Freudenberger Initiative hilft Flüchtlingen in Griechenland

Über 1000 Liter Wasser, dazu zahlreiche Lebensmittel, haben Nico Ginsberg und Co. an die Geflüchteten ausgegeben.  Das Auto war stets dicht umlagert, denn es fehlt den Menschen am Nötigsten.
Über 1000 Liter Wasser, dazu zahlreiche Lebensmittel, haben Nico Ginsberg und Co. an die Geflüchteten ausgegeben. Das Auto war stets dicht umlagert, denn es fehlt den Menschen am Nötigsten.
Foto: Help for Hope
Nico Ginsberg, seine Frau Ribanna und Nicole Klappert von der Initiative „Help for Hope“ haben während ihrer fünftägigen Tour in Flüchtlingscamps und Zeltstädten geholfen

Freudenberg/Polykastro.. Zeltstädte rund um Tankstellen, in Wälder hineinwuchernde Flüchtlings-Camps, gestrandete Menschen, die versuchen, ihre Würde nicht zu verlieren, obwohl es ihnen am Nötigsten – darunter oft sogar Wasser – fehlt. Auf der anderen Seite ein großes, sich selbst koordinierendes Freiwilligen-Netzwerk mit Helfern aus der ganzen Welt: Die Eindrücke, die Nico Ginsberg, seine Frau Ribanna und Nicole Klappert von der Freudenberger Initiative „Help for Hope“ bei ihrer fünftägigen Griechenland-Tour gewonnen hat, haben sich unauslöschlich eingeprägt.

Ungünstiger Zeitpunkt

Dabei hätte sich die Gruppe keinen ungünstigeren Zeitpunkt aussuchen können: Zeitgleich mit ihrer Ankunft wurde das zuletzt noch von 9000 Menschen bewohnte Camp bei Idomeni geräumt. Entsprechend hoch war die Polizei- und Medienpräsenz in der Region.

Anders als bei den Balkan-Fahrten im vergangenen Jahr blieb in Idomeni Zeit, engere Bindungen zu den Menschen aufzubauen. So erfuhren die drei Freudenberger von getöteten oder in alle Welt verstreuten Familienmitgliedern, von nach Deutschland oder in andere Länder vorausgegangenen Vätern und Söhnen. Sie erfuhren von der Angst um die Zukunft der Kinder, von mürbe machender Langeweile gerade der Männer. Sie erfuhren von Heimweh nach von Krieg und Terror zerstörten Ländern, in denen alles verkauft und zurückgelassen wurde, um die horrenden Schlepperkosten zu zahlen. Ohne Dolmetscher wären diese Gespräche nicht möglich gewesen. Oft waren dies Jugendliche mit exzellenten Englisch-Kenntnissen.

Exzellentes Englisch

Obwohl das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR die Zustände in keinem der vier neuen Militärcamps, in die die Menschen aus Idomeni gebracht wurden, für akzeptabel erklärte, bezeugten Freiwillige mehrfach und übereinstimmend die Freundlichkeit und Kooperationsbereitschaft des Militärs vor Ort. Es sind jedoch auch wieder vor allem Ehrenamtliche und Nicht-Regierungsorganisationen, die für halbwegs annehmbare Bedingungen in den Lagern sorgen. Die Angst der Menschen in den inoffiziellen Camps, nun ebenfalls evakuiert zu werden, ist groß.

Was man mit einem Mietkombi dank großzügiger Spenden von daheim an solchen Orten tun kann: genau hinsehen und hinhören, für die Menschen in den „wilden“ Camps einkaufen und auf Zurufe anderer Helfer hin agieren. So verbrachten die drei einen ebenso schweißtreibenden wie schönen Abend als „Aushilfen“ in der Teeküche, so lernten sie aber auch einen jungen Syrer kennen, der mit einer Querschnittslähmung in einem Militärcamp festsitzt. Er bekommt keine vernünftige Matratze und auch sonst kaum adäquate Versorgung, da er nicht in die Kategorie „Notfall“ gehöre, wie eine Übersetzerin erläuterte. Dass er sich auf seinem zu schmalen Lager am Fußboden nicht selbst herumdrehen kann, hat ein tiefes Druckgeschwür an der Hüfte verursacht.

Den deutschen Helfern, darunter ein Arzt, blieb nichts weiter übrig, als ihm eine weitere Matte und Decke zu überlassen, ihm die tägliche Wundversorgung nahezulegen und ihn in einer Situation zurückzulassen, von der man nicht meint, das sie in Europa möglich sein sollte.