Ethische Fragen über Leben, Tod und Würde des Menschen

Siegen..  Das St. Marien-Krankenhaus hat vor zehn Jahren ein Ethik-Komitee ins Leben gerufen. Wenn es bei der Behandlung zu Grenzsituationen kommt, gibt es für Patienten, Angehörige und Mitarbeiter Handlungsempfehlungen. Das Ethik-Komitee war das erste seiner Art in Siegen-Wittgenstein. Unterstützt wird es durch Ethik-Konsile, die Entscheidungsträger fallbezogen miteinander ins Gespräch bringen.

„Es passt zu uns als katholisches Krankenhaus, den Patienten vollständig zu erfassen, körperlich, geistig und seelisch“, sagt Hubert Berschauer, Vorsitzender des Ethik-Komitees . Der Rechtsanwalt und Theologe freut sich über dessen Historie: „Das aus unserer Tätigkeit abgeleitete Angebot kann nicht über die Pflegesätze und Kostenträger finanziert werden. Dass wir dieses dennoch weiterentwickeln, ist ein Stück christliches Selbstverständnis.“

Wird das Leiden verlängert?

Mit ethischen Fragestellungen waren Mitarbeiter des St. Marien-Krankenhauses Siegen sowie in den Wohn- und Pflegeeinrichtungen auch vor Gründung des Komitees häufig konfrontiert: Eine Patientin ist gestürzt. Sie hat schwerste Verletzungen erlitten und befindet sich auf der Intensivstation. Ihre Behandlungsaussichten sind nach ärztlicher Einschätzung schlecht. Äußern kann sie sich nicht. Eine Patientenverfügung existiert nicht. Welche medizinischen Maßnahmen sind jetzt sinnvoll? Verlängert die Behandlung ihr Leiden? Gibt sie ihr überhaupt die Chance, ihr Leben so weiterführen zu können, wie sie es für sich befürworten würde?

„In einem Fall wie dem beschriebenen führen Experten Gespräche mit Angehörigen und dem Behandlungsteam“, erklärt der Berschauer. „So tragen sie im Konsil viele Puzzleteilchen zusammen, um ein möglichst vollständiges Bild der Patientin zu erhalten.“ Daraus werde eine Handlungsempfehlung entwickelt, von der das Komitee ausgeht, dass sie im Sinne des Patienten ist.

Auch bei Mitarbeitern im Krankenhaus besteht Bedarf nach ethischer Beratung, denn Ärzte und Pflegende entwickeln unterschiedliche Vorstellungen, was die Patienten in ihrer Situation wollen könnten. Prof. Dr. Winfried Gassmann, Chefarzt der Klinik für Hämatologie und Onkologie im St. Marien-Krankenhaus Siegen, wird besonders dort mit unterschiedlichen Auffassungen konfrontiert, wo unheilbar erkrankte Patienten behandelt werden: im Palliativbereich der Station D1. „In solchen Situationen ist es sehr gut, Entscheidungen nicht nur auf den Wahrnehmungen von Arzt und Pflege beruhen zu lassen, sondern einen dritten Blickwinkel zur Verfügung zu haben.“, sagt der erfahrene Onkologe.

Abschalten des Herzschrittmachers

Juliane Schneider, seit Gründung im Gremium aktiv, unterstreicht die Bedeutung des Angebots . „Gerade Angehörige schwerstkranker Menschen empfinden die ethische Beratung als Entlastung.“ Mittlerweile bearbeitet das Ethik-Komitee übergeordnete Fragestellungen im Krankenhausalltag sowie in den Wohn- und Pflegeeinrichtungen. Beispiele seien die Grundlagen für das Abschalten eines Herzschrittmachers oder das Vermeiden freiheitsentziehender Maßnahmen durch Niedrigbetten in der Altenhilfe.

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE