Für Route 57: Ohren zu und durch

1000 Ohrstöpsel wollen Helmut Six (rechts) und seine Mitstreiter an die Anwohner von B 62 und B 508 verteilen. Sie sollen dafür gewonnen werden, die Aktion für die Route 57 zu unterstützen.Foto:Steffen Schwab
1000 Ohrstöpsel wollen Helmut Six (rechts) und seine Mitstreiter an die Anwohner von B 62 und B 508 verteilen. Sie sollen dafür gewonnen werden, die Aktion für die Route 57 zu unterstützen.Foto:Steffen Schwab
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Ferndorf..  Verabredet ist der Treff an der Bäckerei an der Einmündung der Kindelsbergstraße um 14.30 Uhr. Zu dieser Zeit sind Helmut Six, Willi Schäfer und Michael Stötzel aber noch ziemlich allein — sie wissen allerdings, was sie tun, wenn sie sich mitten in den gerade erst beginnenden Feierabendstau an der B 508 stellen: Die „Bürgerinitiative weniger Lärm B 508 – B 62“ bringt sich in Erinnerung.

Six überbrückt die Zeit, indem er Zeitungsausschnitte von 1984 vorzeigt. Damals wurde mit ähnlichen Argumenten wie heute über Ortsumgehungen gestritten. Paul Breuer war längst noch nicht Landrat, sondern junger Bundestagsabgeordneter und alles andere als silberhaarig. „Es wird langsam Zeit, dass die Debatte beendet wird“, findet Helmut Six. Er muss seine Stimme heben, um sich gegen die von einer Kette von Lastzügen erzeugte Lärmkulisse durchzusetzen.

Für Ferndorf und Dreis-Tiefenbach

1000 Ohrstöpsel will die Initiative an die Anwohner verteilen, um sie als Unterstützer zu gewinnen. Jetzt gleich in Ferndorf, am Dienstag zur selben Zeit in Dreis-Tiefenbach. Ortsbürgermeister Horst Völkel wartet schon länger auf der anderen Straßenseite auf eine Lücke in der Autoschlange — „nimm die Ampel“, rät Willi Schäfer. Derweil trifft Olaf Kemper ein. „Da war halt so ein Stau“, sagt der Hilchenbacher.

Der Dreis-Tiefenbacher hat es geschafft. Doch, sagt Horst Völkel, ein bisschen werde die Kreuztaler Südumgehung auch ihnen bringen — weniger Schleichverkehr über den Berg vom Ferndorf- ins Siegtal, „Und wenn es nur 2000 bis 3000 Fahrzeuge am Tag weniger sind.“ Jetzt sind es fast 25 000.

Vertröstet wurde die Initiative bisher mit der laufenden Planfeststellung für die Südumgehung. Jetzt ist die mehrtägige Anhörung gelaufen. Und auch Landrat An­dreas Müller hat sich auf Geheiß des Kreistags erneut an den Bundesverkehrsminister gewandt. Dass Müller eher auf Sofortmaßnahmen wie die dritte Fahrspur zwischen Lützel und Altenteich und den Ausbau der L 719 über die Siegquelle setzt, berührt Helmut Six und seine Mitstreiter wenig: „Uns geht es darum, dass die Südumgehung in trockene Tücher kommt.“ Das sieht André Jung, Hilchenbachs CDU-Fraktionschef und Vorsitzender des Kreistags-Verkehrsausschusses, nicht anders. „Und dann arbeiten wir uns Schritt für Schritt Richtung Wittgenstein vor.“ Was auch immer der Landrat wirklich denkt. Jung ist entspannt, seit auch er es über die Straße geschafft hat. „20 Minuten von Kredenbach bis hierhin.“

Sven Wengenroth ist auch da. Seine Eltern, die an der B 508 wohnen, hätten sogar Zuschüsse für Lärmschutzfenster bekommen. Helfen würden die aber „nicht wirklich“. Möglicherweise, sagt der SPD-Bürgermeisterkandidat zu seinem CDU-Ratskollegen, könne sich ja auch der Hilchenbacher Rat ähnlich wie der Kreistag zu dem Route-57-Projekt bekennen. Die Debatte mitten im Bürgermeister-Wahlkampf könnte laut werden. Da helfen dann keine Ohrstöpsel mehr.

Eigene Farbe und eigenes Ziel

Mit grüner 57 und einem Smiley als „ü“ in Bürgerinitiative hebt sich der Zusammenschluss „Bürgerinitiative Route 57“ optisch von der in rot auftretenden Route-57-Kampagne ab.

Ziel ist in erster Linie „Weniger Lärm B 508-B 62“, nicht die Schnellstraße nach Wittgenstein.