Eine Perspektive nach der Flucht

Siegen..  Nach seiner Flucht aus Syrien kam Saad Azizi (26) Ende des vergangenen Jahres zunächst in der damaligen Notunterkunft für Flüchtlinge in Burbach an. Seine Wünsche: In Deutschland bleiben, die Sprache lernen und ein Studium beginnen. Nur etwas als ein halbes Jahr später ist Saad Azizi ein großes Stück weiter. Er kehrte nach Siegen zurück und will bald an der Uni beginnen zu studieren.

Ziel ist der Master im Maschinenbau

Saad Azizi freute sich riesig, als er erfuhr, dass er in Deutschland bleiben darf. Schnell war für ihn klar, dass er zurück nach Siegen will. Um hier Maschinenbau zu studieren und seinen Master zu machen. „Zwei bis drei Leute kannte ich hier schon“, erzählt er. Deshalb hat er seinen ehemaligen Deutschlehrer aus der Burbacher Flüchtlingsunterkunft angerufen. Und ihn gefragt: „Kannst Du mir helfen?“ Markus Möller und Saad Azizi hatten sich im letzten Herbst in der Flüchtlingsunterkunft in Burbach kennen gelernt. Dort lebte Azizi einen Monat lang. Seine erste Station nach seiner Flucht aus Syrien.

Die ersten deutschen Wörter lernte er dort von Markus Möller, der auch heute noch zusammen mit einer Freundin einmal in der Woche einen Deutschkurs in der Unterkunft anbietet. Inzwischen spricht Azizi recht gut deutsch.

Anfang November wurde er nach Düren zugewiesen, erhielt dort seinen Aufenthaltstitel und kann nun fürs Studium zurückkehren. Mit einem Rucksack und einem Koffer zog der 26-Jährige nach Siegen und wohnt jetzt in einem Wohnheim. Jetzt steht für ihn erstmal eines im Vordergrund: deutsch lernen.

Wenn er die Deutsch-Prüfung bestanden hat, beginnt er im nächsten Frühjahr mit dem Master-Studium. Er hofft, dass er schon während des Studiums arbeiten kann. Spätestens mit seinem Master-Abschluss in der Tasche dürfte er eine gefragte Fachkraft sein.

IHK setzte auf junge Flüchtlinge

Bei der Suche nach Fachkräften setzt die Industrie- und Handelskammer (IHK) in Siegen jetzt auch verstärkt auf Flüchtlinge. Ab kommender Woche lernen junge Flüchtlinge drei Monate lang einfache Metallarbeiten kennen, um sie später in ein Praktikum oder eine entsprechende Ausbildung vermitteln zu können. „Wir haben uns gedacht, es gibt zwei Probleme: Die Wirtschaft sucht dringend Fachkräfte, und sehr viele Flüchtlinge kommen nach Deutschland. Da wollen wir wenigstens einigen eine Perspektive vermitteln“, sagt Klaus Fenster, bei der IHK Siegen zuständig für berufliche Bildung.

Auch Saad Azizi hofft, dass er noch eine Praktikumsstelle für den Sommer findet (siehe Infobox). Seinem ehemaligen Deutsch-Lehrer Markus Möller gibt er jetzt übrigens Sprach-Unterricht. Möller und drei Freunde lernen jetzt arabisch bei Saad Azizi. „Heute haben wir einen Test“, sagt er zum Schluss des Treffens und lacht fröhlich.