Entscheidender Schritt zum Start

Manfred  Oerter (2. von links, mit Bürgermeister Paul Wagener, links, und SPD-Fraktionschef Manfred  Heinz,  rechts), informiert über große Themen.
Manfred Oerter (2. von links, mit Bürgermeister Paul Wagener, links, und SPD-Fraktionschef Manfred Heinz, rechts), informiert über große Themen.
Foto: WP

Unglinghausen..  Das war die entscheidende Zusage: Mit 575 100 Euro beteiligt sich die Stiftung Wohlfahrtspflege NRW am Bau der Wohnanlage für autistische Menschen in Unglinghausen — der höchste Einzelzuschuss überhaupt, den der Stiftungsrat bewilligt hat, wie SPD-Landtagsabgeordneter Falk Heinrichs berichtet. „Wir sind glücklich, dass es weitergehen kann“, sagt Manfred Oerter, ehrenamtlicher Geschäftsführer der gGmbH, die das Haus in der Kleinen Berschebach betreiben wird.

„Das wird jetzt schnell auf den Weg gebracht“, sagt Oerter beim Ortstermin mit der Netphener SPD-Fraktion. Immerhin eineinviertel Jahr Bauzeit sind noch zu überwinden — und die Vorgeschichte ist auch lang genug geworden, seit der Elternverein „Autismus Siegen“, hervorgegangen aus dem Verein „Hilfe für das autistische Kind“, vor zehn Jahren mit den Planungen begann. Schon die Namensänderung macht deutlich, wo es drückt: Die „Kinder“ sind keine mehr. „Die Eltern werden auch älter, viele schaffen es nicht mehr.“ Da genügt das Angebot des 1996 gegründeten Therapiezentrums nicht mehr, in dem zwölf Therapeuten an mittlerweile drei Standorten (neben Unglinghausen in Wenden und Gummersbach) für rund hundert Klienten da sind.

Benötigt wird ein Lebensraum, in dem autistische Menschen alt werden können — die bestehenden Wohnstätten für Menschen mit Behinderung sind es nicht. Drei Häuser für 20 Bewohner sollen gebaut werden, dazu ein Zentralhaus. Ein Kriseninterverntionsplatz wird für kurze Aufenthalte vorgehalten. 6000 Quadratmeter Freifläche stehen zur Verfügung, auch für die Kleintierhaltung und für Nutzgärten. „Das Grundstück war ruckzuck da“, erinnert Manfred Oerter — ein Stück ehemaliges Ackerland, geschenkt von einem Dorfbewohner. „Völlig problemlos“ sei auch das Baurecht von der Stadt geschaffen worden. Nur die Finanzierung des 2,5-Millionen-Euro-Projekts erwies sich als schwieriger als erwartet; im vorigen Jahr musste ein Rückschlag verkraftet werden, als die NRW-Bank einen höheren Eigenanteil des Elterninitiative verlangte.

Wieder kommt es auf das Dorf an

Nun steht die Kalkulation: Zu den Stiftungsmitteln kommt ein Darlehen des Landes von 844 000 Euro, weitere 110 000 Euro werden von der Aktion Mensch erwartet. 575 000 Euro wird die gGmbH am Kapitalmarkt aufnehmen. Von den eingeplanten Eigenmitteln von 412 000 Euro fehlen noch 75 000. Doch da sind die angehenden Bauherren zuversichtlich. „Vielleicht gelingt das wieder mit der wunderbaren Unterstützung durch das Dorf“, sagt Manfred Oerter — wie eigentlich schon immer. Dass der Elternverein und der Bürgerverein im selben Jahr gegründet worden sind und beide jetzt 20-jähriges Bestehen feiern, ist wohl kein Zufall.