Fälschung oder echt – Thilo Nagler prüft Briefmarken

Fälschung oder echt? Thilo Nagler (37) prüft Briefmarken und erstellt Gutachten für Händler oder Auktionshäuser.
Fälschung oder echt? Thilo Nagler (37) prüft Briefmarken und erstellt Gutachten für Händler oder Auktionshäuser.
Foto: Ilka Wiese
Was wir bereits wissen
Unter den Markenprüfern ist Thilo Nagler (37) einer der jüngsten in Deutschland. Mit uns sprach er über seine Arbeit und darüber, wie erfolgreich der Spruch mit der Briefmarkensammlung ist.

Geisweid.. Der ist von der Presse oder er will was mitgehen lassen. Als Thilo Nagler (37) noch vor wenigen Jahren auf den Messen auftauchte, hielten ihn wenige für einen Sammler. „Ich bin nicht der typische Briefmarkensammler“, muss Nagler zugeben. Auch bei den Briefmarkenfreunden Netphen gehört er zu den jüngeren. Seit 2011 prüft er zudem Marken auf ihre Echtheit für Händler und Auktionshäuser.

„Eine ungestempelte Marke schweigt, eine mit Stempel flüstert, eine Marke auf einem Brief erzählt Geschichten.“ Lieblingssatz über Briefmarken

Nagler kam zum Briefmarkensammeln, weil ihn Geschichte interessiert. Speziell die Nachkriegszeit in der DDR. Deshalb landete er Mitte der 90er bei den Marken aus der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ). Die Marken aus Thüringen aus dieser Zeit gehören

heute zu seinen Prüfgebieten. „Ich merkte schnell, dass die Marken auf unterschiedlichem Papier gedruckt wurden.“ Und mit verschiedenen Farben. Manche Kombinationen waren häufiger, andere seltener. „Für mich war das wie Schatzsuchen.“ Viele Marken ersteigerte er bei Ebay. „Aber am Rechner sieht man eben nicht, was man kauft.“ Ob das Papier gestreift ist oder glatt zum Beispiel. „Damals wurde auf das Papier gedruckt, was es gab. Die Ressourcen waren knapp.“ Und gleichzeitig gab es viele Fälscher. Wie überall. Nagler: „Die erste deutsche Marke kam 1849 heraus, ein Jahr später gab es bereits die ersten Fälschungen.“

„Professor Udo Klein aus Obersdorf hat die Prüfarbeit revolutioniert.“ über seinen Mentor.
In den 2000er Jahren beschloss Nagler Markenprüfer zu werden. 2011 legte er die Prüfung ab und arbeitet nun im Verband Philatelistischer Prüfer (VPP). Wenn Thilo

Nagler von der Echtheit überzeugt ist, drückt er den Marken seinen Stempel auf. „Ich garantiere damit für die Echtheit, andernfalls hafte ich für den Schaden.“ Viel lernte er von seinem Mentor Professor Udo Klein aus Obersdorf, der im November mit 82 Jahren gestorben ist. „Er war Radiologe und überprüfte die Marken wie ein Naturwissenschaftler am Mikroskop mit Durchlicht.“ In 600-facher Vergrößerung wurden die Eigenschaften der Druckfarben sichtbar. Ob in der Farbe zum Beispiel Grünanteile sind, oder eben nicht. Oder ob das Schwarz tatsächlich Schwarz ist. So entlarvte Klein viele Fälschungen. Manche Prüfer fühlten sich auf den Schlips getreten. „Aber er hatte Recht“, sagt Nagler, der mit großer Bewunderung von seinem verstorbenen Freund spricht. Von ihm habe er

in den vergangenen 20 Jahren alles gelernt über die Prüfgebiete der deutschen Ostgebiete des Ersten und Zweiten Weltkriegs: Memel, Deutsche Besetzung Estland und Litauen, Danzig und Marienwerder. „Wir haben uns immer zusammengesetzt und er fragte mich, was ich zu der Marke sage. Ähnlich wie in der späteren Prüfungssituation.“ Nagler übernahm Kleins Prüfsammlung, die im Gegensatz zur Markensammlung, eine Sammlung an Informationen ist. Farbpaletten, Fälschungen, Stempel, Überdruck... Die Eigenschaften von zwei Marken füllen schnell einen dicken Ordner.

„Soll ich dir meine Briefmarkensammlung zeigen?“ auch von Thilo Nagler erprobt.
Während des Studiums arbeitete er als DJ. Wenn er dort mit den Mädels ins Gespräch kam, ging es irgendwann auch um sein Hobby. „Die kann ich dir gern zeigen, aber das dauert dann zwei Tage.“ Dass es dann wirklich um Sammelalben ging, überraschte die Frauen, so Nagler mit einem Augenzwinkern.

Fakten:

- Thilo Nagler (37) ist der jüngste Prüfer in Südwestfalen, allerdings gibt es auch nur zwei.

- Ein Prüfattest für wertvolle Marken kostet 20 Euro plus eine Prüfgebühr, die bei etwa drei Prozent des Katalogpreises liegt.

- In Deutschland sind etwa 150 Prüfer in zwei Verbänden organisiert. Alle haben Spezialgebiete.

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