Friedhelm Geldsetzer - Der Mann, der die Stadt anzündete

Friedhelm Geldsetzer hat in seinem Garten einen eigenen Backes gebaut: „Hier sind 6000 Rezepte. Es gibt kein Gebäck, das ich noch nicht gemacht habe“, sagt der 70-Jährige.
Friedhelm Geldsetzer hat in seinem Garten einen eigenen Backes gebaut: „Hier sind 6000 Rezepte. Es gibt kein Gebäck, das ich noch nicht gemacht habe“, sagt der 70-Jährige.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Friedhelm Geldsetzer ist staatlich geprüfter Pyrotechniker, baute sich seinen eigenen Backes und tut auch sonst ganz schön viel in Freudenberg.

Freudenberg.. Sein erstes Wort war „Draht“. Das sagte Friedhelm Geldsetzers Mutter einmal. Heute sitzt der 70-Jährige in seinem selbstgebauten Backes und nickt. „Das passt“, sagt er und erzählt, wie er als Kind Lautsprecher gebaut hat, aus den „primitivsten Dingen“. Er kletterte auf Bäume, erschrak Wanderer in Freudenberg. „Die haben sich gefragt, wo das Gekräkse herkommt“, sagt Geldsetzer und lacht. Er wirkt davei wie der schadenfrohe Junge, der zwischen den Ästen hockt.

Technischer Leiter der Freilichtbühne Freudenberg

Mit der Tüftelei hat er nie aufgehört. Vor mehr als 50 Jahren ging er zur Freilichtbühne in Freudenberg und wurde technischer Leiter. Pyrotechnik, das war sein Ding. Seit 37 Jahren ist Friedhelm Geldsetzer staatlich geprüfter Pyrotechniker. Er hebt kurz die Hände. „Und ich hab’ noch alle Finger.“

Die Ideen finden ihn. Soll Pinocchio eine lange Nase wachsen, dann wächst sie. Soll der Ballon von Dorothy auf dem gelben Ziegelsteinweg von Oz landen, dann landet er. Und die Pfeile von Robin Hood? Die treffen dank Geldsetzer ihr Ziel. „In Kindergärten erzähle ich die Geschichte vom Räuber Hotzenplotz. Meine Kaffeemühle spielt dabei auch ein Lied“, sagt er und erklärt gleich die Technik, die das Theater so realistisch macht.

Die Bühne ist aber nicht alles. Immer wieder springt er beim Erzählen, denn Friedhelm Geldsetzer brennt nicht nur für die Pyrotechnik. Er arbeitet im Vorstand des Technikmuseums, lehrt den Anbau von Apfelbäumen. Er organisiert Stadtführungen, klinkt sich bei den Dorfbotschaftern ein. Friedhelm Geldsetzer tut viel für seine Heimat. Wenn er etwas anpackt, dann richtig. Halbe Sachen sind nichts für den Freudenberger.

Deswegen baute er einen eigenen Backes in den Garten, ohne Hilfe von Handwerkern. Das Haus ist von außen mit Holz verkleidet, innen nimmt ein Backsteinofen den meisten Platz weg. Eine Bank erstreckt sich durch den Raum, viele Menschen finden hier Platz. Holzgeräte zum Teigkneten oder Plätzchenausstechen lagern in allen Ecken. Auf dem Fenster schimmert ein transparenter Osterhase, den ein einer seiner Enkel gebastelt hat. Friedhelm Geldsetzer zeigt auf ein Regal über der Tür. „Hier sind 6000 Rezepte. Es gibt kein Gebäck, das ich noch nicht gemacht habe.“ Mancher Teig wird mit geheimen Zutaten gemischt. Nur ein Hobby, dass er neben dem Engagement für Stadt und Vereine pflegt.

Familie, Freunde und Nachbarn machen Freudenberg zur Heimat

Sterben die Vereine, hätte die Stadt ein Problem, sagt Friedhelm Geldsetzer. Vereine bieten Dinge an, die die Stadt nicht anbieten könne. Natürlich werde es immer schwerer, Menschen für die Vereinsarbeit zu gewinnen, aber in Freudenberg sei die Situation nicht so schlecht.

„Die Tätigkeit macht man ja nicht für sich, sondern für andere.“ Seine Stimme klingt fast geschäftsmäßig bescheiden. Für ihn kommen zuerst die anderen, dann er selbst. Und diese anderen eben, die verbindet er mit der Heimat. Familie, Freunde, Nachbarn, sie alle machen Freudenberg zu seiner Heimat.

Hintergrund 2006 zündete er die Stadt an. Friedhelm Geldsetzer setzt sich in seinem Stuhl auf. Seine Augen leuchten und seine Hände gestikulieren immer wilder, wenn er vom Höhepunkt seiner Karriere erzählt – einem Ereignis, dem Hunderte Menschen zusahen und das selbst auf dem großen Poster auf dem Tisch im Backes beeindruckend aussieht.

Mit Pyrotechnik den Alten Flecken brennen lassen

Purpurrot brennt das Feuer auf dem Bild zwischen den Fachwerkhäusern. Mit Pyrotechnik und enormem Aufwand ließ er den Alten Flecken brennen, wie er es Jahrhunderte zuvor wirklich tat. „Das war absolut der Wahnsinn, allein die Arbeit, die dem voraus ging. Wenn ich nicht so heimatverbunden wäre, hätte ich das nicht gemacht“, sagt er heute.

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