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Aidshilfe

Eine ganze Generation stirbt weg

23.01.2015 | 12:00 Uhr
Eine ganze Generation stirbt weg
Mit Ekukhanyeni hilft Helga Josche Kindern, die durch Aids zu Waisen wurden.Foto: Ekukhanyeni

Wilnsdorf.   Ekukhanyeni – das bedeutet so viel wie Berg des Lichts und der Hoffnung – heißt ein Verein, der sich für Waisenkinder in Südafrika stark macht. Gegründet hat ihn die Wilnsdorferin Helga Josche.

Armut, Krankheit, Gewalt: Alltag in Südafrika. In der Provinz KwaZulu-Natal ist das Leben besonders hart. Gut die Hälfte der schwarzen Bevölkerung ist arbeitslos. Rund 80 Prozent sind mit Aids infiziert, der Tod ihr ständiger Begleiter.

Eine Realität fernab hiesiger Vorstellungskraft. Doch selbst hier gibt es Lichtblicke. „Wir können nicht die ganze Welt verändern, aber die eines Kindes – und Kinder sind die Zukunft der ganzen Welt.“ Für ihr Credo steht sie persönlich ein, vor Ort. Die 61-Jährige Helga Josche lebt fast das ganze Jahr über in Südafrika und arbeitet dort, wo sich andere Weiße aus Angst nicht hinwagen. Allein ist sie in ihrem großen Geländewagen unterwegs, die Ladefläche hinten voll mit Lebensmitteln. So fährt sie herum und kümmert sich um mittlerweile rund 250 Kinder in fünf Einrichtungen, die sie alle selbst eröffnet hat.

Bildung gegen Armut

Viele haben ihre Eltern durch Aids verloren. Sie gehen nicht zur Schule, andere grenzen sie aus und diskriminieren sie. „Aids gilt da als Stigma“, erklärt Josche. „Diese Kinder sind dann die nächste Generation der Armen.“ Ihre Lösung: Aufklärung. „Bildung ist der sicherste Weg aus der Armut“, sagt sie. Deshalb erklärt sie Kindern und ihren Familien, wie sie sich vor Aids und HIV schützen können. Sie ermöglicht ihnen Schulbesuche und mittlerweile sogar das Studium. Letztes Jahr sprach ein Mädchen sie an. „Ich habe gute Zeugnisse, aber kein Geld für’s Studieren.“ Die Startgebühr beträgt 100 Euro, dort ein Jahresverdienst. „Da hab’ ich nicht lange überlegt“, erzählt Josche. Sie fuhr das Mädchen direkt zur Uni und bezahlte die Gebühr. Sie schaut sich auch die Verhältnisse an, aus denen die Kinder stammen, besucht jedes zu Hause. „Meistens sind die Mütter alleinerziehend, können aber nur noch rumliegen, weil sie krank sind.“

Vergewaltigungen sind ein großes Problem. „Dort glaubt man, dass der Sex mit einer Jungfrau vor Aids schützt oder sogar heilt“, berichtet Josche. Mädchen werden auf dem Weg zur Schule oder daheim von ihren Verwandten vergewaltigt. Auch Mord ist keine Seltenheit. Im letzten Jahr starben mehrere junge Mädchen, deren Familien sie kannte. Bestialisch ermordet.

Neue Einrichtung geplant

„Da habe ich überlegt, ob ich nach Hause fliege und aufhöre oder den Menschen jetzt erst recht zeige, dass das Leben lebenswert ist“, sagt sie plötzlich sichtlich ergriffen. Letzteres war der Fall. So fliegt sie bald wieder nach Afrika, um eine weitere Einrichtung zu eröffnen und noch mehr Studenten zu betreuen. Möglich machen das Spenden von Sponsoren, Mitgliedsbeiträge oder Hilfe in Form von ehrenamtlicher Mitarbeit. 2011 ging es los mit Ekukhanyeni. Zuvor half sie in einem dominikanischen Kloster und Hospiz, nahe dort, wo sie heute arbeitet.

Sie habe einfach einen Tapetenwechsel gebraucht, begründet sie die drastische Wende in ihrem Leben. „Damals habe ich festgestellt, dass die Generation zwischen 20 und 40 dort wegstirbt und Waisen hinterlässt.“ Somit war ihre Aufgabe klar.

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Max Kölsch

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Eine ganze Generation stirbt weg
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2015-01-23 12:00
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