Eltern übernehmen die Kita selbst

Anne Jelinek(links) ist Regenbogen-Mutter – und zum Glück auch ausgebildete Lehrerin: Seit der Streik läuft, kümmert sie sich ehrenamtlich um die U3-Gruppe. Das kleinste Kita-Kind ist anderthalb Jahre jung.Foto:Steffen Schwab
Anne Jelinek(links) ist Regenbogen-Mutter – und zum Glück auch ausgebildete Lehrerin: Seit der Streik läuft, kümmert sie sich ehrenamtlich um die U3-Gruppe. Das kleinste Kita-Kind ist anderthalb Jahre jung.Foto:Steffen Schwab
Foto: WP

Eichen..  Auf den ersten Blick ist das Bild dasselbe wie in den meisten anderen städtischen Kitas: Transparente und Hinweisschilder informieren über den Streik. Doch im Regenbogen ist trotzdem Betrieb, obwohl hier keine der drei Notgruppen betrieben wird: Hier machen die Eltern selbst Kindergarten.

Acht Kinder sitzen an den beiden runden Tischen im Raum der U3-Gruppe und frühstücken. An einem Tisch assistiert eine Praktikantin, am anderen Anne Jelinek, Mutter eines Kindergartenkindes und Vorsitzende des Regenbogen-Elternrats. Die Idee, den Betrieb selbst in die Hand zu nehmen, sei in der Woche vor dem Streikbeginn gekommen, berichtet sie. Abwechselnd betreuen die Eltern die Kinder – die eigenen und die anderen gleich mit. „Das ist ein Geben und Nehmen“, sagt Anne Jelinek, „einige Eltern arbeiten jetzt nur bis mittags, andere schaufeln sich ganze Tage frei.“

„Ganz schön einfach“

Regenbogen-Leiterin Anette Meier hat noch geholfen, das Projekt in Form zu bringen: Die Stadt nahm das Angebot gern an, verpflichtete die Eltern — das ist für die Versicherung wichtig — als ehrenamtliche Mitarbeiter und sorgte für personelle Unterstützung. So sind jetzt in Eichen auch noch zwei nicht gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiterinnen aus Nachbar-Einrichtungen und eine Nachwuchskraft im Einsatz. Das macht es möglich, insgesamt bis zu 26 Kinder zu betreuen.

Ein Anmeldeformular wurde entwickelt, um die Betreuungs-Notlage abschätzen zu können. Wenn es eng wird, bekommen berufstätige Alleinerziehende absoluten Vorrang. „Bisher mussten wir aber nicht auswählen“, sagt Anne Jelinek. Der Platz hat gereicht. Bis jetzt. „Den Eltern gehen so langsam die Opas und Omas aus“, sagt sie, „die machen das mal für ein bis zwei, aber nicht für vier bis sechs Wochen.“ Eine Sorge, die auch Stadträtin Edelgard Blümel teilt. Sie hofft, dass die Regenbogen-Eltern weitermachen können. Schließlich haben auch die Verpflichtungen. „Noch sind die Arbeitgeber ja mehrheitlich ruhig“, sagt sie, „aber wir wissen nicht, ob das so bleibt.“

Carina Maaß ist eine von den Müttern, die der Betreuungsnotstand besonders trifft. Sie erzieht allein — und hat gerade erst eine neue Arbeitsstelle angetreten. Opa und Oma sind selbst berufstätig und auch schon für ein anderes Enkelkind eingesprungen. Von der Stadt Kreuztal sei sie enttäuscht, sagt Carina Maaß: „Man hat sich das ganz schön einfach gemacht, indem man das alles den Eltern überlässt.“ Zumindest mit halber Kapazität hätte jede Kita offengehalten werden müssen. Das Regenbogen-Modell hätte sie zwar sogar aktiv mitgetragen, wenn nicht der neue Job gekommen wäre. Aber skeptisch bliebt sie trotzdem: „Ich glaube nicht, dass das über einen langen Zeitraum funktioniert. Eltern sind ja auch keine ausgebildeten Erzieher.“

Bis auf Anne Jelinek vielleicht, die auch als Lehrerin arbeiten könnte, wenn nicht die Familie ihre Zeit forderte. „Wir machen das nicht gegen unsere Erzieherinnen, sondern für unsere Kinder“, betont sie. Und die merken sowieso, dass sie gerade besondere Kita-Tage erleben: Es wird viel gespielt draußen, und es gibt mitgebrachtes Essen. Wie bei einem Ausflug. Heute Mittag backen alle zusammen Pizza.

Unterstützung von Gleichstellungsbeauftragten

Unterstützt werden die Erzieherinnen von den Gleichstellungsbeauftragten. Eine der Sprecherinnen ihrer Landesarbeitsgemeinschaft ist die Kreuztaler Gleichstellungsbeauftragte Monika Molkentin-Syring. Sie sind für eine „kräftige und echte Angleichung der Einkommen“ und Zulagen („wie für Männerberufe“).