Fraktionen geschlossen gegen den Bürgermeister
11.08.2009 | 18:23 Uhr 2009-08-11T18:23:00+0200Neunkirchen. Einer gegen alle oder alle gegen einen: So stellt sich die Wahl des Bürgermeisters in der Großgemeinde Neunkirchen am 30. August dar.
Amtsinhaber Manfred Gille´ kann lediglich auf die Unterstützung der Bürger zählen. Die im Rat vertretenen Fraktionen stehen geschlossen gegen den Verwaltungschef. Der Führungsstil des amtierenden Bürgermeisters führte dazu, dass sich SPD, CDU, UWG und FDP im vergangenen Jahr zusammenschlossen, um einen von den vier Parteien getragenen Kandidaten gegen Gille´ aufzustellen. Nach einem überegionalen Ausschreibungsverfahren, bei dem sich 72 Bewerber meldeten, stellten die vier Fraktionen im November vergangenen Jahres den 35-jährigen Diplom-Ökonomen Bernhard Baumann aus Kassel als gemeinsamen Kandidaten vor.
Aus Loyalität nicht angetreten
Dabei hätte alles viel einfacher oder harmonischer ablaufen können. Seit Jahren galt der 51-jährige Verwaltungsfachwirt Wolfgang Weber, seit 2004 stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Neunkirchen, als Gille´s Nachfolger. Der Amtsinhaber baute Weber seit Jahren für die Zeit nach ihm auf. Um dann mitzuteilen, dass er selbst wieder kandidieren werde.
Weber trat aus Loyalität nicht gegen seinen „Ziehvater” an, kandidierte als Stadt- und Verbandsbürgermeister in seinem Heimatort Kirchen - und scheiterte dort in der Wahl zum Verbandsbürgermeister. Die Wahl zum Stadtbürgermeister gewann er, trat aber das Amt nicht an. In Neunkirchen, so behaupten Kenner der politischen Szene, hätte Weber als Nachfolger Gille´s bedeutend größere Chancen als in der rheinland-pfälzischen Nachbargemeinde Kirchen gehabt, den Chefsessel im Rathaus zu besetzen.
Ob das Bernhard Baumann am 30. August schafft, liegt in den Händen der Wähler. Mangelnden Einsatz kann man dem 35-Jährigen, der unter dem Motto „Frischer Wind für Neunkirchen” antritt, nicht vorwerfen. Seit Januar stellt sich Baumann mit zahlreichen Veranstaltungen kreuz und quer durch die Großgemeinde seinen Wählern vor.
Doch auch sein Gegenkandidat ruht nicht. „Vertrauen in schwierigen Zeiten” hat Manfred Gille´ sein Wahlprogramm überschrieben. Dabei kann er natürlich als Verwaltungschef, der in drei Wahlen ohne Gegenkandidaten wiedergewählt wurde, mit Pfunden wuchern. Das sei nicht das Werk eines Einzelkämpfers, sondern nur in der engen Zusammenarbeit mit allen Ratsfraktionen entstanden, zeigt Gille späte Einsicht. -ag
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