Ein Duo entdeckt sich beim Busch-Geburtstag

Sergey Malov und Marianna Shirinyan lernten sich in Dahlbruch kennen.
Sergey Malov und Marianna Shirinyan lernten sich in Dahlbruch kennen.
Foto: Wolfgang Leipold
Was wir bereits wissen
Die Musiker Marianna Shirinyan und Sergey Malov lernen sich 2011in Dahlbruch kennen. Nun kehren sie zum Gebrüder-Busch-Kreis zurück.

Dahlbruch..  Solche Geschichten schreibt sonst nur Hollywood. Eine junge Armenierin, Busch-Preisträgerin 2006, und ein junger Russe, Busch-Preisträger 2008, lernen sich 2011 bei der Festveranstaltung zum 50-jährigen Bestehen des Gebrüder-Busch-Kreises kennen und beschließen, auch als Duo Konzerte zu geben.

Marianna Shirinyan, die Klavierkünstlerin, und Sergey Malov, der Saitenvirtuose, der gleich drei ­Instrumente spielt. 2015 führt sie ihr musikalischer Weg wieder nach Dahlbruch. So ganz nebenbei: Zusammen beherrschen sie zwölf Sprachen, darunter hervorragend Deutsch.

Ihr Programm ist spektakulär, schon deswegen, weil Malov bei seinen Bach-Suiten ein Instrument spielt, das im Siegerland bisher noch nie zu sehen und zu hören war: das Violoncello da Spalla. Johann Sebastian Bach hat viele seiner Stücke speziell für dieses Instrument geschrieben. Man merkt, dass Sergey Malov manchmal selbst erstaunt ist, was auf diesem Instrument alles geht. Wobei er natürlich alle Talente und eine unglaubliche Fingerfertigkeit besitzt, um die Klangschönheit und Virtuosität Bach’scher Musik hörbar zu machen.

Schwermütiger Schostakowitsch

Dann zeigt Marianna Shirinyan, wo der musikalische Hammer hängt. Sie spielt ein Klavierstück von Carl Nielsen, der von 1865 bis 1931 lebte und als wichtigster dänischer Komponist gilt. Harmonische Klangteppiche wechseln sich ab mit Dissonanzen, tänzerische Elemente nach Bach’schem Vorbild gehen über in die dramatische Wucht Beethovens. Das Ende gleicht dann der Leichtigkeit eines Glasperlenspiels.

Nach der Pause neue Klangfarben. Dmitri Schostakowitschs Sonate für Viola und Klavier steht auf dem Programm. Dessen Todestag jährt sich 2015 zum 40. Mal. Es ist ein schwermütiges Werk, ein persönliches Requiem, ein musikalischer Rückblick, das er, schon unheilbar krank, mit letzter Kraft komponierte.

Viele musikalische Motive seines früheren Schaffens kommen vor und zeigen das Auf und Ab eines Sterbenden. Die Klänge sind matt und kraftlos, die Resignation eines Todgeweihten ist spürbar und hörbar. Zwischendurch flammen die Lebensgeister wieder auf, tänzerische, optimistische Tonfolgen, temperamentvolle Rhythmen, die dann abrupt beendet werden. Und schließlich kommen Erinnerungen an schöne Tage, aber auch an Schicksalsschläge.

Dazwischen immer wieder Motive der Mondscheinsonate, durch Dissonanzen gestört. Sergey Malov spielt zusammen mit seiner Partnerin am Flügel die Viola mit einer Vehemenz und Innigkeit, als gäbe es keinen Morgen mehr. Und den gab es auch für Schostakowitsch nicht. Er starb, als er seine Komposition beendet hatte. Eine Woche später wurde sie uraufgeführt.

Zum Abschluss ein Beifallsorkan

Lange, atemlose Stille im Saal des Gebrüder-Busch-Theaters, die sich in einem Beifallsorkan entlädt. Gut, dass die Künstler, so wie beim Pokalspiel in München, dem Publikum noch eine ausgiebige, spannende Verlängerung bieten: Franz Schuberts Fantasie in C-Dur für Violine und Klavier, ein optimistischer, schwungvoller, fröhlicher Kontrast. So wird den Zuhörern die Möglichkeit gegeben, ihre Gedanken zu ordnen. Sergey Malov hatte als Junge zwei Talente, Musik und Fußball. Er hat sich für die Musik entschieden. Schlecht für den russischen Fußball. Gut für die begeisterten Siegerländer Musikfreunde.

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