Gedenkstein für Hedwig Jung-Danielewicz in Obersdorf

Bürgermeisterin Christa Schuppler und Ortsvorsteher Egon Dreisbach enthüllten den Gedenkstein, der anHedwig Jung-Danielewicz erinnert. Ein Einzelschicksal zwischen den zahllosen Opfern. Gerade das helfe den Horror der Nazi-Zeit zu begreifen, so Dr. Paul Ulrich Unschuld, der eine Biografie über sie verfasste
Bürgermeisterin Christa Schuppler und Ortsvorsteher Egon Dreisbach enthüllten den Gedenkstein, der anHedwig Jung-Danielewicz erinnert. Ein Einzelschicksal zwischen den zahllosen Opfern. Gerade das helfe den Horror der Nazi-Zeit zu begreifen, so Dr. Paul Ulrich Unschuld, der eine Biografie über sie verfasste
Foto: Max Amos
Was wir bereits wissen
Die Gemeinde Wilnsdorf hat Hedwig Jung-Danielewicz einen Platz im Obersdorfer Neubaugebiet gewidmet. Dort erinnert ein Gedenkstein an die Frau, die von den Nazis ermordet wurde.

Obersdorf..  Wird in der Zeitung von einem Verbrechen berichtet, fühlen sich viele Leser betroffen. Tief im Inneren fällt es schwer, das Ausmaß der Tat zu verstehen, sich gar in die Opfer hineinzuversetzen. Aber wenn schon die Imagination einer vergleichsweise gewöhnlichen Straftat nicht gelingen will, dann stellt sich die Frage, wie sich Menschen aus der jüngeren Generation ein Bild vom größten Verbrechen in der jüngeren Geschichte machen sollen. Jenem Verbrechen, das an diesem Wochenende vor 70 Jahren ein Ende fand.

Das Unfassbare in Einzelschicksalen

An der Antwort versucht sich Prof. Dr. Paul Ulrich Unschuld, mehrfach promovierter Sinologe und Medizinhistoriker aus Berlin: „Das Unfassbare dieses Verbrechens wird nicht durch die Zahlen von Hunderttausenden oder Millionen Opfern sichtbar, sondern durch die Kenntnis der Einzelschicksale.“ Schicksale wie das von Hedwig Jung-Danielewicz. Eine der ersten Frauen, die in Deutschland regulär Medizin studierten. Die ihrer Liebe zum Maler Carl Jung-Dörfler wegen aus der Großstadt Berlin nach Wilnsdorf kam. Und die als Jüdin schließlich den Nationalsozialisten zum Opfer fiel.

Nicht in die Geschichte eingegangen

Ihr hat die Gemeinde Wilnsdorf einen Platz im Obersdorfer Neubaugebiet „Am untersten Johannes“ gewidmet, wo nun ein Gedenkstein an sie erinnert. Am Samstag waren Ortsvorsteher Egon Dreisbach, Bürgermeisterin Christa Schuppler und eben Paul Ulrich Unschuld gekommen, um ihn einzuweihen. Nach den Klängen des Posaunenchors CVJM Obersdorf und einigen Worten von Bürgermeisterin Schuppler ergriff Unschuld das Wort. Er sei „gerührt angesichts dieser Würdigung für Hedwig Danielewicz“. Seine besondere Beziehung zu ihr rührt daher, dass er ihre Biografie verfasste. „Sie hat versucht, sich aus der Beengung dieser Makel zur damaligen Zeit, als Jüdin und Frau, zu befreien.“ Am Ende sei sie jedoch bestraft worden für den „kollektiven Hass“ in Deutschland. Sie sei gleichwohl niemand, der „in die Weltgeschichte“ eingehe. Eine Frau aus einem normalen bürgerlichen Haus, die zwar eine Pionierrolle in ihrer Profession einnahm. Doch am Ende ein kleines Einzelschicksal zwischen den zahllosen Opfern der Vernichtungen durch die Nationalsozialisten war. Gerade das sei es, was helfen könne, die damalige Zeit zu verstehen.

Historie greifbar machen

Dem pflichtete Egon Dreisbach bei: „Sie hat sich hier als Großstadtkind in dieses kleine Dorf integriert. Das hat ihr vieles gegeben.“ Um ihre Geschichte greifbar zu machen, habe man versucht, dieses Projekt zu realisieren. Beim Bau des Neubaugebiets habe er darauf hingewirkt, diesen Platz als Erinnerung für Hedwig Jung-Danielewicz zu bekommen. „Und ich bin auch ein bisschen stolz darauf, dass mir das gelungen ist.“

Erinnerung aus in Düsseldorf

Ortsvorsteher Egon Dreisbach schilderte die Lebensgeschichte von Hedwig Jung-Danielewicz bis hin zu ihrem Tod in einem Minsker Ghetto 1942. Hedwig Jung-Danielewicz wwar am 10. November 1941 nach Russland deportiert worden.

In der Uhlandstraße 23 in Düsseldorf erinnert ein Stolperstein an die 1880 geborene Hedwig Jung-Danielewicz. Sie arbeitete dort als Kinder- und Frauenärztin, bevor sie 1938 ein von den Nationalsozialisten erlassenes Berufsverbot stoppte