Busfahren
Fehlstart in das neue Schuljahr
03.09.2010 | 17:59 Uhr 2010-09-03T17:59:00+0200
Siegen-Wittgenstein.Die ersten Reparaturen am neuen Fahrplan sind erfolgt, die Fahrgäste haben ihrem Ärger Luft gemacht – da erreicht die zweite Wutwelle die Nahverkehrsplaner bei ZWS und VWS/Transdev.
Von einer „mittleren Katastrophe“ sprach Winfried Schwarz (SPD) im Kreisverkehrsausschuss, als er den Schulbusverkehr beim Start ins neue Schuljahr beschrieb, von einem „Desaster“ Dr. Peter Neuhaus (Grüne). „Der Groll ist groß“, sagte Kyrillos Kaioglidis, Wirtschaftsförderer der Stadt Hilchenbach – am neuen Fahrplan und am neuen Liniennetz kann es nicht liegen: Die A 371 stehe im Plan „und fährt trotzdem nicht, und das seit drei Tagen“. Im Gepäck hatte er den Brief, in dem die Schulleiterin der Dahlbrucher Adolf-Reichwein-Hauptschule ihrem Ärger Luft machte: Kinder kommen zu spät, weil die überfüllten Busse sie nicht mitnehmen, das Telefon stehe nicht still. „Geregelter Schulbetrieb ist nicht aufrecht zu erhalten.“
Nicht identifizierter
Bus in Hilchenbach
Helmut Kaufmann (SPD), Rektor der Hauptschule Freudenberg, musste erleben, dass Kinder, nachdem der dritte überfüllte Bus an ihrer Haltestelle vorbeigefahren war, nach Hause zurückkehrten; manchmal sprangen dann die Eltern als Chauffeure ein. „Es fahren eindeutig weniger Busse.“ Anke Hoppe-Hoffmann (Grüne) machte die Schulbusprobleme vor allem an den aus Umlandgemeinden nach Siegen zulaufenden Linien fest sowie an der R 11, die nur noch im Stundentakt zwischen Kreuztal und Hilchenbach fährt. „Mit der Rothaarbahn können unsere Schulen nicht erschlossen werden.“
ZWS-Geschäftsführer Günter Padt verwies auf die Spielregeln: Zusätzlich zum normalen Linienverkehr sieht der Nahverkehrsplan je Schule eine An- und zwei Abfahrten vor – die Kapazität der Busse allerdings müsse zu diesen Zeiten ausreichen. Dass der Schülerverkehr, für den noch 5,5 Millionen Euro Landesmittel fließen – 2006 waren es noch 9,6 – finanzielles Rückgrat des Nahverkehrs ist, bestritt Padt nicht. Nur: Wenn dort zugelegt wird, muss im „Jedermann“-Verkehr gekürzt werden.
Welche Rückmeldungen denn die Busfahrer gäben, erkundigte sich Winfried Schwarz (SPD). „Die sagen, der Bus ist voll“, erwiderte Transdev-Geschäftsführer Stephan Degen, der über die Ursachenforschung für die Schulbus-Probleme berichtete. Möglicherweise sind die im VWS-Auftrag fahrenden Fremdfirmen nicht auf dem Laufenden, vielleicht irritieren die neuen Liniennummern. In Hilchenbach, so Degen, „fährt mindestens ein Bus, den es zwar gibt, der aber nicht identifiziert wird“.
„Was ist ab
Montag anders?“
Mit der Günter Padts Zusage, „so schnell wie möglich“ zu handeln, gab sich Dr. Peter Neuhaus (Grüne) nicht zufrieden: „Was ist ab Montag anders?“ Anke Hoppe-Hoffmann (Grüne): „Die Eltern verlangen, dass unmittelbar etwas geschieht.“ Helmut Kaufmann (SPD) erinnerte daran, dass die Pflicht zur Schülerbeförderung sich aus der Schulpflicht ergibt. „Etwas dünn“ und „unglaublich“ nannte er die Darstellungen von ZWS und VWS: „Da hätte ich auch gleich zu Hause bleiben können.“
„In Zukunft wird das noch sehr viel schlimmer“, sagte Winfried Schwarz (SPD) voraus und erinnerte daran, dass Studierende auf der Fahrt zum Haardter Berg schon aus den überfüllten Bussen hätten aussteigen müssen, weil diese die Steigung nicht mehr geschafft hätten. Die dritte Wutwelle wäre demnach zu Semesterbeginn fällig.
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