Ein Zuhause bei Frau Vitt in Wilnsdorf

Rimzan und Shifa wohnen gemeinsam mit ihrer Tochter Sheza bei Gerda Vitt in Wilnsdorf.
Rimzan und Shifa wohnen gemeinsam mit ihrer Tochter Sheza bei Gerda Vitt in Wilnsdorf.
Foto: Sonja Riedel
Was wir bereits wissen
Seit Anfang März wohnt eine Flüchtlingsfamilie aus Sri Lanka bei der 70-jährigen Gerda Vitt. Die Gemeinde suchte damals nach Wohnraum.

Wilnsdorf..  Zwei Mal klingelt Gerda Vitt zur Vorwarnung an ihrer eigenen Haustür. Erst dann geht sie die Treppe ins Obergeschoss hoch. Mindestens einmal am Tag fragt sie bei ihren Mietern nach, ob alles in Ordnung ist. Seit Anfang März wohnt eine Flüchtlingsfamilie aus Sri Lanka bei der 70-Jährigen im Haus. Die Gemeinde Wilnsdorf hatte im Februar nach privaten Unterkünften für Flüchtlinge gesucht. Für Gerda Vitt war die Sache sofort klar.

Auch ihr Sohn war einverstanden, als sie ihm von ihrer Idee erzählte. „Von der Not der Flüchtlinge ist man ja auch berührt, wenn die so aus den Trümmern kommen. Und dann bin ich zur Gemeinde gegangen und habe gesagt, ich würde gerne eine Familie mit ein oder zwei Kindern nehmen“, erzählt sie.

Vier weitere private Unterkünfte

Danach ging alles schnell. Denn die Wohnung im ersten Stock war noch fast komplett eingerichtet. Bis vor sechs Jahren hatte dort die Oma gewohnt. Seitdem stand der Raum leer. Jetzt leben in der Wohnung Mama Shifa, Papa Rimzan und die drei Jahre alte Sheza. Shifa bittet Gerda Vitt ins Wohnzimmer.

Die 27-Jährige freut sich, dass die Rentnerin sich so um sie und ihre Familie bemüht. „Als wir hierher kamen, hatte ich zuerst Angst, weil ich nichts über den Ort wusste. Aber jetzt sind wir hier und sie ist so nett zu uns und auch die Nachbarn sind freundlich“, erzählt sie in englischer Sprache.

Eine neue Küche musste noch in die Wohnung eingebaut werden. Darum hat sich Philipp Clever von der Gemeinde gekümmert. Gerda Vitt ist nicht die einzige in Wilnsdorf, die Flüchtlinge aufgenommen hat. Vier weitere private Unterkünfte gibt es. Philipp Clever hofft, dass es noch mehr werden.

Gemeinde zahlt die Miete

Der Weg dahin soll für die potenziellen Vermieter möglichst leicht sein. „Wenn Sie uns eine freie Wohnung anbieten wollen, rufen Sie am besten mich oder den Ansprechpartner bei Ihrer Gemeindeverwaltung an und fragen, welche Möglichkeiten es vor Ort gibt“, erklärt er. Bestimmte Auflagen müssen nicht erfüllt werden. Die Flüchtlinge müssen aber einer Kommune zugewiesen sein, dürfen also nicht in einer Erstaufnahmeeinrichtung, wie in Burbach, leben.

In Wilnsdorf werden vor allem Familien in privaten Unterkünften untergebracht. Wer nur ein oder zwei Zimmer in seinem Haus frei hat, kann auch einen einzelnen Menschen aufnehmen. Möbliert müssen die Räume nicht sein, das übernimmt die Gemeinde. Und falls es Probleme gibt, können sich die Vermieter an Philipp Clever wenden. Bislang gab es noch nichts gravierendes. „Auf der anderen Seite gibt es auch ehrenamtliche Netzwerke vor Ort. Es gibt ganz viele ehrenamtliche, engagierte Akteure, die auch als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Allein gelassen wird von uns niemand“, sagt er.

Den Mietvertrag schließt die Gemeinde mit dem Vermieter ab, sie überweist auch die Miete. Und haftet für mögliche Schäden. Darüber hat sich Gerda Vitt gar keine Gedanken gemacht. Sie kann sich gut mit ihren drei Mietern verständigen, denn sie spricht sehr gut englisch. Und falls ihr zwischendurch im Gespräch doch ein Wort nicht einfällt, sagt sie es einfach auf deutsch. Für alle Fälle hat sie aber immer ein Englisch-Wörterbuch auf ihrem Küchentisch liegen.

Kinder spielen zusammen

Was die 70-Jährige besonders freut: Wenn ihr dreijähriger Enkel zu Besuch ist, spielen er und Sheza zusammen. Zu ihr hat sie eine besondere Beziehung aufgebaut. „Sie kommt oft zu mir runter und sagt Oma zu mir. Ich denke, das klappt richtig gut mit uns.“ Wenn es nach Gerda Vitt geht, darf die Familie nicht so schnell wieder weg ziehen. Sie kümmert sich gern um sie. Und fühlt sich fast schon wie die richtige Oma der kleinen Sheza.

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