Erinnern an das Grauen von Auschwitz

Lehrerin Elke Znamenak, Andreas Werthenbach, Schulleiter Udo Grebing, Ilona Istrefi, Lehrerin Anita Droege (von links) mit dem Modell des Latrinenbaus im Konzentrationslager Auschwitz.
Lehrerin Elke Znamenak, Andreas Werthenbach, Schulleiter Udo Grebing, Ilona Istrefi, Lehrerin Anita Droege (von links) mit dem Modell des Latrinenbaus im Konzentrationslager Auschwitz.
Foto: WP
wei Jugendliche aus Deuz werden gemeinsam mit Schulministerin Sylvia Löhrmann an der Gedenkfeier zum 69. Jahrestag des Konzentrationslagers Auschwitz teilnehmen. Für Ilona Istrefi und An­dreas Werthenbach wird es — wie für die anderen zehn ausgewählten Schüler aus Nordrhein-Westfalen – ein Wiedersehen.

Deuz..  Zwei Jugendliche aus Deuz werden gemeinsam mit Schulministerin Sylvia Löhrmann an der Gedenkfeier zum 69. Jahrestag des Konzentrationslagers Auschwitz teilnehmen. Für Ilona Istrefi und An­dreas Werthenbach wird es — wie für die anderen zehn ausgewählten Schüler aus Nordrhein-Westfalen – ein Wiedersehen. Sie haben im vorigen Jahr an den beiden Studienfahrten ihrer Schule nach Auschwitz teilgenommen, und dort werden sie nun auch an einer Tagung des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks (IBB) mitwirken, das seine Auschwitz-Programme auswerten möchte.

„Wir haben uns wohl ganz gut benommen“, kommentiert An­dreas die Einladung — doch so viel Bescheidenheit lässt Schulleiter Udo Grebing nicht gelten: „Das ist eine große Anerkennung für euch und euer Projekt.“ Und auch eine Auszeichnung für die Schule, die Jahr für Jahr ihren Abschlussjahrgang nach Auschwitz fahren lässt — nachdem der damalige Lehrer Werner Stettner, der auch Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit ist, 2011 die Initiative ergriffen hatte.

Schwarzer Tunnel

Auf dem Tisch steht das Modell des Latrinenbaus, das Florian Kohlberger in den Sommerferien gebaut hat — zwischen der Rückkehr von der Studienfahrt und dem Präsentationsabend in der Schule. Dafür gestalten die Jugendlichen Textwände, schreiben Tagebücher, filmen und fotografieren. Zuletzt ließen sie ihre Gäste durch einen schwarzen Tunnel eintreten, in dem sie sie auf ihre schwarz-weiß fotografierten Augenpaare schauen ließen. Beginn einer Installation, zu der auch so Handfestes gehört wie das in Originalgröße nachgebaute Etagenbett aus einer Häftlingsbaracke. Der Besuch in Auschwitz wirkt nach. „Da, wo du gerade stehst, ist jemand erschossen worden“, gibt Ilona einen Gedanken wieder, der nicht weggeht.

„Was man da gefühlt hat, bleibt haften“, sagt Lehrerin Anita Droege, „die Schüler sind sensibler geworden, zum Beispiel beim Thema Rechtsextremismus.“ Ilona erinnert daran, wie sie alle an der Synagoge eine Rose niedergelegt haben, einen Stein und jeder ein eigenes, aufgeschriebenes Versprechen. „Ich verspreche, dass ich keine Vorurteile gegenüber Ausländern mehr haben werde“, hieß es zum Beispiel auf einem Blatt. Andreas berichtet von dem Gedenkmarsch: „Die ganze große Gruppe kam sehr traurig und in sich gekehrt ins Hotel zurück.“ Da halfen dann Ausflüge ins Polen von heute, „normale“ Städte wie Krakau: „Man kann ja nicht immer nur in dieser Traurigkeit bleiben“, sagt Lehrerin Elke Znamenak.

Andreas, der die Schule im letzten Sommer verlassen hat, bald 17 wird und Mechatroniker lernt, interessiert sich für Politik und Geschichte. „Das war bei mir schnell klar, dass ich mitfahren würde.“ Ilona ist jetzt 15 und in der Klasse 10. „Ich hatte erst überlegt, ob ich das schaffen würde“, erzählt sie. Dann habe sie sich aber doch entschieden, an der Fahrt teilzunehmen. „Ich habe gedacht, dass ich sonst nie die Chance haben würde, das zu sehen.“ Wer nicht will, fährt nicht mit. „Langweilig“, hätten einige gesagt. Die Lehrerin weiß das besser. „Manche scheuen sich auch zu sagen, dass sie das nicht ertragen können“, berichtet Anita Droege.

Ilona will noch einmal nach Auschwitz. „Beim zweiten Mal ist der Schock nicht mehr so groß“, sagt sie, „dann kann man das besser nachvollziehen.“ Für Andreas ist Auschwitz nicht einfach nur das Sinnbild für unbeschreiblichen Schrecken, der einen deutschen Namen hat, und für unsägliches Verbrechen geblieben. Sondern es ist auch die polnische Kleinstadt Oświęcim, mit 40 000 Einwohnern fast doppelt so groß wie Netphen. Eine schöne Stadt, sagt er, „und auch deshalb möchte ich da wieder hin.“

Und die nachfolgenden Jahrgänge? „Solange die Schule existiert“, hofft Udo Grebing. Am liebsten noch länger, wenn die neue Sekundarschule das Erbe annimmt: „Vielleicht kann man das ja rüberretten.“

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