Eine bewegende Spurensuche nach Walter Krämer
15.04.2010 | 18:07 Uhr 2010-04-15T18:07:00+0200
Siegerland/Israel. Die 25 Teilnehmer des deutsch-israelischen Jugendaustauschs sind noch immer von den Eindrücken geprägt, die sie in mehr als zwei Wochen gesammelt haben. Ganz frisch sind noch die Erinnerungen an Jerusalem, die Wüste, das Tote Meer und den Golan.
Aber auch das Schwimmen im See Genezareth, der Besuch in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und der Bericht des Überlebenden Zwi Cohen werden in Erinnerung bleiben. Der Kreisjugendring Siegen-Wittgenstein hatte den Jugendaustausch organisiert, der seit 44 Jahren mit dem Kreis Emek Hefer stattfindet. Es war der Gegenbesuch, nachdem die israelischen Jugendlichen im vergangenen Sommer im Siegerland zu Gast waren. Das Thema Holocaust war eigentlich nur eines von vielen auf der Reise - allerdings bildete es eine Klammer im Programm. Am ersten Tag der Reise lernten die Teilnehmer den Partnerkreis kennen. Die vielleicht eindrücklichste Begegnung erwartete sie im Theresienstadthaus, wo ihnen der in Berlin geborene Jude Zwi Cohen seine dramatische Überlebensgeschichte in der Nazi-Zeit und im Ghetto Theresienstadt berichtete. Er, der als Kind und Jugendlicher die Schrecken des Krieges, die Gräuel und die Unmenschlichkeit erleiden musste, war damals kaum jünger als seine Zuhörer heute.
Überlebender berichtet über Nazi-Gräueltaten
Schweigend folgten sie seinem Bericht. Sie rangen um Fassung, als er deutsche Volkslieder auf der Mundharmonika spielt. Seinem Spiel hatte er es zu verdanken, dass ihn und seine Familie die Brutalität der Nazi-Schergen bei der Deportation ins Lager nicht mit voller Härte traf.
In der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem machten sich die Siegerländer auf die Suche nach Walter Krämer. Der Siegener war als politischer Häftling im KZ Buchenwald inhaftiert und hatte sich dort – obwohl ohne medizinische Vorbildung – als „Arzt von Buchenwald” einen Namen gemacht. Viele Insassen berichteten, dass sie dem Siegener Kommunisten ihr Leben verdankten. Und anders als seine Heimatstadt Siegen, die bislang eine Ehrung in Form einer Straßenbenennung verweigert, entschied sich der Staat Israel, ihm 1999 die höchste Ehrung zu verleihen: Sie erklärte ihn zu einem „Gerechten der Völker”. Mit Kamera und Fotoapparat sammelten sie Informationen über Walter Krämer. Genauso wie die Schilderungen von Zwi Cohen sollen sie in einem Video verarbeitet werden. Den Abschluss der Fahrt bildete die Teilnahme an der zentralen Holocaust-Gedenkfeier des Staates Israel in Tel Itzak. Es waren nur drei Programmpunkte von vielen – doch welche, die bleibenden Eindruck hinterließen.
Christliche Wurzeln und Wüstenübernachtung
Doch es gab auch andere Unternehmungen: Ganz hoch im Kurs stand bei den Jugendlichen das Baden in Wasserfällen. Und dazu gab es reichlich Gelegenheit. Oben im Norden am Golan schwammen Teilnehmer in einem Wasserfall aus eiskaltem Gletscherwasser. Oder am Toten Meer im Wasserfall des Naturschutzgebiets Ein Gedi.
Die Gruppe besuchte wichtige christliche Stätten des Landes: so unter anderem den Berg der Seligpreisungen und Kapernaum am See Genezareth sowie den Garten Gethsemane und die Grabeskirche in Jerusalem. Und natürlich hatten alle die Möglichkeit, an der Klagemauer ein „Ortsgespräch mit Gott” zu führen. Tipps für ihr Medienprojekt holten sich die jungen Besucher von echten Profis: Studiobesuche bei den Nahost-Korrespondenten von ARD und ZDF in Tel Aviv standen ebenfalls auf dem Programm. Trotzdem nicht zu kurz kamen die Kontakte mit den israelischen Gastgebern: Gemeinsam erlebten sie den Sederabend, den Auftakt des Passahfestes. Und auch bei der Fahrt in die Negev-Wüste kamen viele Gastgeber mit. Zusammen übernachteten sie bei Beduinen.
Berichte von Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Fahrt und über 200 Bilder sind unter www.kreisjugendring.org zu finden.