Finken-Damen stehen auf rote Hauben

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Was wir bereits wissen
Biologin Klaudia Witte untersucht an der Uni Siegen das Paarungsverhalten von Zebra-Finken.

Siegen..  Ein Zebrafink ist ein schmuckes Kerlchen. Die Vögel haben intensivrote Schnäbel. Die Wangen sind orange-braun. Ein schwarzes Brustband und kastanienbraune Flanken mit weißen Tupfen komplettieren das männliche Federkleid. Die Weibchen kommen farblich dezenter daher. Markant ist bei ihnen der orange-rote Schnabel. Kann man solch ausgeprägt männliche Attraktivität weiter toppen?

Mit dieser Frage beschäftigte sich die Siegener Biologie-Professorin Dr. Klaudia Witte in ihrer Doktorarbeit. Sie setzte den Männchen rote Hauben auf – mit dem Ergebnis, dass der Zusatz die Männchen in den Augen der Weibchen „overdressed“ erscheinen ließ. Sie zeigten kein Interesse an den Finken mit roter Haube.

Doktorarbeit

Was aber ist, wenn Weibchen den Eindruck gewinnen, andere Weibchen stehen auf Partner mit roten Hauben? Kann diese soziale Botschaft die Partnerwahl beeinträchtigen und verändern? „Unterstützt das Kopieren der Partnerwahl die Evolution neuer Schmuckmerkmale beim Zebrafinken?“, lautet der Titel der Doktorarbeit von Diplom-Biologin Nina Kniel. Um diese Frage zu beantworten, führt die 32-Jährige, die in Bonn Biologie studierte, seit rund fünf Jahren Versuche durch.

Etwa 140 Zebrafinken leben in Volieren des Biologischen Instituts an der Universität Siegen. Es handelt sich um Nachkommen wilder australischer Artgenossen. Sie werden für Experimente zur Verhaltens- und Evolutionsbiologie eingesetzt.

Und so funktioniert das Ganze: Ein Zebrafinkenweibchen sitzt allein in einem Vogelkäfig aus Holz und Maschendraht. Vor diesem Käfig stehen zwei kleinere Käfige nebeneinander. Im ersten Versuchsschritt ist der eine Käfig mit einem Finkenmännchen mit unauffälligem Kopfschmuck bestückt, im benachbarten Käfig sitzt ein Männchen mit roter Haube. Die Forscherin stoppt die Zeit, in der das Weibchen sichtbar für jedes Männchen Interesse bekundet. Dem unauffälligen Männchen kommt allenfalls ein kleines Aufmerksamkeitsplus zu. Die Doktorandin: „Wir haben darauf geachtet, dass nur der Kopfschmuck die Vögel unterscheidet. Gewicht, Größe, Gesang und Balzbereitschaft sind gleich.“ In einer zweiten Beobachtungsphase erblickt das Weibchen in einem Käfig allein ein unauffälliges Männchen, im zweiten Käfig ein Pärchen, das Männchen trägt eine rote Haube. Wird nun der erste Versuch wiederholt, zieht das Weibchen das Männchen mit Haube dem unauffälligen Geschlechtsgenossen eindeutig vor. Die soziale Botschaft ist angekommen: Ein Männchen mit Haube hat ein Weibchen, ein Männchen ohne Haube ist allein. Klaudia Witte: „Wir zeigen dem Testweibchen, dass ein anderes Weibchen das Männchen mit Haube zum Partner gewählt hat.“ Die Biologinnen der Universität Siegen haben den Phänotyp künstlich verändert und durch die Käfigbestückung soziale Botschaften vermittelt. Die Doktorandin: „Weibchen verändern dadurch ihre Präferenz.“ Bei Männchen gelingt das nicht. Äußere Merkmale scheinen für Männchen bei der Partnerwahl nicht wirklich ausschlaggebend zu sein.

Die Biologinnen haben keine Genveränderung vorgenommen, um Männchen ein verändertes Äußeres zu geben. In der Tierwelt kommt es aufgrund der Evolution durchaus zu genetischen Veränderungen. Ein Beispiel:der Schwertträger. Manche dieser Fische haben eine ausgeprägte Verlängerung der unteren Knochenstrahlen der Schwanzflosse, andere eine eher kurze Verlängerung, wieder andere überhaupt keine. Präferieren Weibchen dauerhaft eine dieser Ausprägungen, werden die entsprechenden Gene gekoppelt weitergegeben.

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