechs Millionen Euro als Schadenswiedergutmachung nach Mülheim geflossen waren. Wie der erhebliche Unterschied zur angeklagten Schadenssumme zu erklären sei, fragte Richter Dr. Fadi Al-Deb’i. Mit Hilfe des zweiten Angeklagten Sch. seien sämtliche Lieferungen durchgegangen worden, antwortete der Zeuge. Die 2,3 Millionen seien der Mindestschaden, „es könnten aber auch 10 Millionen gewesen sein“. Das sei nicht mehr genau nachzuvollziehen, die vereinbarten 6 Millionen daher ein angemessenes Ergebnis. Es sei um die Wiederherstellung des Vertrauensverhältnisses gegangen, auch um „das Lebenswerk“ des Geschäftsführers des Siegerländer Unternehmens.

Beruflich und privat ruiniert

Diese Wiedergutmachung durch S. sowie die Mitarbeit des zweiten Angeklagten bei der Aufklärung hatten Einfluss auf die Urteile. Ursprünglich hätte nur ein Anfangsverdacht auf kleine Absprachen bestanden, rief Verteidiger Joachim Albert für den Mandanten Sch. in Erinnerung. Der Angeklagte habe umfassend ausgesagt und den Ermittlern den Umfang des Betrugs erst aufgedeckt. „Sonst säßen wir gar nicht hier“, so der Anwalt. Wäre er damals für Sch. im Verfahren gewesen, „hätte ich ihm geraten, zu schweigen.“ Nun sei der Mandant beruflich und privat ruiniert, stehe „vor einem Scherbenhaufen; im Vergleich zu anderen, die weiter handeln und Geschäfte machen können“.