Eine Million Bergfinken in Steinbach bei Haiger

Unzählige Bergfinken fliegen im hessischen Steinbach bei Haiger (Hessen) zu ihren Schlafbäumen zurück. Nach Schätzungen von Ornithologen haben sich dort mehr als eine Million dieser Zugvögel vorübergehend einquartiert.
Unzählige Bergfinken fliegen im hessischen Steinbach bei Haiger (Hessen) zu ihren Schlafbäumen zurück. Nach Schätzungen von Ornithologen haben sich dort mehr als eine Million dieser Zugvögel vorübergehend einquartiert.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Eine Million Bergfinken sorgen über Haiger für Begeisterung. Grund für die Invasion der Zugvögel liegt in den Wäldern. Eine einzigartige Flugshow.

Haiger.. Das Schauspiel beginnt nachmittags um kurz nach vier mit einem ersten Vogeltrupp am Himmel und klickenden Kameras am Boden. Dutzende Tierfreunde sind nach Haiger gekommen, um den Einflug von über einer Million Bergfinken zu bestaunen.

„Es ist einfach faszinierend. Das kommt in Hessen vielleicht alle zehn Jahre mal vor“, sagt der Hobby-Ornithologe Thorsten Seibel, der das Spektakel beobachtet. Die Riesenschar Bergfinken hat den Stadtteil Steinbach zum Winterquartier erkoren. Am Ortsrand, in direkter Nähe zu einem Sportplatz, gibt es viel Wald mit windgeschützten Schlafplätzen, wie der Vogelexperte vom Naturschutzbund Hessen (Nabu), Maik Sommerhage, erklärt.

Futtersuche im Westerwald

Von hier aus geht es jeden Morgen in die umliegenden Wälder von Westerwald oder

Taunus zur Futtersuche. Bei Anbruch der Dämmerung kehren die Tiere nach und nach zurück. Das hat sich unter Vogelfreunden rumgesprochen. So ist auch das Publikum in den vergangenen Tagen größer geworden, das sich die Finken-Parade anschaut.

Jutta Skroch aus Buseck bei Gießen ist mit einer Freundin gekommen und freut sich auf ein einzigartiges Erlebnis: So etwas habe sie noch nicht gesehen, sagt sie. „Bestenfalls mal einen Pulk Stare. Das war auch schon beeindruckend, aber nichts Vergleichbares.“

Nach den ersten kleinen Trupps fliegt nun ein großer Schwarm ein. Dann der nächste. Gegen 17 Uhr ziehen über den Himmel Bänder aus Bergfinken, die den halben Horizont bedecken. „Das ist ja die reinste Luftshow“, ruft ein extra aus Marburg angereister Vogelfreund, während es um ihn herum lautstark zwitschert. Und klickt. Die Zuschauer schießen ein Foto nach dem anderen von den gefiederten Wölkchen am Himmel.

Grund für die Invasion sind die vielen Bucheckern als Futter, die es in diesem Jahr in der Region gibt, wie Nabu-Experte Sommerhage erklärt. Bergfinken sind Zugvögel. Sie verlassen ihre Brutplätze in Skandinavien und Nordosteuropa etwa ab September und ziehen nach Mittel-und Südeuropa. Riesige Schwärme haben sich demnach auch in Baden-Württemberg oder an der niederländischen Grenze niedergelassen.

Eine Stunde dauert die Heimkehr

Wie lange die Finken in Haiger bleiben werden, sei ungewiss, sagt Sommerhage weiter. Das hänge auch vom Nahrungsangebot ab. Generell beginne der Rückzug etwa ab März. „Das Spannende ist, ob sich der Schlafplatz in Haiger in den nächsten Jahren etabliert.“

Die Vogelfreunde dürfte es freuen: Gut eine Stunde lange beobachten sie begeistert die heimkehrenden Vögel. Die Anwohner nehmen die Invasion der Finken – und der Beobachter – offenbar gelassen. Beschwerden seien keine bekannt, heißt es bei der Stadt.

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