Fork mischt A-cappella-Karten neu

Siegen..  Kein Zweifel: Viele innovative Impulse moderner A-cappella-Musik kommen aus Skandinavien und sind in der Apollo Vokal-Reihe sehr präsent.Nach Real Group aus Schweden und Rajaton aus Finnland nun ihre Landsleute Fork. Gegründet vor 18 Jahren von ehemaligen Teenager-Schauspielern für eine finnische Fernsehserie und seit elf Jahren als Profis weltweit unterwegs, gehen sie eigene Wege.

Sie bezeichnen sich als Rock-Band. Auf fertige Arrangements können sie aber nicht zurückgreifen. Sie hören, ähnlich wie bei amerikanischen Barbershop-Gruppen, die Harmonien von Rock- und Pop-Hits heraus, passen diese für ihre Stimmen an und entwickeln so den speziellen Fork-Klang. Elektronische Technik spielt bei ihren Konzerten eine große Rolle. Daraus machen sie kein Geheimnis. Doch alles, was sie singen, geschieht live und wird von ihrem Tontechnik-Künstler gesampelt, d.h. aufgenommen und in das Konzert eingespielt. Für A-cappella-Puristen ein Gräuel, doch für Zuhörer, die sich auf Neues einlassen wollen, ein spannendes, äußerst unterhaltsames Erlebnis.

Programm wie eine Hit-Parade

Und vom ersten Ton an haben die vier Künstler von Fork (Fork = Gabel) ihr Publikum mit im Boot: Klatschend, winkend und manchmal auch mitsingend. Das ist auch nicht schwer, denn ein bekannter Rock- und Pop-Hit reiht sich an den nächsten. Und schon beim 3.Titel, dem Gute-Laune-Dauerbrenner „Because I’m Happy“ stehen die ersten im Saal auf und tanzen mit. Auch „ein deutsches Volkslied“ ist zu hören: „You’re my heart, you’re my soul“. Bei Dieter Bohlens Disco-Schnulze verwandelt Fork den Saal schon nach wenigen Takten in eine Ü50-Party. Die „Entschuldigung für diese Entgleisung“ kommt postwendend und auch musikalisch: Mit einer hinreißend harmonischen Pink-Ballade voller Wohlklang und diesmal ganz ohne elektronischen Schnick-Schnack. Auch beeindruckend: Ein Medley, bei dem sie in zehn Minuten eine europäisch-amerikanische Hitparade abfeuern, dass die Zuhörer beim Mitzählen all der Titel schwindlig werden.

Finnischer Humor

Den speziellen Humor von Finnen kennt auch der Mitteleuropäer spätestens seit den Filmen von Aki Kaurismäki. Eine Prise davon erlebt das Publikum, als sich der erkältete Tenor in einen sexy Bad Boy mit seiner heimlichen Liebe zu SM-Praktiken verwandelt – der aktuelle Kino-Hit lässt grüßen. Und zwei Siegerländer Damen, zu denen er in die Reihen steigt, machen kräftig mit. Fork covert, ist aber keine Cover-Band. Die vier Finnen und ihr genialer Tonzauberer drücken jedem Song ihren eigenen Stempel auf. An den federleicht swingenden Elvis-Titeln hätte vielleicht selbst der Meister persönlich seine Freude gehabt.

Grandioses Lichtspektakel

Oft wird bei der Beschreibung von Bühnen-Events die Leistung der Beleuchter vergessen. Was dem Publikum am Donnerstagabend geboten wurde, war auch ein optisches Feuerwerk sondergleichen, ein grandioses Lichtspektakel voller Überraschungen. (Allein die Installation der Scheinwerfer nahm fünf Stunden in Anspruch.) Höhepunkt: Bühne und Saal verwandeln sich in einen Sternenhimmel, der aber auch jeden in ungläubiges Staunen brachte.

Ganz am Ende singt Fork Coldplay‘s Megahit „Viva la Vida“, es lebe das Leben, zusammen mit den längst aufgesprungenen Zuschauern, die dann mit leichten Swing-Schritten zu ihren Parkplätzen tänzeln.