Flugdrohnen retten Rehkitzen das Leben - Testlauf in Siegen-Sohlbach

Die Firma Microdrones in Siegen-Buchen stattet ihre Flugdrohnen auch mit Wärmebildkameras aus.
Die Firma Microdrones in Siegen-Buchen stattet ihre Flugdrohnen auch mit Wärmebildkameras aus.
Foto: WP
Im Sohlbachtal bei Siegen sind Kitze, die im hohen Gras hocken, mit Flugdrohnen aufgespürt worden. So wurden sie vor den Mähdreschern gerettet. Für Jagdpächter und die Firma Microdrones in Siegen-Buchen war es ein erfolgreicher Testlauf. Der Quadrocopter wurden dafür mit einer Wärmebildkamera ausgestattet.

Siegen-Sohlbach.. Der Wind trägt das Rauschen der Fichten vom nahen Wald heran. Grün, so weit das Auge blickt. Ein friedliches Fleckchen Erde, das Lutz und Silke Aufenacker als Jagdpächter in Siegen-Sohlbach betreuen. „Ricken legen hier gern ihre Kitze ab“, sagt Lutz Aufenacker und zeigt rüber zur Wiese. Das hüfthohe Gras bietet dem Nachwuchs Schutz in den ersten drei Lebenswochen.

So lang bleibt das Kitz regungslos, einem zusammengeknoteten Fellbündel gleich, liegen, während es von der Ricke mehrmals täglich versorgt wird. Die Zeit zwischen Mai und Anfang Juni fällt auch stets mit der Heuernte zusammen. Mähdrescher gegen Kitz, wer hier gewinnt ist klar.

Jagdpächter laufen die Wiesen ab

Deshalb laufen Jagdpächter die Wiesen vorher ab. Aufenackers haben sich in diesem Jahr Unterstützung aus der Luft geholt. „Mal schauen, was wir finden“, sagt Elmar Prinz, Testpilot bei Microdrones aus Siegen, und lässt den schwarzen Koffer aufschnappen. Er klappt die vier Rotoren der weißen Drohne Typ md4-1000 auseinander, klipst die Wärmebildkamera unter den Bauch des Quadrocopters und in wenigen Minuten ist der fliegende Kitzretter startklar. Ferngesteuert fliegt die Drohne über die Wiese.

Kitze hocken nur im Frühsommer im Gras

Kitze hocken keine mehr im Gras, weil die Zeit jetzt schon lang vorbei ist. „Ayla, sitz!“, ruft Silke Aufenacker. Zur Demonstration muss sich deshalb Hündin Ayla ins nasse Gras setzen, wenn auch ein wenig widerwillig. Auf dem Laptop-Bildschirm zeichnet sich die Hündin deutlich als weiße Silhouette ab.

Revier ist 240 Hektar groß

„Unser Revier ist 240 Hektar groß, allein 160 Hektar davon sind Wiese“, erklärt Lutz Aufenacker. Die Suche im Frühsommer ist zeitintensiv, auch weil die Landwirte alle zur gleichen Zeit mähen möchten. Gerade wenn die trockenen Tage rar sind. Deshalb fragte er bei dem Drohnenhersteller in der Nachbarschaft nach, ob sie Interesse an einem kleinen Test hätten. Elmar Prinz und Aufenackers laufen sich fast täglich über den Weg. Denn das Testgelände der Firma liegt nur ein paar Meter weiter den Berg hinauf.

Test mit den Drohnen eine gute Sache

Vor vier Wochen starteten Aufenackers und Prinz den ersten Versuch und fanden so prompt drei Kitze. Lutz Aufenacker hob die Tiere vorsichtig mit viel Gras im Arm auf, damit sie nicht den Geruch des Menschen annehmen, und legte sie am sicheren Rand der Wiese ab.

„Für uns ist dieser Test eine gute Sache“, sagt Prinz. „Wenn wir so kleine Tiere finden, finden wir auch Menschen. Bei den Diskussionen um die bösen Drohnenhersteller wird oft vergessen, dass wir auch zivile Einsatzzwecke haben“, so Prinz. Beispielsweise, wenn eine demente Seniorin vermisst wird. „Die Drohne ist schnell startklar und fliegt auch bei so einem Wetter.“ Mittlerweile regnet es Bindfäden. „Rettungshubschrauber würden keine Starterlaubnis erhalten“, pflichtet ihm Lutz Aufenacker bei. Er ist vom Fach, er flog bis 2008 den Christoph 25.