Familien sind klassisch glücklich

Mutter, Vater und zwei Kinder: Das Logo des Netphener Familienbüros spiegelt das klassische Modell der Netphener Durchschnittsfamilie.
Mutter, Vater und zwei Kinder: Das Logo des Netphener Familienbüros spiegelt das klassische Modell der Netphener Durchschnittsfamilie.
Foto: Stadt Netphen

Netphen. Die durchschnittliche Netphener Familie hat Eltern im Alter von um die 40 und zwei neun Jahre alte Kinder. Der Vater hat einen Vollzeit-, die Mutter einen Teilzeitjob. Das ist die Grundlage für die Daten, die die Stadt Netphen bei ihrer Familienbefragung gewonnen hat. Die wohl wichtigste Botschaft: Fast alle fühlen sich in Netphen wohl — nur acht Familien haben diese Frage verneint, fünf gar nicht geantwortet.

360 Fragebögen sind zwischen Anfang Oktober und Mitte November ausgefüllt worden. Das Ergebnis hat Sandra Hatzig vom städtischen Familienbüro, das im vorigen Jahr neu eingerichtet wurde, am Montag im Jugend- und Sozialausschuss vorgestellt.

Lieber zur Oma als in die Kita

„Innerhalb der Familien werden noch immer eher die klassischen Familienstrukturen gelebt“, heißt es in der Zusammenfassung der Auswertung: Zu 87 Prozent der teilnehmenden Familien gehören verheiratete Eltern, weitere vier Prozent werden von Lebensgemeinschaften gebildet, acht Prozent haben alleinerziehende Elternteile. In Vollzeit arbeiten in den 360 Familien nur 32 Mütter, dagegen 301 Väter — in Teilzeit 221 Mütter, aber lediglich zwölf Väter. Knapp die Hälfte der teilnehmenden Familien, genau 156 von 360, bezeichnen ihre wirtschaftliche Lage als gut, 25 sogar als sehr gut. Auf der anderen Seite sagen 140, dass ihr Familieneinkommen soeben ausreicht. 26 kommen mit ihrem Geld nicht aus.
Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Zwei Drittel der Teilzeitarbeiterinnen (und - arbeiter) sind mit der Begrenzung ihrer Arbeitszeit zufrieden — fast 15 Prozent von ihnen gaben allerdings auch an, dass die Kinderbetreuung nicht gesichert sei. Weitere 7,7 Prozent würden gern mehr arbeiten, haben aber keine passende Arbeitsstelle gefunden.
Kinderbetreuung: Aus den 360 Familien werden 88 Kinder bei Bedarf von Oma und Verwandten betreut. In Kitas angemeldet sind 86 für 35 Stunden, weitere 52 für 45 Stunden. Für die Schulkinder wird vor allem die verlässliche Halbtagsschule (67), in zweiter Linie die offene Ganztagsgrundschule (44) angenommen. Auf dem Wunschzettel einiger Eltern stehen längere Betreuungszeiten vor Schulbeginn und nach Schulschluss.
Schule: 215 von 360 Befragten sind mit dem Informationsaustausch zwischen Familie und Schule zufrieden, 58 wünschen sich Verbesserungen. Noch deutlicher sind die Antworten auf dieselbe Frage bei den Kitas: 140 sprechen von einer guten Kommunikation, vier von einer schlechten, sieben von einer verbesserungswürdigen. 127 Kinder gehen zu Fuß zur Schule, 174 fahren mit dem Bus, 73 werden mit dem Auto gebracht.
Betrieb: 251 Befragte sagen, ihre Arbeitgeber nehmen Rücksicht auf Belange von Familien, 62 verneinen das. Mehr Unterstützung wünschen sich einige Befragte für den Fall, dass ihr Kind krank ist und bei der Urlaubsplanung. Hilfreich wäre für manche auch eine flexiblere Gestaltung der täglichen Arbeitszeit.
Bolz- und Spielplätze: 201 der teilnehmenden Familien nutzen die Bolz- und Spielplätze. Bessere Wartung und Reinigung, mehr Spielgeräte und mehr Sitzgelegenheiten stehen auf den Wunschlisten. Einige vermissen einen Abenteuerspielplatz. Gezielt gefragt hat das Familienbüro nach dem Interesse an einem Mehrgenerationen-Spielplatz: 238 sind dafür, 53 dagegen.
Angebote für Kinder und Jugendliche: 265 wissen, was Stadt, Kitas, Kirchen, Vereine und Schulen anbieten, 235 nutzen diese Angebote auch. Gewünscht werden mehr Sport- und Freizeitangebote, im einzelnen: eine Kletterhalle, ein Skatepark, freien Eintritt in Schwimmbäder, Kirmes, Kino, Basketballplätze.
Angebote für Eltern: Die „StartHilfe“ durch ehrenamtliche Kräfte, die jungen Müttern Unterstützung anbieten, ist weithin unbekannt: 255 kennen das Angebot der evangelischen Siegerländer Frauenhilfen nicht. Weder einen Babysitter-Service noch Leih-Omas oder -Opas in Anspruch nehmen würden 215 der 360 Befragten. Von den 113, die dies wünschen, würden 55 Prozent den Leih-Großeltern den Vorzug vor den Babysittern geben.

Generationenfreundliches Netphen

„Auf dem Weg zu einem generationenfreundlichen Netphen“ sieht Bürgermeister Paul Wagener, der am Montag den von Sandra Hatzig vorlegten ersten Bericht des Familienbüros gelobt hat. Netphen gebe damit, zusammen mit der Erfolgsgeschichte der Senioren-Service-Stelle, „ein Beispiel für gute Daseinsvorsorge“.

Die Nutzung der Angebote zeige, „dass die Einrichtung des Familienbüros eine richtige Entscheidung war“, sagte Wagener, „für mich eine Herzenangelegenheit“.