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Erinnerungen an Freiheitskampf in Italien

26.10.2011 | 16:44 Uhr
Erinnerungen an Freiheitskampf in Italien
Italien im Museum: Dr. Laura Roman del Prete, Dr. Grazia Folliero-Metz, Dr. Donatella Chiancone-Schneider und Dr. Marijana Estic (v.l.) vor einer Fotografie von Candida Höfer.

Siegen.Italien 2011. Gebeutelt von der Schuldenkrise und einem Ministerpräsidenten, der reihenweise Skandale produziert. Italien 1861 – ein Land, das nach langem Freiheitskampf – bis auf Venetien und Rom – vereint wird. Der Lehrstuhl für Romanische Literaturwissenschaft der Universität Siegen erinnerte im Museum für Gegenwartskunst an „150 Jahre italienische Einheit”. Die Referentinnen zogen dabei manche Parallele zum Heute.

Dr. Laura Roman del Prete, Lektorin für italienische Sprache und Kultur, beschrieb die Zeit des Risorgimento, der Wiederauferstehung des seit Napoleon zerrissenen und von fremden Mächten besetzten Landes. Italien war zum Spielball Frankreichs und Österreichs geworden.

Erst nach zwei Befreiungskriegen unter der Führung von Sardinien-Piemont und mit Unterstützung des Freiheitskämpfers Giuseppe Garibaldi entstand 1861 der Einheitsstaat. Und erst nach einem dritten Krieg kamen 1870 Rom und Venetien hinzu. Ein Jahr später wurde Rom die Hauptstadt des nun ganz vereinten Italiens.

Guiseppe Verdi ein Vorbild

In den Vorträgen ging es nicht nur um Politik, sondern vor allem um Kunst, Musik und Literatur in der Zeit des Risorgimento. „Die Künstler haben die Italiener aufgefordert, ihr politisches Schicksal in die Hand zu nehmen”, sagte Dr. Grazia Folliero-Metz. Sie schilderte unter anderem die Rolle, die der damals schon berühmte Opernkomponist Guiseppe Verdi im Freiheitskampf spielte.

Sein Name prangte an vielen Mauern der besetzten Städte – „Viva Verdi” war die unverdächtige Chiffre für die Aufforderung, den König von Sardinien-Piemont zum König von Italien zu machen: „Viva Vittorio Emanuele Re d’Italia”. Verdis Werke spielten an fremden Orten – aber sie hatten einen tiefen Bezug zur Situation im besetzten Heimatland. Dr. Folliero-Metz: „Er brachte als überzeugter Patriot revolutionäre politische Inhalte mittels der Oper in Umlauf.” So besingt der Chor des in Babylon versklavten Volkes Israel in der 1842 in Mailand uraufgeführten Oper „Nabucco” das schöne und verlorene Vaterland.

Widerstand in bildender Kunst

Auch in der bildenden Kunst zeigte sich der Widerstand gegen die Besatzungsmächte – wenn Franceso Hayez in einem Gemälde die Kreuzfahrer darstellt, die nach Jerusalem ziehen, meint er in Wirklichkeit die Italiener, die für ihre Befreiung kämpfen. Für die Kunsthistorikerin Dr. Donatella Chiancone-Schneider aus Brühl ist die Botschaft des Bildes klar: „Italiener, haltet durch – wir schaffen es.” Künstler wie Giovanni Fattori hätten sogar selbst in den Befreiungskriegen mitgekämpft und ihre eigenen Erlebnisse unheroisch dargestellt: „Er zeigte keine Helden, sondern nur Menschen.”

Mit dem Risorgimento setzte sich auch der Regisseur Federico Fellini auseinander. Dr. Marijana Erstic zeigte Ausschnitte aus seinem Film, der 1866 im damals noch von den Österreichern besetzten Venedig spielte: Italiener lassen Flugblätter gegen die Besatzer von den Logen der Oper regnen.

Opernprotest  gegen Berlusconi

Das Bild wiederholte sich am 13. März 2011 in Rom bei einer Nabucco-Aufführung: Nach dem Chor der Gefangenen flog wieder – offenbar aus Protest gegen Berlusconi – Papier ins Parkett. Der weltberühmte Dirigent Riccardo Muti rief dem Publikum zu: „Wenn wir die Kultur verlieren, dann haben wir verloren.” Das fürchten viele Intellektuelle in Italien. „Uns blutet das Herz, wenn wir das Land in diesem Zustand sehen”, sagte Dr. Laura Roman del Prete.

Brigitte Wambsganß

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