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Nacktprotest

Femen-Aktivistin Zana Ramadani erklärt, warum sie oben ohne demonstriert

07.03.2013 | 18:25 Uhr
CDU Politikerin Zana Ramadani aus Wilnsdorf-Wilden hat in Hamburg mit ihren blanken Brüsten protestiert.Foto: Thomas Nitsche

Hagen/Wilnsdorf.   Die Christdemokratin Zana Ramadani aus Wilnsdorf-Wilden protestiert als Femen-Aktivistin halbnackt gegen Zwangsprostitution. Ihre Eltern müssen sich zuhause für das Verhalten ihrer Tochter rechtfertigen, doch "das müssen sie aushalten", sagt Ramadani. Bekleidet würde sie weniger beachtet.

Oben ohne protestiert die CDU-Politikerin Zana Ramadani aus Wilnsdorf-Wilden gegen Zwangsprostitution und Menschenhandel - zuletzt auf St.Pauli in Hamburg. Die 29-Jährige ist Mitbegründerin des deutschen Ablegers der ukrainischen Frauenbewegung Femen. Ihre halbnackten Protestauftritte sorgen in der CDU für viel Diskussionsstoff . Im Interview erklärt die Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte ihre Motive.

Warum protestieren Sie mit blanken Brüsten?

Zana Ramadani: Ein Marketing-Trick. Die Medien würden sich für Zwangsprostitution und Menschenhandel nicht interessieren, wenn wir angezogen demonstrieren würden.

Barbusige Frauen als Aufschrei gegen Zwangsprostitution?

Zana Ramadani: Schauen Sie sich die Werbung an. Man sieht uns Frauen immer als Mäuschen, die immer verfügbar sind, die immer gefügig sind, die darauf warten, genommen und beschützt zu werden.

Wo liegt der Unterschied?

Zana Ramadani: Wir sind anders: Wir sind selbstbewusst, wir stolzieren erhobenen Hauptes und das mit unserer nackten Brust. Das sieht man sehr selten, dass sich starke Frauen leicht bekleidet zeigen. Das will die Gesellschaft ja nicht sehen. Sie will nackte Frauchen und Weibchen, aber nicht diese starken Frauen. Das ist der Tabubruch und regt die Menschen, die nicht damit klar kommen, auf.

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Zwischendurch hat Zana Ramandani der Mut verlassen. So viele Sicherheitsleute, da haben wir keine Chance, dachte die 29-Jährige aus Wilden. Der geplante Oben-Ohne-Protest beim Finale der TV-Sendung Germany’s next Topmodel wäre fast geplatzt.

„Aber wir saßen da im Publikum, haben uns die Sendung angesehen und sind so aggressiv geworden“, sagt Ramadani. Dann hieß es: Jetzt oder nie.

Zana Ramadani und Hellen Langhorst stürmen los. Sie sind zwei von mehr als 20 Aktivistinnen der Gruppe Femen Deutschland, die für die Rechte der Frauen kämpfen – meist mit provokanten Auftritten und bemalten, blanken Oberkörpern. Sie setzen dabei auf den Überraschungseffekt. So auch in der Live-Sendung am Donnerstag.

„Heidi Klum stellt sich als Mutter der Nation hin. Und verkauft ein Frauenbild, indem sie Frauen verkauft“, sagt Ramadani. Sie ist aufgebracht. „Im Publikum saßen so viele junge Mädchen zwischen fünf und fünfzehn Jahren, die mit diesem Frauenbild groß werden. Mit einem Maßstab, dem sie vielleicht nie gerecht werden. Klum sagt minderjährigen Mädchen, dass sie sexy sein sollen. Davon habe ich die Schnauze voll.“

Sie brüllte Heidi Klum ins Gesicht: „Ich habe kein Foto für dich heute“

Ramadani rennt sie los, zieht unterwegs ihr Oberteil aus . Alles geht blitzschnell. Und plötzlich steht die 29-Jährige vor Heidi Klum, reißt die Arme hoch und brüllte ihr ins Gesicht: „Ich habe kein Foto für dich heute.“ Der Spruch, mit dem Klum in der Modelsendung „ihre Mädchen“, wie Klum die Kandidatinnen nennt, nach Hause schickt. „Heidi Klum war schockiert“, sagt Ramadani. Dass sich ihr eine junge Frau gegenüberstellt, die nicht ihren Maßstäben genügt und die den Mut hat, ihr die Meinung zu sagen, habe die Moderatorin wohl noch nicht erlebt. Die Zuschauer vor dem Fernseher bekommen von all dem wenig mit. Die Regie schaltet schnell auf andere Bilder um. Über das Internet verbreitet sich die Aktion jedoch blitzschnell.

Am Tag danach sind Zana Ramadanis Beine und die Oberarme grün und blau. Die Sicherheitsleute gingen nicht zimperlich mit ihr um. „In dem Moment habe ich das gar nicht gemerkt.“ Der Körper sei voll Adrenalin.

Schmährufe im Internet und Kritik aus der CDU

Die Zeit nach den ersten Femen-Aktionen im Januar und Februar sei jedoch hart gewesen. Schmährufe im Netz, sie sei zu dick und sie setze sich für eine dumme Sache ohne Erfolg ein, und auch die Diskussionen in der eigenen Partei, der CDU, nahmen sie mit. Ramadani engagierte sich früh auch in führenden Ämtern, unter anderem als Vorsitzende der Jungen Union in Wilnsdorf und stellvertretende Kreisvorsitzende der Frauen-Union und der Wilnsdorfer CDU. Was Andere sagen und schreiben, prallt an ihr ab. „Ich lache darüber und stehe komplett hinter dem, was ich tue.“

Der Zweck heiligt die Mittel?

Zana Ramadani: In diesem Fall ja. Wenn niemand etwas ändert, ändert sich auch nichts.

Überschreiten Sie persönlich für sich keine Grenze?

Zana Ramadani: Aus privater Sicht gehe ich sehr weit, aber es lohnt sich. Ein bisschen nackte Haut zu zeigen und das bei Minusgraden, hat sich ausgezahlt. Bei allem Ärger, bei allem Unfug, der über mich verbreitet wird, nehme ich das in Kauf. Mit Nacktheit habe ich kein Problem.

Und ihre Eltern?

Zana Ramadani: Für meine Eltern ist das schwer. Ich komme aus einer islamischen Familie. Sie können sich vorstellen, dass es problematisch ist, gerade wenn es um die Nacktheit der Frau geht. Die Unwahrheiten, die über mich erzählt werden, tun ihnen weh.

Was wird denn erzählt?

Zana Ramadani: Dass ich Kreuze in der Ukraine abgesägt habe und dass ich mich an Glocken im Vatikan gerieben habe. Das glauben die Leute hier im Siegerland. Sie sind sehr gläubig. Im Dorf macht das schnell die Runde, und meine Eltern werden daraufhin angesprochen. Das nimmt sie mit, aber da müssen sie leider durch.

Kein Bitten der Eltern, ihnen dies nicht anzutun?

Zana Ramadani: Meine Mutter macht sich sehr viel Gedanken. Betet auch für mich. Mein Vater möchte nicht, dass ich das mache, weil es nach seiner Ansicht letztlich nichts bringt. Nach seiner Einstellung ändern meine Proteste nichts in der Gesellschaft.

Wie verträgt sich ihr Verhalten mit dem Islam?

Zana Ramadani: Ich bin keine Muslimin. Für eine Religion kann und will ich mich nicht entscheiden. Das hängt damit zusammen, dass ich aus einer islamischen Familie komme und die Nase voll habe von Religion an sich. Da gibt es für Frauen zu viele Zwänge. Von meinen Einstellungen komme ich dem Christentum sehr nahe.

Nackt-Protest
Zana Ramadani steht zu Nackt-Aktionen für Femen

Die Wilnsdorfer CDU-Politikerin Zana Ramadani beteiligte sich an einer Protestaktion von FEMEN Deutschland in Hamburg gegen sexuelle Ausbeutung von Frauen. Weil die Protestlerinnen oben ohne waren, sieht sie sich nun einer Welle von Kritik gegenüber – vieles davon weit unter der Gürtellinie.

Sind Sie in der Kirche?

Zana Ramadani: Nein.

Haben Sie einen Freund?

Zana Ramadani: Nein. Ich bin seit 2009 mit meinem Mann Heiko verheiratet. Er ist Vertriebsleiter bei einer großen Bank. Meinen Mädchennamen habe ich damals schon aus Protest behalten. Momentan ist er froh darüber. So wird er nicht ständig angesprochen. Er findet das Getöse um unsere Auftritte amüsant und bisweilen lächerlich. Mit Politik hat er nichts am Hut.

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