Ein Platz für Menschen mit Demenz

Hinter dem Haus St. Elisabeth
Hinter dem Haus St. Elisabeth
Foto: WP

Netphen..  Es dauert etwas länger: Nicht mehr 2017, sondern erst 2018 wird die neue Wohn- und Pflegeeinrichtung für Menschen mit Demenz eröffnet. „So schnell wie möglich“, sagt Willi Ax, Verwaltungsdirektor des zum St. Marien-Krankenhaus gehörenden Gesundheitsservice Siegerland (GSS). Denn die Nachfrage nach Plätzen ist groß — bis zu 15 am Tag. Die gelegentlich verbreitete Annahme, dass es längst genügend Heimplätze gebe, sei „ein Trugschluss“.

Die Anlage

Die eingeschossige Wohnanlage entsteht auf dem heutigen Freigelände der Bauunternehmung Demler. In jedem der drei Carrées, die um je einen Innenhof angeordnet werden und die eine Marktstraße miteinander verbindet, entstehen Wohnräume für jeweils 15 Senioren mit Nebenräumen, Pflege- und Aufenthaltsbereichen. „Die Bewohner kommen immer da an, wo sie losgegangen sind“, beschreibt Willi Ax das Rundgang-Prinzip bei der Gebäudeaufteilung. Vor allem übersichtlich wird auch der Außenbereich gestaltet, „damit der Bewohner auch geschützt nach draußen gehen kann.“

Die Möglichkeit, in Netphen zu bauen, eröffnete sich 2009, als die Bauunternehmung ihre Suche nach einem neuen Standort bekannt machte. „Wir haben im letzten und vorletzten Jahr ganz intensiv verhandelt“, berichtet Willi Ax. Denn bevor die GSS der Stadt das Grundstück abkaufen kann, muss die es selbst besitzen. Und die bekommt es erst, wenn die Baufirma ihre Parzellen im Dreis-Tiefenbacher Gewerbegebiet im Bruch übernehmen kann. Und dort hakt es. Es gehe nur noch um ein Grundstück, sagt Willi Ax. „Wir rechnen in den nächsten Wochen damit.“ 4,5 Millionen Euro wird der GSS investieren, bis zu 50 Arbeitsplätze werden neu entstehen.

Die Bewohner

Die drei Wohngruppen sind Menschen mit mittlerer bis schwerer Demenz vorbehalten, die dort auf richterlichen Beschluss untergebracht sind. Menschen mit diesem Krankheitsbild können nicht, anders als nur leicht Demente, in offene Einrichtungen wie das benachbarte, 1997 eröffnete Haus St. Elisabeth einziehen. Auch dort gibt es zwar, wie in vielen anderen Pflegeheimen, Wohngruppen für Menschen mit Demenz. Sie sind aber, ebenso wie die ambulant betreuten Wohngruppen, nicht auf Bewohner eingerichtet, die sich selbst und andere gefährden können.

An alte Zeiten erinnern, um dem Vergessen entgegenzuwirken: Was nebenan mit der echten Kneipe im Haus St. Elisabeth gelang — dort gibt es inzwischen sogar einen Frauentag — und hier und da mit Tante-Emma-Läden probiert wird, wird es auch im neuen Haus geben. Wobei das Angebot für die nachwachsenden Alten-Generationen etwas anders aussehen muss: „Die wollten ja gerade raus aus dem Muff der 1950er Jahre“, gibt Willi Ax zu bedenken. Wo Senioren auf Rockmusik stehen, ist mit Volksliedern nichts zu holen. Ax will aber auch nicht so weit gehen wie die Architekturstudenten, die in ihren Ideen auch eine stilisierte Abflughalle anstelle der berüchtigten Bushaltestelle vorsahen, um dem Bewegungsdrang von Menschen mit Demenz zu begegnen. Im niedersächsischen Thuine entdeckten die Siegener beim Besuch der dortigen Pflegeeinrichtung einen Taxistand. „Da fuhr auch wirklich jemand vor und hat mit dem Bewohner eine Runde durch den Park gedreht. Da nach war er beruhigt.“

Der Standort

Quartiersnahe Teilhabe, Versorgung im unmittelbaren Wohnumfeld: Das sind Vorgaben des Landes, die die Entscheidung für den Standort mitten in Netphen berücksichtigt. Nicht am Stadtrand oder auf der grünen Wiese sollen Heime gebaut werden, „sondern da, wo die Menschen wohnen“, bekräftigt GSS-Verwaltungsdirektor Willi Ax. Gerade Menschen mit schwerer Demenz bleibt dies allzu oft verwehrt: Nur zwei Einrichtungen im Kreisgebiet haben bisher die für sie erforderlichen Wohnbereiche. Dabei kann es so viele treffen: bis zu 60 Prozent der zukünftigen Heimbewohner, schätzen die Sozialplaner.

Verbund von Wohn- und Pflegeeinrichtungen

Der Gesundheitsservice Siegen (GSS) gehört zur Unternehmensgruppe des St. Marien-Krankenhauses. Neben dem Haus St. Elisabeth gehörenum Verbund die Wohn- und Pflegeeinrichtungen Marienheim (Weidenau), Mutter Teresa (Niederfischbach), St. Klara (Friesenhagen) und St. Raphael (Burbach).

Außerdem betreut GSS das Wohnen mit Service in Wohnanlagen in Netphen, Siegen, Friesenhagen und Niederfischbach.