Er ist wieder da

Hilchenbach.  . Ein Handy klingelt. Christoph Maria Herbst fällt kurz aus der Rolle seiner Hauptfigur und fragt „Mutter?“. Das Publikum lacht. Er bietet an, die Zuschauer kurz aus dem Saal zu schicken, damit der Angerufene in Ruhe telefonieren kann. „Zur Strafe fange ich wieder von vorne an“, sagt er. Doch dann liest er doch weiter aus dem Buch „Er ist wieder da“ von Timur Vermes am Samstagabend.

In dem Buch wacht Adolf Hitler im Jahr 2011 auf einer Wiese mitten in Berlin auf. Und hat Schwierigkeiten, sich in der modernen Welt zurecht zu finden. Trotzdem startet er eine Fernsehkarriere. Passend dazu wurde das Buch auch schon verfilmt und soll im Herbst in die Kinos kommen. „Drei Mal dürfen Sie raten, wer die Hauptrolle spielt“, sagt Christoph Maria Herbst. Um dann zu behaupten, dass Til Schweiger dafür verpflichtet worden sei. Oder Denzel Washington. Aber der habe zu lange in der Maske gebraucht.

Echauffierend und abgehackt

Vermes schrieb seinen Roman aus der Sicht Hitlers, in der Ich-Perspektive. Und so liest Herbst im Hitler-typischen Sprachstil, echauffierend, abgehackte Wörter. Ein sehr anstrengendes Unterfangen, deshalb trinkt er immer wieder ein paar Schlucke warmen Tee. In Sekundenschnelle berlinert er oder wechselt in den Stil einer eher tumben Person, dem NPD-Parteivorsitzenden. Als Herbst zwischendurch einmal den falschen Stil benutzt, entschuldigt er sich und kommentiert er das ironisch mit: „Meine Tabletten lassen nach.“

Christoph Maria Herbst erhält viel Applaus für seine Lesung. Besonders begeistert sind die Zuschauer, als er schildert, wie Hitler in eine türkische Reinigung Yilmaz kommt. Und Mehmet, der Sohn des Inhabers, ihn zuerst für Stromberg hält, der der immer die „Nazi-Sachen macht“. Stromberg, eine Parade-Rolle von Christoph Maria Herbst.

Er liest ausgewählte Kapitel vor und nimmt den Zuhörer immer mit kurzen Erklärungen zum bisherigen Geschehen mit. So können ihm auch Zuschauer folgen, die „Er ist wieder da“ nicht gelesen haben.

Als sich Herbst zum Ende der Lesung von seinem Stuhl erhebt und von der Bühne geht, gibt es großen Applaus. „Sie haben es zwar nicht ausdrücklich verlangt, aber ich werde noch eine Zugabe vorlesen“, erklärt er belustigt. Die folgende Szene bezeichnet er als seinen Lieblings-Dialog. Darin wird Hitler von einer Dame aus der Buchhaltung angerufen. Sie kann es nicht glauben, dass er wirklich Adolf Hitler heißt. Herbst spricht extrem hoher Stimme, wenn er sie imitiert, was allein schon sehr lustig ist. Und ein tolles Finale für eine großartige Lesung.