Freundinnen: Die Märzenbecher und das Kinderbett der Sieg

Marliese Neuser und Christhilde Wagener: Die eine von hier, die andere zugezogen — und für beide ist Walpersdorf Heimat.
Marliese Neuser und Christhilde Wagener: Die eine von hier, die andere zugezogen — und für beide ist Walpersdorf Heimat.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Marliese Neuser steht in der Haustür. Sie trägt noch ihre Pantoffeln und plaudert entspannt mit der Nachbarin. Es gibt Neuigkeiten in Walpersdorf. Von Nachbarn, die man kennt, Menschen, die man jeden Tag trifft, denn Walpersdorf ist klein. Aus dem Weg gehen kann man sich hier nicht.

Walpersdorf.. Aber das will Marliese Neuser auch nicht, sie lacht fröhlich, grüßt noch mehr Walpersdorfer auf dem Weg den Berg hoch, zu der schönen Aussicht. Plötzlich winkt sie. „Das ist Christhilde. Ach, Christhilde muss auch mitkommen. Das ist eine ganz liebe Freundin“, sagt sie, und einen Schuhwechsel später stehen die beiden Frauen auf der Veranda des FSG-Häuschens und blicken gemeinsam über Walpersdorf.

Schöner Ausblick an Silvester

Weil die Bäume nicht so grün sind, hat man von hier aus jetzt einen schönen Blick“, sagt Marliese Neuser. „Hier haben wir an Silvester gestanden und haben auf den Ort geguckt. Da gehen einem dann die Haare hoch, das ist so schön. Durch die Raketen ist alles wie erleuchtet und die Sterne, ach...“, schwärmt sie und Christhilde Wagener neben ihr nickt, ihre Augen funkeln verschmitzt.

Die beiden sprechen schnell, Marliese Neuser immer noch etwas schneller. Sie fallen sich ins Wort, beenden die Sätze der anderen. „Die Dorfgemeinschaft ist gut. Wenn Nachbarn grillen, dann geht man hin oder man spricht über den Zaun“, sagt Christhilde Wagener. Marliese Neuser ist in Walpersdorf geboren. „Ich bin eine Einheimische, ein Hisi. So sagt man hier. Man schwätzt ja auch Siegerländer Platt, Walpersdorfer Platt. Und sie kam ja im Sauerland zur Welt“, sagt sie und deutet auf Christhilde. „In Ottfingen.“ „Und sie hat sich gut eingelebt.“ „Genau, wegen den guten Freunde hier.“

Gemeinsames Lied aus dem Stegreif

„Hach“, macht Marliese Neuser. Sie lehnt sich an die Terrasse des Holzhäuschens und strahlt. Sie strahlen beide, wenn sie sich an ihre Freundin Martina Albers erinnern. „Wir sind zu dritt und spielen alle Gitarre. Wir haben gesungen und viele Auftritte gehabt“, erzählt Christhilde Wagener. Sie sei die Komponistin gewesen, kann aus dem Stegreif ein Lied singen, in das Marliese Neuser direkt einstimmt.

„Wo die Sieg in ihrem Kinderbettchen liegt...“

„Wo die Sieg in ihrem Kinderbettchen liegt...“, singen sie. Marliese Neuser lacht immer wieder zwischendurch. „Leider war ich jetzt nicht textsicher.“ Christhilde habe ihr das Gitarrespielen beigebracht. Sie habe das immer lernen wollen und irgendwann hätte sie sich einfach bei Christhilde angemeldet. „Das ist schon lange her, Christhilde“, sagt Marliese Neuser. „Jaha...“, seufzt ihre Freundin. „Von da an sind wir immer zusammen geblieben, haben zusammen gespielt...“ „Und zusammen gelacht und zusammen geweint!“

Christhilde Wagener nickt fest. Sie erzählt weiter: „Und dann haben wir ein bisschen Geld bekommen und sind in die Wirtschaft gegangen...“, lacht Christhilde Wagener. „Und haben es auf den Kopf gehauen!“, ruft Marliese Neuser begeistert und fasst ihre Freundin am Arm. „Und haben uns einen schönen Abend gemacht. Nicht gespart, wir haben das weggetrunken.“ „Das muss auch so sein.“ „Wirklich eine schöne Zeit.“ „Das hat uns allen viel gegeben.“

Gemeinsame Erinnerungen

Sie teilen gemeinsame Erinnerungen. Erinnerungen, die aus Walpersdorf stammen, die von Heimatverbundenheit und einer besonderen Freundschaft erzählen. „Ich bin ja hier geboren und ich muss sagen, man geht auch gerne mal weg, aber man kommt gerne nach Hause. Das geht wohl jedem so. Man fühlt sich geborgen, man fühlt sich daheim“, versucht Marliese Neuser ihr Heimatgefühl zu beschreiben.

Hintergrund Die Natur, das Dorf, das mache Heimat aus, sagt sie. „Da, wo man glücklich und zufrieden ist“, fasst Christhilde zusammen. Obwohl sie in Walpersdorf seit 45 Jahren ein Zuhause hat, besucht sie immer noch Ottfingen im Sauerland.

„Na und jetzt, jetzt gehen wir Märzenbecher anschauen. Die sind hier einzigartig“, unterbricht Marliese Neuser. „Ja, meine Verwandten wollen die auch immer anschauen und...“ „Ja, die sind aber auch so schön...“