Ein Jahr Museumsbesuch für Menschen mit Demenz

Bewohner des Seniorenheims Haus Obere Hengsbach erlebten kürzlich „Museums-Momente“ – die Kooperationspartner zogen dabei positive Bilanz nach einem Jahr.
Bewohner des Seniorenheims Haus Obere Hengsbach erlebten kürzlich „Museums-Momente“ – die Kooperationspartner zogen dabei positive Bilanz nach einem Jahr.
Foto: wp
Was wir bereits wissen
Seit einem Jahr hat das Museum Wilnsdorf ein spezielles Angebot für Menschen mit Demenz im Programm. Das Fazit fällt positiv aus.

Wilnsdorf..  Das Konzept „Museums-Momente“ möchte Betroffenen und ihren Begleitpersonen einen glücklichen und erlebnisreichen Nachmittag bereiten. Unter dem Motto „miteinander staunen und erleben“ geht dieser besondere Museumsbesuch auf zwei Charakteristika der Demenzerkrankung ein: Betroffene erinnern sich noch lange Zeit an ihre Kindheit und Jugend; auch wenn ihnen die Gegenwart bereits entgleitet, ist die Vergangenheit für sie noch greifbar. Und sie freuen sich über jede Aktivität, die ihnen noch möglichst selbstständig gelingt.

Die „Museums-Momente“ sind ein Pilotprojekt des Demenz-Servicezentrums Region Südwestfalen. „Das Bedürfnis nach Kultur und gesellschaftlicher Teilhabe geht nicht automatisch mit einer Demenz verloren“, weiß Charlotte Boes, Mitarbeiterin des Servicezentrums. „Ganz im Gegenteil: Kunst, Kultur und Musik können Schlüssel zur emotionalen Welt von Menschen mit Demenz sein“, fügt Boes hinzu, „sie benötigen jedoch eine besondere Form der Ansprache“. Genau das schafft das Museum Wilnsdorf.

Der Museumsbesuch beginnt mit einer gemütlichen Kaffeerunde, und auf dem Tisch finden sich bereits viele Gegenstände aus der volkskundlichen Ausstellung. Dort wird das Leben und Arbeiten in den Dörfern des südlichen Siegerlands zu Beginn des 20. Jahrhunderts gezeigt. „Viele Menschen mit Demenz kennen die Ausstellungsstücke aus eigener Erfahrung oder Erzählungen“, sagt Museumsleiterin Dr. Corinna Nauck. Die Gegenstände können wie Schlüssel wirken, die das Tor zur Vergangenheit öffnen. Und so wirkt es auch bei der Besuchergruppe, die gerade „Museums-Momente“ erlebt. Die Menschen tauen auf, nehmen alles in die Hand, erinnern sich an Szenen aus ihrer Vergangenheit und kommen so ins Gespräch mit ihren Begleitpersonen und miteinander. Lieder werden gesungen, Fotos angeschaut. Sogar eine kleine Erinnerung an den Museumsbesuch wird gebastelt.

Große Resonanz

Das Angebot stößt auf große Resonanz. Im vergangenen Jahr kamen zwölf Gruppen zu Besuch, in diesem Jahr sind es bereits zur Jahreshälfte neun. Überwiegend nutzen die Kooperationspartner das Programm: lokale Pflegeeinrichtungen und –dienstleister wie das Haus Höhwäldchen, das Haus an der Weiß, die Tagespflege Eremitage oder der Pflegekreis Wilnsdorf. Aber auch Privatpersonen kommen gern zu Besuch. „Dieser Nachmittag macht den Besuchern nicht nur große Freude“, weiß Jutta Schmidt aus vielen positiven Rückmeldungen. Bürgermeisterin Christa Schuppler: „Mit meiner Schirmherrschaft möchte ich auch ein Zeichen setzen, dass sich unsere Gesellschaft stärker mit dem Thema Demenz beschäftigen sollte“. Eine Botschaft, der sich das Demenz-Servicezentrum nur anschließen kann. Nach der gelungenen Testphase im Museum Wilnsdorf sollen die Museums-Momente nun auch in anderen Häusern erlebbar gemacht werden. „Wir sind bereits im Gespräch mit verschiedenen Museen in unserer Region“, verrät Birgitt Braun.

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