Es begann mit einer US-Lizenz

Siegen..  Es riecht nach Öl, nach diesem typischen Werkstattgeruch. Metallisches Klacken hallt durch die hohe Montagehalle, eine Maschine rotiert. An der rechten Seite der Halle arbeitet ein Mann mit flinken Fingern an einem Maschinenteil. Ein anderer sitzt links auf einem Drehstuhl, den Blick auf einen Bildschirm gerichtet. Letzte Arbeiten. Bei Dango & Dienenthal wird im Einschichtbetrieb gearbeitet. Der Rest der Belegschaft hat bereits Feierabend als am Nachmittag Stephen A. Hubler, der Generalkonsul der Vereinigten Staaten von Amerika, gemeinsam mit Abgeordneten der Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft Siegen-Wittgenstein im Siegener Werk zu Besuch ist. Hubler trägt einen dunkelblauen Anzug und eine rote Kladde unter dem Arm. In die er sich vor der Besichtigung schon ein paar Notizen gemacht hat. Über die Ausbildung und die Stellung auf dem Exportmarkt.

Fünf Generationen Techniker

Der Tross, angeführt von den Seniorchefs Manfred Dango und Jörg Dienenthal, läuft vorbei an hüfthohen Tischen, auf denen große Konstruktionspläne von noch größeren Maschinen liegen, die gern einmal 85 Tonnen wiegen. Wie der blaue Schmiedemanipulator, den die Arbeiter von Dango & Dienenthal hier gerade für den Transport nach Italien vorbereiten. „Wir sind stark exportorientiert“, hatte Dienenthal schon bei der Begrüßung erklärt. Die Quote liege bei 80 Prozent. Schwerpunkte sind zum Beispiel die Länder Südamerika, Japan oder Norditalien. Die USA hingegen weniger. Obwohl die erste Stichlochstopfmaschine der Firma Dango&Dienenthal im Jahr 1901 mit einer US-Lizenz der Firma Vaugn nahe Pittsburgh produziert wurde.

Der Generalkonsul fragt nach. Das liege weniger an der Politik, vielmehr an den Firmen, so Dienenthal. Zum einen seien US-Unternehmen nicht mehr auf dem technisch neuesten Stand, gerade auf dem Spezialgebiet, das die Siegerländer bedienen. „Außerdem ist die Kundenbindung nicht sehr hoch. Wenn der Amerikaner ein Produkt für ein paar Dollar weniger bekommt, wechselt er.“

Eigenschaften, die quasi konträr zu einem Familienunternehmen stehen, das seit 150 Jahren vor Ort produziert. Und bereits die fünfte Generation an Technikern hervorgebracht hat.

„Jedes Teil ist eine Einzelanfertigung“, antwortet Jörg Dienenthal auf die Frage des Generalkonsuls, ob es eine Abteilung für Forschung und Entwicklung gebe. Das birge ein gewisses Risiko, da man am Produkt forsche, „andererseits macht es auch großen Spaß“, sagt Dienenthal mit einem Lächeln. Stolz erzählt er auch vom guten Betriebsklima unter den 240 Mitarbeitern in Siegen: „Das ermöglicht solche Erfolge überhaupt erst.“ Ein Schwerpunkt liege auch auf der Ausbildung. „Wir bilden über Bedarf aus, um aus dem eigenen Nachwuchs zu rekrutieren.“

Dienenthal, ein großgewachsener, souveräner Mann, spricht von Herausforderungen, nicht von Problemen. Auch wenn er zum Beispiel beschreibt, wie schwierig es ist, die Schwerlasttransporte von Siegen und Dahlbruch aus auf die Reise zu schicken. Eine positive Einstellung, die fast schon amerikanisch wirkt.