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Stift Keppel

Frisches Blut aus narrenfreier Zone

15.02.2010 | 19:15 Uhr
Frisches Blut aus narrenfreier Zone

Hilchenbach-Allenbach. „Karneval?”, fragt Christopher Hanke irritiert zurück. Die Luftschlange auf dem im Keppeler Speisesaal gedeckten Tisch hat er offenbar übersehen. „Karneval ist nicht so mein Ding.” Der 19-Jährige spendet, zusammen mit rund hundert anderen Freiwilligen, Blut am Rosenmontag.

„Ich erwarte ja auch, dass jemand anders für mich sein Blut spendet”, stellt Britta Bohne fest. Julia Cordes, mit 19 in der Jahrgangsstufe 13, spendet bereits zum zweiten Mal. Ihre Mitschülerin Joelle Hirsch auch: „Meine Blutgruppe gibt es nicht so oft.” A-Rhesus negativ nämlich.

Von den rund 700 Blutspenden, die der Hagener DRK-Blutspendedienst am Rosenmontag einsammelt, kommt etwa jede 15. aus Keppel. Es gibt nicht allzu viele Orte im Regierungsbezirk Arnsberg, an denen die 14 Teams an diesem Tag nutzbringend eingesetzt werden können, berichtet Pressereferentin Sabine Gräfe. Dabei ist die Versorgungssituation eh schon angespannt. „Das Wetter bricht uns den Hals.” Manchmal blieben 500 der täglich im Schnitt benötigten tausend Blutspenden aus.

Allenbacher DRK-Frauen

tischen großzügig auf

Eine Platte mit Kräppelchen auf dem Büffet, an dem sich die Blutspender stärken, und besagte Luftschlange – das sind die einzigen Konzessionen an den Karneval. Die 18- und 19-Jährigen auf den Tragen in der Aula spenden garantiert promillefreies Blut. Wenn Dr. Karl Fries aus Erndtebrück, der den Blutspendetermin als Arzt überwacht, jemanden zurückschickt, dann aus anderen Gründen. Zu wenig Hämoglobin. Ursula Karl, Vorsitzende des Allenbacher DRK-Frauenarbeitskreises, rät dann zu Wurst- oder Schinkenschnitten schon vor der Blutspende: „Manchmal hilft das.”

Simon Hardt hat es hinter sich. Wenn die Ruhezeit vorüber ist, geht er zum Frühstück in den alten Internatsspeisesaal. Er ist einer von den „Ehemaligen”, der den Blutspendetermin gern auch nutzt, um alte Bekannte wiederzusehen. „Man kommt halt immer mal gern wieder zurück.” Auch zu Ursula Karl und ihren zehn Helferinnen, die ihr Büffet mit Müsli und 120 Brötchen, heißen Würtschen, selbst gebackenem Kuchen und Obstsalat bedarfsgerecht aufgerüstet haben. „Pizzaschnecken sind hier der Renner.” Mit der bei anderen Terminen üblichen Blutwurst kommen die Frauen dagegen im Stift überhaupt nicht an.

1987 gab es den ersten Blutspendetermin in Keppel, 1996 den zweiten und dann jedes Jahr einen. Nach dem 15. Termin im vorigen Jahr sind insgesamt rund tausend Blutspenden zusammengekommen; jeder Zweite wurde hier zum ersten Mal zur Ader gelassen. „Nirgendwo sonst ist die Zahl der Erstspender so hoch”, sagt Ursula Karl. Und auf diese neue Spendergeneration kommt es dem DRK besonders an: Der erste Schritt ist auch hier der schwierigste.

Neues Team führt

die Aktion weiter

Oder vielleicht auch gar nicht. „Rechter Arm oder linker?”, fragt der Mitarbeiter vom Blutspendedienst den nächsten Spender, der sich auf der Liege niedergelassen hat. „Egal”, antwortet der junge Mann lässig. Nein, berichtet Lehrerin Sabine Buschbaum, viel Überzeugungsarbeit sei da im Vorfeld nicht zu leisten gewesen. Sie unterstützt ihre Kollegin Alexandra Würtz bei der Vorbereitung des Rosenmontagstermins, der mit Besuchen in allen Klassen und Kursen mit potenziellen Blutspendern beginnt. Das Team ist neu: Dr. Herbert Schneider, der sich seit 1996 um die Blutspenden kümmerte, ist in den Ruhestand gegangen. Seine Nachfolgerin ging mit bestem Beispiel voran: Der erste halbe Liter des Tages kam von ihr.

Ach, der Karneval im Siegerland. Aus der eigenen Schulzeit in Keppel kann sich Sabine Buschbaum an eine Polonäse in der Sporthalle erinnern. Als junge Lehrerin hat sie sich einmal bunt geschminkt und mit Pappnase ins Lehrerzimmer gewagt. Als einzige, wie sie in der Schrecksekunde feststellen durfte. „Das war ziemlich peinlich.”

Steffen Schwab

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