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Ein seltenes Thema

18.08.2010 | 17:50 Uhr
Ein seltenes Thema

Siegen.„Kicker, Kämpfer, Legenden“ – Das Krönchencenter beherbergt bis zum 28. August eine Ausstellung mit seltener Thematik. Die Geschichte der Juden im deutschen Fußball wird auf mehreren Collage-Tafeln gezeigt.

Passend dazu ist zur Zeit eine arabisch-jüdische Jugendmannschaft aus Israel bei den Sportfreunden Siegen zu Gast --auch diese gemischten Sportteams sind selten in ihrem Land. Deshalb begrüßten Bürgermeister Steffen Mues und Alon Sander von der Christlich-Jüdischen Gemeinschaft die Gruppe bei der Eröffnung.

Ein Schattendasein
über Jahrzehnte hinweg

„Das Thema des jüdischen Fußballs besaß Jahrzehnte lang ein Schattendasein“, so Sander. Erst in den vergangenen Jahren habe es eine Renaissance erlebt. Auf den neun Tafeln geht es um Werdegänge bekannter Spieler Anfang des 20. Jahrhunderts, um früher als „Judenclubs“ beschimpfte Vereine, wie den Vorläufer des FC Bayern München, und um Rassismus im aktuellen Fußball. Als einflussreichsten Spieler und Initiator führt Sander Walther Bensemann (1873 - 1934) an, den Gründer der Fußballzeitschrift „Kicker“. Er organisierte 1899 das erste internationale Spiel zwischen Deutschland und England und war beteiligt an der Gründung mehrerer Vereine, wie dem Bayern-München-Vorläufer „Terra Pilla“ und Eintracht Frankfurt. Mit Beginn des Nationalsozialismus schied Bensemann aus dem Kicker aus und starb 1934.

„Sie engagierten sich, weil sie es durften“

Gründe dafür, dass sich Juden zu der Zeit vor allem im Fußball engagierten, sieht Sander darin, „dass sie es durften“. Es habe zur Anfangszeit des Sports noch keine Strukturen gegeben, die es verboten hätten – ganz im Gegensatz zum Turnen. „Der schmerzlichste Grund ist allerdings, dass Juden diesen Sport betrieben haben, weil sie sich besser in die deutsche Gesellschaft integrieren wollten“, sagt Sander. Eine Tafel dokumentiert so ein Beispiel: Julius Hirsch sei „treuer Deutscher“ gewesen, der trotz des Ausschlusses aus dem Verein und der Arbeitslosigkeit als Fußballtrainer, ein „treuer Deutscher“ gewesen sei und sogar die Möglichkeit zur Flucht aus Nazi-Deutschland ausgeschlagen hatte. Er wurde ermordet.

Solche Schicksale stellte das Berliner Centrum Judaicum in „Kicker, Kämpfer, Legenden“ zusammen.

Die Ausstellung ist mittlerweile in zweifacher Ausführung durch Deutschland unterwegs. Als nächstes gehen die Tafeln an ihren festen Standort nach Dachau zurück.

Irmine Skelnik

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