Experimentelles Theater – Publikum und Darsteller in Einem

rete (links), Papa und Mama erwarten Gregor Samsa am Abendbrottisch. In dem interaktiven Theaterstück des Gymnasiums Wilnsdorf schlüpft der Zuschauer in Gregors Rolle.
rete (links), Papa und Mama erwarten Gregor Samsa am Abendbrottisch. In dem interaktiven Theaterstück des Gymnasiums Wilnsdorf schlüpft der Zuschauer in Gregors Rolle.
Foto: Sonja Riedel
Experimentelles Erlebnis-Theater in Wilnsdorf: Ein Zuschauer pro Aufführung. Die Person schlüpft in die Rolle eines Hauptdarstellers in Kafkas „Die Verwandlung“.

Wilnsdorf..  Es ist wohl eines der ungewöhnlichsten Theatererlebnisse, das Schüler des Gymnasiums Wilnsdorf derzeit bieten – und das liegt nicht allein daran, dass sie Kafkas „Die Verwandlung“ aufführen: Es ist ein Ein-Personen-Publikums-Stück – und dieser Zuschauer nimmt aktiv am Geschehen teil, schlüpft in die Rolle des Gregor Samsa. Etwa 30 Menschen sind bisher in diese Rolle geschlüpft.

Karten für das Stück gibts hier .

Mama, Papa und Grete sitzen am Abendbrottisch, als Gregor von der Arbeit nach Hause kommt. „Möchtest Du etwas essen?“, fragt Mama zuerst freundlich. Doch dann hagelt es Vorwürfe: „Wieso hast Du heute keine Überstunden gemacht?“, fragt Papa. Die Familie ärgert sich darüber, dass Gregor nicht genug Geld nach Hause gebracht hat. Schließlich wird er in sein Zimmer gesperrt. Mama, Papa und Grete – das sind Schüler des Gymnasiums Wilnsdorf. Gregor ist der Zuschauer des interaktiven Theaterstücks „Samsa“, das die Schüler zurzeit aufführen.

Plötzlich in der Rolle eines Käfers

Das ungewöhnliche Stück basiert auf der Erzählung „Die Verwandlung“ von Franz Kafka. Gregor Samsa verwandelt sich darin in ein ekelhaftes Insekt. Das merkt der Zuschauer auch sofort, als Mama alias Anna Solowjew ihn am nächsten Tag aus seinem Zimmer holen will. Sie schreit nämlich wie am Spieß und holt sofort Papa und Gregors Schwester Grete herbei. Gregor darf dann von seinem Zimmer aus zusehen, wie die drei am Esstisch über sein Schicksal sprechen. „Wir könnten ihn vielleicht an die Pharma-Industrie verkaufen“, sagt Mama. Ein verstörendes Erlebnis für den Zuschauer.

Grete, von Franziska Adolf gespielt, wehrt sich zuerst noch dagegen, Gregor zu verkaufen und bringt ihm Essen. Sie wirft ihm eine Schüssel mit Abfall in sein Zimmer. Doch dann unterstützt sie ihre Mutter dabei, Gregors Zimmer auszuräumen. Schließlich könnten sie seinen Nachttisch, seine Lampe und seinen Hocker verkaufen. „Ein solch ekelhaftes Insekt braucht keine Möbel“, sagt Mama.

Als Papa, gespielt von Luca Jonjic, von der Arbeit zurück ist, wird es für Gregor noch schlimmer. „Ein solch ekelhaftes Insekt sollten wir zertreten“, sagt Papa. Mama und Grete holen eine große Holzkiste, um ihn darin einzusperren. Schließlich wird Gregor aus der Wohnung vertrieben und muss im Flur mit anhören, wie zischelnde Stimmen „ekelerregend“ und „abstoßend“ sagen. Das ist eine traurige Erfahrung für Gregor.

Schauspieler mit Salat beworfen

Das Stück dauert etwa eine Viertelstunde, je nachdem, wie die Reaktion des Zuschauers ist. Die bisherigen Gregor Samsas reagierten unterschiedlich. Manche hätten sich eher passiv verhalten. „Es gab auch schon Zuschauer, die die Schauspieler mit Salat beworfen haben“, sagt Regisseur Jonas El Gammal. Er ist 17 und steht wie die drei Schauspieler kurz vor dem Abitur. Insgesamt führen zehn Schauspieler und drei Techniker das Stück zusammen auf. Am längsten dauerte der Aufbau der Kulisse. Ein normaler Klassenraum wurde mit Sperrholzwänden in drei Räume geteilt: Den Hausflur, Gregors Zimmer und das Wohnzimmer. „Das Drehbuch haben wir alle zusammen geschrieben“, sagt Jonas El Gammal. „Wir haben schon viel positive Resonanz bekommen von den Zuschauern“, freut sich Luca Jonjic.

Hier gibts Tickets für das außergewöhnliche Theater-Erlebnis

Das Stück wird noch bis Sonntag, 26. April, aufgeführt. Eine Aufführung dauert etwa 15 Minuten und kostet drei Euro. Tickets unter www.samsa-wilnsdorf.de (bis Ende der Seite scollen) zu reservieren.

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