Freisprüche, weil Zeugen schweigen

Siegen..  Zwei Freitage ist im Schöffengericht quälend lang über die Untaten dreier Brüder und eines vierten Mannes verhandelt worden. Unwillige Zeugen, fehlende Beweise und schweigende Angeklagte haben es schwer gemacht, die allesamt Jahre zurückliegenden diversen Überfälle und Körperverletzungen aufzuklären. Das nicht ganz überraschende Ergebnis am dritten Freitag: Drei Einstellungen und ein Freispruch.

Unverschämte und brutale Taten

„Eigentlich hätten Sie alle Haftstrafen verdient gehabt“, macht Richter Uwe Stark deutlich. Es habe sich um unverschämte und brutale Taten gehandelt. Allerdings könnten die Strafverfolgungsbehörden kaum etwas tun, wenn Zeugen sich nicht erinnern wollten und mauerten. Das Ergebnis sei unbefriedigend.

Die jüngeren Brüder Johannes (28) und Gabriel A. (30) bekommen ihre Einstellung gegen Zahlung von 900 respektive 600 Euro an das Kinderhospiz Olpe. Der älteste Bruder Peter A. hat vor einer Woche immerhin zugegeben, am 11. Juli 2011 insgesamt 1,4 Gramm Rauschgift besessen zu haben. Mit Blick auf eine Verurteilung des Siegener Amtsgerichts vom 17. August 2012 wird auch hier auf Einstellung entschieden.

Staatsanwalt: Nichts zu beweisen

Bleibt noch Mohamad S. (31), der am 19. November 2009 mit den beiden jüngeren Brüdern im Auto saß, als diese ihren damaligen Schwager in Siegen angriffen und verprügelten. Zudem wurde zweimal mit einer Gaspistole auf den Mann geschossen. Er habe nichts gemacht und lediglich schlichten wollen, hatte Mohamad S. vor zwei Wochen behauptet. Das sei ihm nicht zu widerlegen, sagt Staatsanwalt Günter Scholz und beantragt Freispruch. Das Gericht kommt zum gleichen Ergebnis. „Aus reinem Handwerk. Ich möchte eigentlich nicht sagen, dass Sie nichts gemacht haben“, gibt der Richter ein deutliches Signal an den Mann auf der Angeklagtenseite. Der nimmt es trotzdem locker: „Ich würde mich ja entschuldigen, aber ich habe ja nichts gemacht!“