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Für NRW gehen alle meilenweit

19.09.2010 | 14:34 Uhr
Für NRW gehen alle meilenweit
Großes Besucherinteresse gab es an der Blaulichtmeile. Fotos: Alex Völkel

Für den NRW-Tag fuhren die Festgäste meilenweit - mit Bahn, Bus und Auto. Wer alle Angebote sehen wollte, legte auch zu Fuß mehrere Kilometer zurück. Brigitte Wambsganß war am Samstag unterwegs.

Start am Parkplatz auf der Freudenberger Wilhelmshöhe: Gegen Mittag ist im Shuttlebus noch Platz. Die Männer der Freiwilligen Feuerwehr Siegen-Oberschelden und des Spielmannszugs Niederndorf machen beim Festzug mit und sind schon bester Laune. “Hinter uns geht der Musikzug Eiserfeld. Wir wechseln uns ab -- aber wenn wir bei Hannelore vorbeigehen, spielen wir gemeinsam ,Preußens Gloria’, kündigt der Niederndorfer Spielmannszugführer Thomas Jung an. Gemeint ist natürlich Ministerpräsidentin Hannelore Kraft.

Essen fassen auf der touristischen Meile - zeischen Rubens und Landluft.

Der Bus hält hinter dem Cinestar und die Fahrgäste sind schon mittendrin. Auf der RWE-Bühne singt ein Chor Heimatlieder und um die Ecke beginnt der Wanderweg durch alle Regionen des Landes. Sie informieren in weißen Zelten über ihre Reize -- und die Tragetaschen der Besucher füllen sich mit Prospekten. Die Siegerländer Messer- und Schmiedefreunde demonstrieren ihre alte Handwerkskunst. Der schaurig-schöne Graf Dracula flaniert mit bleichen Damen in Rokokogewändern über die Siegplatte. Von heute sind dagegen die Genüsse, die die Köchezunft von “Rubens und Landluft” serviert. Der Duft nach Gegrilltem und Gebratenem macht Appetit - die Tische sind besetzt.

Die Bahnhofstraße gehört der Landespolitik. Ministerien und Fraktionen stellen sich vor, die Bürgerinnen und Bürger können im Zelt des Petitionsausschusses des Landtags ihre Sorgen direkt loswerden. Und Landtagspräsident Eckhard Uhlenberg beschwört auf der Bühne im Live-Interview die Aufgabe der idealen Abgeordneten. Sie müssten oft im Wahlkreis präsent sein “und die Anliegen der Menschen aufnehmen”.

Nächste Station City-Galerie. Hier machen soziale Einrichtungen auf ihre Arbeit aufmerksam. Alles wartet auf die Ministerpräsidentin. Hannelore Kraft (SPD) lässt sich aber noch auf der WDR-Bühne den Titel “Landesmutter” verleihen. Sie und ihre Stellvertreterin Sylvia Löhrmann (Grüne) erscheinen mit Verspätung -- kurze Gespräche, Händeschütteln und Fotos beim Frauenrat, der AWO, der Diakonie und der Siegener Bürgerstiftung. Angelika Schmitt aus Irmgarteichen schaut zu, wie die Regierungschefin die Rolltreppe abwärts fährt. Sie hat sie heute schon mal gesehen: „Hautnah in der Oberstadt. Das war eine Überraschung.“ Der Tross eilt weiter.

Auf dem Weg zur Blaulichtmeile machen Musikfans Station in der Volksbank. „Fly me to tue moon“ heißt die Ausstellung des Siegener Rock-Museums von Mary und Wolfgang Thomas. Annette Altgeld aus Littfeld und ihr Freund Jürgen Knaebel aus Hamburg sind begeistert: „Das sind Erinnerungen -- die ,Raumpatrouille Orion‘ haben wir geliebt.“ Gus Backus singt dazu vom „Mann im Mond“.

Kontroverse Diskussionen löste die Beteiligung der Bundeswehr aus. Allerdings war das Besucherinteresse riesig.

Draußen hat die Bundeswehr ihre Zelte aufgeschlagen -- Hubschrauber, Fahrzeuge, Panzer finden reges Interesse. Auf dem „Leo“ sammeln sich Besuchertrauben. Da nützen auch die Protestplakate der „Linken“ wenig. Polizeiautos und Feuerwehrfahrzeuge sind ebenfalls umlagert. Kinder dürfen sich im Streifenwagen fotografieren lassen. Die Hilfs- und Rettungsorganisationen demonstrieren auf der Blaulichtmeile ebenfalls mit viel Aufwand ihre vielseitigen Aktivitäten -- das THW übt spektakuläre Abseilaktionen, beim DLRG können Interessenten Taucher beobachten, das DRK zeigt seine Oldtimerflotte und lässt im Blutspendeauto Besucher zur Ader. Ebenfalls im Einsatz sind die Hundestaffeln der Malteser und des Arbeiter-Samariter-Bundes. Natürlich steht auch der ADAC-Rettungshubschrauber parat.

Aber es gibt auch stille Momente am Rande - auf der noch leeren Ehrentribüne vor dem Kreishaus stillt eine Frau ihr Baby. Und am Rande des CVJM-Hockeyfeldes macht Familie Bau aus dem rheinland-pfälzischen Nister Pause mit Bratwurstbrötchen: „Wir haben die Information über den NRW-Tag im Internet gefunden.“ Die Blaulicht- und Sportmeile haben die Baus schon hinter sich: „Es ist Wahnsinn, was hier alles zu sehen ist.“ Tochter Hannah (8) hat die Kletterwand des Alpenvereins besonders gefallen: „Ich war oben bis zur Klingel.“

In und um die Siegerlandhalle ist die geballte Wirtschaftskraft der Region versammelt. Drinnen präsentieren sich große Namen wie Achenbach-Buschhütten, Georg, Herkules, Waldrich, Vetter, Kirchhoff und Utsch zwischen Elektroautos und Sportflitzern. Die Firma Zoz lässt ein Mini-Raumschiff durch den Saal surren. Die IG Metall sorgt für das Kontrastprogramm und sammelt Unterschriften zum Thema Leiharbeit: „Gleiche Arbeit, gleiches Geld.“

Im Foyer-Obergeschoss wirbt die Universität mit der Ausstellung „Weltmaschinen“ um Nachwuchs für die Wissenschaft. „Wir hatten schon 1500 Besucher“, zieht Physikprofessor Dr. Peter Buchholz eine erfreuliche Zwischenbilanz. Marius und Tim Müller aus Olpe lassen sich von Prof. Dr. Claus Grupen die „Nebelkammer“ erklären, die Spuren der Umwelt-Radioaktivität sichtbar macht: „Wir suchen Infos über technische und naturwissenschaftliche Studiengänge.“ Technik ist auch vor der Halle zu bestaunen: Baukräne, Riesen- und Minibagger zum Anfassen. Mutige lassen sich im Korb eines Superkrans in 80 Meter Höhe befördern, Traumblick über die kurzeitige Hauptstadt des Landes inklusive.

IIn der Stadt gab es viele multikulturelle Einflüsse zu sehen, zu riechen und zu schmecken.

Zurück in die Innenstadt. Kunst gucken in der Oranienstraße, ein Gläschen Federweißer im mittlerweile sonnenbeschienenen Weindorf. Nach dem Festzug ist auch der Weg durch die Kölner Straße wieder frei. Am Berliner Bär begrüßt das fürstliche Regiment von 1760 die Besucher. Menschenmassen in beiden Richtungen. Wer sich nach oben durchgedrängt hat, wird von köstlichen Düften belohnt: Siegen international. Am Stand des russischen Clubs servieren Frauen in bunten Trachten Gebäckspezialitäten, Wodka und Schnittchen mit echtem russischen Kaviar. Die Thai-Siam-Gruppe tischt Asiatisches auf und mehrere türkische Vereine braten für wenig Geld Fleischspezialitäten und leckere gefüllte Fladen. „Die kommen doch nicht auf ihre Kosten“, wundert sich eine Kundin.

Noch ein Abstrecher in die Kirchenmeile. Größte Attraktion ist hier die Karriereleiter des Jugendwerks Förderbands: Gut abgesichert steigen Leute mit Mut vom Kindergarten bis in die Chefetage auf.

Die Marburger Straße gehört dem Ehrenamt. Beim NABU verunsichert der sichtbar atmende „Schlafbär“ die Standbesucher: Echt oder nicht? Ein Mädchen schaut ihm in die Glasaugen: „Der ist nicht echt!“ Der Bär soll darauf aufmerksam machen, dass viele Tierarten vom Aussterben bedroht sind. Der Siegener Lions-Club sammelt am Ende der Ehrenamtsmeile Geld für Pakistan. Wer will, kann symbolisch an einer Lehmmauer weiterbauen: Der NRW-Tag ist auch offen für die Probleme der Welt.

Brigitte Wambsganß

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Kommentare
23.09.2010
21:25
Für NRW gehen alle meilenweit
von Rheinhausener | #1

Der Kommentierung des NRW-Tages kann ich mich nur der dargebotenen Attraktionen und Stände wegen anschliessen.

Was die heimische Kleingastronomie angeht wurden diverse Aktionen genehmigt, wohl wissend, daß dort Geld in den Sand gesetzt wird. Wer ersetzt eigentlich diesen Wirten den Verlust? Wahrscheinlich keiner! Die entsprechenden Gebühren wurden durch das Ordnungsamt gerne berechnet und entgegengenommen - ist ja gut fürs Stadtsäckel.

Meine Frage ist: Wieso hat man die eigene Gastronomie nicht offiziell komplett mit eingebunden, sondern sie mit wenigen Ausnahmen sich selbst überlassen?

Da war die Organisation im letzten Jahr in Hamm besser.

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