Ein Stück mehr Natur für die Weiß in Siegen

Die Weiß soll schöner werden: Das Wehr an der Hainer Hütte ist bereits abgerissen worden.
Die Weiß soll schöner werden: Das Wehr an der Hainer Hütte ist bereits abgerissen worden.
Foto: Jens Plaum
Was wir bereits wissen
Die Weiß soll hübscher werden und Siegen ein Stück grüner machen. Der kleine Fluss wird streng genommen zwar nicht renaturiert, aber doch in einen Zustand versetzt, der Tieren und Pflanzen das Leben im und am Wasser angenehmer oder gar erst möglich macht.

Siegen..  Die Weiß soll hübscher werden und Siegen ein Stück grüner machen. Der kleine Fluss wird streng genommen zwar nicht renaturiert, aber doch in einen Zustand versetzt, der Tieren und Pflanzen das Leben im und am Wasser angenehmer oder gar erst möglich macht.

Was wurde bisher getan, was steht noch an?

Zwei von drei größeren Wehren auf Stadtgebiet sind bislang zurückgebaut worden. Eines unweit des ehemaligen Bahnhofs Siegen-Ost, das andere bei Gontermann-Peipers Richtung Stadtmitte. Hindernis Nummer drei, an der Lo­thar-Irle-Straße in Kaan-Marienborn, ist im August an der Reihe, sagt Ulrich Krüger, Betriebsleiter Entsorgungsbetrieb der Stadt Siegen (Esi). Die Kosten belaufen sich insgesamt auf gut eine Million Euro. Ein weiteres kleines Hindernis gibt es noch bei Niederdielfen. Der Höhenunterschied von zwei Metern, den das Wehr am ehemaligen Bahnhof Siegen-Ost hinterlassen hat, wird von einer 120 Meter langen Rampe ausgeglichen. Das Wehr an der Hainer Hütte Gontermann-Peipers war 2,50 Meter hoch und damit unüberwindlich für Fische. Der Entsorgungsbetrieb baute nicht nur die alte Anlage zurück. Auf rund 80 Metern versetzten Arbeiter den Lauf in einen natürlichen Zustand. Zudem fanden 50 Bäume ihr neues Zuhause am Ufer.

Welchen Effekt haben solche Maßnahmen?

Kurz gesagt: mehr Leben im Fluss – oder überhaupt Leben im Fluss. „Da muss sich was tun“, sagt Marina Nowak. Die Biologin arbeitet an der Uni Siegen und begleitet die Renaturierung im Zuge ihrer Dissertation. Sie ermittelte gemeinsam mit Kollegen und Studenten an zwölf Messstationen von der Stadtgrenze zu Niederdielfen bis zur Mündung in die Sieg den Ist-Zustand. Im Lauf der Zeit wird erneut gezählt und erhoben. Am Ende soll klar, sein, welchen Einfluss die Renaturierungsmaßnahmen auf Artenvielfalt und Zahl von Tieren und Pflanzen insgesamt haben. „Ein Mittelgebirgsbach wie die Weiß zeichnet sich eigentlich durch hohe Artendiversität aus“, sagt die Wissenschaftlerin. Das Gewässer ist an und für sich nährstoffreich und bietet Flora und Fauna gute Lebensbedingungen – wenn der Mensch der Natur ihren Lauf lässt. Für jeden Abschnitt, der bewertet wird, gibt es Referenzwerte. „Wir sind gerade dabei, die Daten auszuwerten.“ Erst in mehreren Jahren wird sich genau sagen lassen, welchen Einfluss der Rückbau der Wehre hat.

Wieso kann bei der Weiß nicht von einer echten Renaturierung gesprochen werden?

Im Wesentlichen wird der Bach durchgängig gemacht – für wandernde Tierarten. Der Fokus liegt weniger auf dem tatsächlichen urprünglichen Zustand. Wie auch? „Die Sohle muss so bleiben, wie sie ist“, sagt Ulrich Krüger. „Ansonsten müsste das Profil der Weiß aufgeweitet werden.“ Auf den meisten der 6,3 Kilometer, die der Bach durch das Stadtgebiet mäandert, wäre das zu aufwändig oder zu teuer. Oder beides. Unmittelbar vor der Mündung in die Sieg zum Beispiel zwängt sich die Weiß durch eine enge Rinne. Die Bebauung lässt nichts anderes zu. Zumindest noch nicht.

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