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Gefährliche Blutsauger

22.05.2013 | 18:29 Uhr
Gefährliche Blutsauger
Eine Zecke in WartestellungFoto: Archiv

Siegen. Alles Wichtige rund um das Thema Zeckenbiss und Schutz vor den Blutsaugern erklärt Dr. Simon Danckworth, Kinder- und Jugendmediziner an der DRK-Kinderklinik Siegen und niedergelassener Kinderarzt in Freudenberg, in unserer heutigen Ausgabe von „Leser fragen, Ärzte antworten“.

„Ich habe jetzt zum Sommer immer Angst, wenn meine Jungs in kurzen Hosen durch die Wiesen und Wälder streifen. Was kann ich tun, wenn einer der Jungs dann doch eine Zecke hat?“, fragt Ilona S. aus Kreuztal, Mutter von drei Jungs.

Die Zecken haben jetzt tatsächlich wieder Saison. Mit der wärmeren Jahreszeit steigt auch die Aktivität der Zecke an. Der im Gras und Unterholz lebende „gemeine Holzbock“ ist in unseren Breiten weit verbreitet. Er wird im Frühsommer aktiv, hohe Temperaturen und trockene Luft meidet er. Der Mensch ist in seiner Eigenschaft als Wirt für die Zecke nur ein Ersatz für die eigentlichen Wirtstiere wie Maus, Igel, Kaninchen oder Reh.

Zecken lauern auf Grashalmen

Entgegen der landläufigen Meinung fallen Zecken nicht von Bäumen, sondern lassen sich von Grashalmen oder Sträuchern abstreifen oder laufen zu ruhenden Menschen oder Tieren im Gras. Auf dem Körper ihres Wirts laufen sie erstaunlich schnell zu Stellen, an denen sie besonders gut an das Blut herankommen.

Dort beißen sie sich fest, saugen über Stunden und lassen sich dann voll gesogen wieder abfallen. „Der Biss einer Zecke an sich ist nicht gefährlich, doch können diese Tierchen verschiedene Erkrankungen übertragen. Bei uns in Europa sind dies die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die Borreliose“, erklärt Dr. Simon Danckworth, Kinder- und Jugendmediziner an der DRK-Kinderklinik Siegen und niedergelassener Kinderarzt in Freudenberg.

„Die FSME ist eine Viruserkrankung, die ähnlich einer schweren Grippe abläuft und schwere neurologische Ausfälle zur Folge haben kann. Sie tritt jedoch nur in begrenzten Gebieten in Europa auf (südlich der Mainlinie und Osteuropa) und kann durch rechtzeitige Impfung wirkungsvoll verhindert werden. Die Borreliose ist eine bakterielle Erkrankung, die europaweit auftritt und deren Erreger in der Regel erst nach einer Saugdauer von etwa 16 Stunden übertragen werden.“

Falls es nach einem Zeckenbiss zu einer Übertragung von Borrelien gekommen ist, können Erkrankungen der Haut, der Hirnhäute und der Gelenke entstehen, sehr selten sind auch andere Organe betroffen. Folgeerkrankungen, wie eine Hirnhautentzündung oder eine Gelenkerkrankung treten Wochen bis Monate nach dem eigentlichen Zeckenbiss auf, sind selten und heilen bei einer antibiotischen Infusionstherapie fast immer folgenlos aus.

Bissstelle vier Wochen beobachten

„Wenn man eine Zecke an sich oder einer anderen Person entdeckt, sollte diese in Ruhe entfernt werden, indem sie möglichst nahe über der Haut mit einer feinen Pinzette oder einer Zeckenzange gegriffen und mit gleichmäßigen Zug aus der Haut entfernt wird. Sollte das Mundwerkzeug in der Haut stecken bleiben, ist dies nicht gefährlich, da es sich lediglich um einen kleinen Fremdkörper in der Haut handelt, ähnlich einem Splitter im Finger“, erklärt Dr. Danckworth. Weiterhin empfiehlt es sich, die Bissstelle bis zu vier Wochen zu beobachten, um auf eventuelle Hautveränderungen mit einem Besuch beim niedergelassenen Kinder- und Jugendarzt reagieren zu können. Ein Zeckenbiss ist kein Notfall und in der Regel nicht schlimmer als ein Mückenstich.

Die beschriebenen Erkrankungen, die durch Zecken übertragen werden können, sind die Ausnahme. Zur Vorbeugung von Zeckenbissen empfehlen die Kinderärzte der Siegener Kinderklinik bei längeren Aufenthalten im Freien vor allem im Bereich der Beine geschlossene und eng anliegende Kleidung zu tragen. So wird Zecken erschwert, an die bevorzugten Hautstellen zu gelangen. „

Weiterhin ist es sinnvoll, sich und seine Kinder nach einem längeren Aufenthalt im Grünen nach Zecken abzusuchen. Milbentiere können so gefunden werden, bevor sie sich festgebissen haben. Bei geplanten Reisen in ein gefährdetes Gebiet empfiehlt sich eine Impfung gegen FSME.“

Über aktuelle FSME-Hochrisikogebiete informiert die im Internet veröffentlichte Karte des Robert Koch Instituts: www.rki.de – Suchbegriff „FSME Karte“ eingeben.

Haben Sie Fragen an die Spezialisten der DRK-Kinderklinik? Zum Beispiel zum Thema Helmpflicht oder zur Ersten Hilfe bei Kindern? Dann machen Sie mit bei unserer Aktion mit den Fachärzten der Kinderklinik: Leser fragen, Ärzte antworten. Schicken Sie uns Ihre Gesundheitsfragen an siegen@westfalenpost.de. Nutzen Sie auch den Kontakt über die Facebook-Seite der DRK-Kinderklinik oder der Westfalenpost Siegen.


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