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Endiviensalat in Siegener Gärten ist mit Blei belastet

11.05.2013 | 06:28 Uhr
Endiviensalat in Siegener Gärten ist mit Blei belastet
Das Landesumweltamt hat in Siegen Gemüse auf Schwermetalle untersucht. Belastet ist der Endiviensalat.Foto: Holger Schmälzger

Siegen.   Die Kreisverwaltung rät Gärtnern aus Siegen, Endiviensalat aus eigenem Anbau nicht zu essen. Denn an vier von zehn Messpunkten hat das Landesumweltamt (Lanuv) in diesen Pflanzen erhöhte Bleiwerte gemessen. Sie liegen „oberhalb des für den Verzehr als unbedenklich angesehenen Grenzwertes“, heißt es in einer Mitteilung.

Betroffen sind Gärten in Weidenau, im Hüttental in Geisweid, im Bereich der Eintracht und am Rosterberg. „Akute Gesundheitsgefahren sind ausdrücklich nicht zu erwarten“ , heißt es vom Kreis. Es handele sich hierbei um eine „vorbeugende Maßnahme, um eine längerfristige Bleibelastung zu verhindern“.

In einem Garten sind zudem erhöhte Nickel- und Chromwerte festgestellt worden. „Diese Belastungen sind der Bodenschutzbehörde des Kreises bereits seit längerem bekannt und die Eigentümer sind hierüber informiert“, teilte der Kreis mit. Nachteilige Auswirkungen für Nachbargrundstücke – etwa durch Auswaschungen – seien nicht zu erwarten, so die Bodenschutzbehörde.

Hohe Nickel-Werte im Jahr 2011

Im Jahr 2011 waren im Gemüse in Siegen bereits erhöhte Nickelwerte gefunden worden. Daraufhin empfahl das Kreisgesundheitsamt Kopfsalat, Grünkohl, Endivie, Mangold und Spinat aus eigenem Anbau vom Speiseplan zu streichen. Diesmal bezieht sich die Verzichtsempfehlung ausschließlich auf Endivie. Diese Salatsorte hat eine große Oberfläche und nimmt zudem mit ihren Wurzeln auch Schwermetalle aus dem Boden auf.

Als Konsequenz aus diesen Befunden hat das Lanuv in Abstimmung mit dem Kreis und der Stadt Luft und Boden weiter untersucht. Dabei hatten die Wissenschaftler neben Nickel auch Schwermetalle wie Chrom, Cadmium und Blei im Blick. Das Lanuv legte zehn Beete in ausgewählten Gärten an und pflanzte dort Blattgemüse und Grünkohl, um den Schwermetallgehalt in den Böden zu ermitteln.

Ergebnis: Während in den untersuchten Pflanzen keine erhöhte Nickelbelastung bzw. erhöhte Gehalte anderer Schwermetalle festgestellt wurden, lag der gefundene Bleiwert bei vier Endiviensalatproben über dem Grenzwert.

Eine Erklärung für diese Ergebnisse haben die Fachleute bisher nicht. Auszuschließen seien die Stahlbetriebe Boschgotthardshütte und die Edelstahlwerke als Verursacher in unmittelbarer Nähe der Gärten, so Umweltdezernent Helmut Kneppe auf Anfrage dieser Zeitung. Das hätten die Luftmessungen der Fachleute ergeben. Kneppe: „Aber man darf nicht vergessen, dass wir hier seit mehr als 100 Jahren eine stahlproduzierende und stahlverarbeitende Industrie haben, auch Verzinkereien gab es im Stadtgebiet. Die Ursache kann also auch schon Jahrzehnte zurückliegen.“

Mögliche Ursache für die hohen Bleiwerte im Endiviensalat könne auch ein örtlich höherer natürlicher Bleigehalt des Bodens sein. Um festzustellen, ob es sich möglicherweise um einmalige Befunde handelt und um den Ursachen für die Belastungen auf die Spur zu kommen, wird das Lanuv auch in diesem Jahr weitere Untersuchungen durchführen.

Belastung in der Luft reduziert

Eine vom Lanuv jetzt ebenfalls veröffentlichte landesweite Untersuchung für das Jahr 2012 hat für Siegen keine erhöhten Gehalte an Blei, Cadmium oder Arsen im Staubniederschlag ermittelt, im Gegensatz zu zahlreichen anderen Industriestandorten in NRW. „Gleichzeitig hat sich bei uns auch die Nickelbelastung in der Luft deutlich reduziert. Wurde der Grenzwert im Jahr 2011 noch an acht Messpunkten nahe der Industrieanlagen überschritten, war dies 2012 nur noch an vier Messpunkten der Fall, heißt es vom Kreis.

Vorbeugende Maßnahme

„Wer jegliche zusätzliche Belastung mit Blei vermeiden möchte, sollte auch im übrigen Stadtgebiet auf den Verzehr von selbst angebautem Endiviensalat verzichten“, warnt das Gesundheitsamt.

„Die Gefahr besteht im Siegerland einfach“, sagt Rüdiger Heupel, Vorsitzender des Gartenvereins Am Rosterberg. Schlacke aus der Verhüttung sei damals im Straßenbau eingesetzt worden. Wo genau, das wisse heute keiner. Die Bodenbelastung mit Schwermetallen könne auch punktuell sein, und rein theoretisch müsse man nun jedes Beet untersuchen. „Das ist natürlich nicht machbar. Bislang haben wir alles überlebt, was wir gegessen haben“, bleibt Heupel gelassen. Als nächsten Schritt werde er nun die Mitglieder seines Vereins informieren.

Ilka Wiese



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