Ein Bekenntnis gegen jede Gewalt
28.01.2008 | 20:07 Uhr 2008-01-28T20:07:00+0100
Seit 25 Jahren gedenken die Stadt Kreuztal und die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit im Stadtteil Littfeld der deportierten und ermordeten Juden.
Der Jahrestag der Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee im Jahre 1945 ist auch in Kreuztal der Tag, an dem an die zwölf jüdischen Mitbürger erinnert wird, die aus Littfeld und Krombach verschleppt wurden. Benannt ist der Platz vor dem Feuerwehrhaus nach Fred Meier, der nur drei Jahre alt wurde. Am 27. Februar 1943 war er mit seiner Mutter Sara ins KZ transportiert worden.
Bürgermeister Rudolf Biermann sagte, es sei „nach wie vor bedrückend, sich mit der Situation der Opfer auseinanderzusetzen”. Nachgeborene könnten sich kaum vorstellen, welche Hölle diese Menschen zu erleiden hatten: „Es ist und bleibt unfassbar, was Menschen Menschen antun können, welches Ausmaß und welche Vorsätzlichkeit der Schrecken annehmen kann.” Zeitzeugin Michaela Vidlakova aus Prag war mit dem ebenfalls Überlebenden mehrerer Konzentrationslager, Artur Radvansky, nach Littfeld gekommen, nachdem beide auf mehreren Veranstaltungen im Vorfeld des Gedenktages bereits Vorträge vor Jugendlichen gehalten hatten. Auschwitz, das große Vernichtungslager der Nazis im heutigen Polen, nannte Michael Vidlakova „die Hölle auf Erden”, die auch wenige Tage vor der Befreiung am 27. Januar 1943 noch nicht zu Ende war. Da wurden die Häftlinge evakuiert und mussten unter unmenschlichen Bedingungen auf „Todesmärsche” zum nächsten Bahnhof, was viele von ihnen - im Angesicht der herannahenden Retter - nicht überlebten.
In Tschechien gebe es mittlerweile acht offizielle Gedenktage für die Schrecken des Holocaust, doch die Erinnerung an die ermordeten Famileinangehörigen und Freunde sei an jedem Tag des Jahres wach. Wenn heute die Frage gestellt werde, warum den Ziviltoten des letzten Krieges nicht solche Aufmerksamkeit zukomme, müsse doch festgestellt werden, dass „keiner geplant habe, Deutsche, Engländer oder Japaner zu töten, doch die Juden sollten alle vernichtet werden”. Der Holocaust habe mit Krieg nichts zu tun, sondern sei die planmäßige Ausrottung eines Volkes in Europa gewesen, die mit deutscher Gründlichkeit logistisch vorbereitet wurde. „Wie war es im kulturellen Zentrum Europas möglich, Millionen so zu fanatisieren, dass sie hinnahmen, als Menschen vergast oder an ihnen Experimente vorgenommen wurden”, fragte Michaela Vadlikova. Auch heute zeigten sich Fanatiker mit geschorenen Köpfen, die den Holocaust leugneten. Deshalb sei die Anwesenheit der Teilnehmer ein Zeichen der Ermutigung. Allerdings hat es am Fred-Meier-Platz schon besser besuchte Gedenkfeiern gegeben.
Bevor Bürgermeister Biermann und seine Stellvertreterin Rosemarie Seibt, Vertreter der Littfelder Vereine und die Sprecher der Ratsfraktionen ihre Kränze niederlegten, verlasen Lisa Appelkamp und Nicola Sikora ein Bekenntnis gegen Gewalt und für Toleranz, das sie mit anderen Jugendlichen im Littfelder Jugendtreff „Glonk” verfasst hatten.
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