Ein Abschied mit Wehmut und Bitterkeit

Udo Grebing mit seinen Schülern. Die große Verbundenheit der Deuzer mit ihrer Hauptschule wurde gestern noch einmal deutlich.
Udo Grebing mit seinen Schülern. Die große Verbundenheit der Deuzer mit ihrer Hauptschule wurde gestern noch einmal deutlich.
Foto: Michael Kunz

Deuz..  Dass „ToT“ nicht nur als Abkürzung für den „Tag der offenen Tür“ gelesen werden kann, drängt sich in diesen Tagen bei Schulleiter Udo Grebing und seinem kleinen Kollegium auf: Die Misstöne vor dem erzwungenen Umzug der Hauptschule nach Netphen sind unübersehbar. Während Kisten gepackt werden, kleben andere Netphener Schulen ihre Etiketten auch schon auf die Teile des Mobiliars in Deuz, das die Hauptschule eigentlich auf den Netphener Kreuzberg mitnehmen will. Dort zieht sie in die Räume, die die Realschule freimacht. Im Bio- und Physikraum beginnt die Fachfirma schon in der letzten Unterrichtswoche mit der Demontage.

Vereitelt wird die letzte Abschiedsfeier der Zehntklässler in der Mehrzweckhalle: Die Stadt überlässt den Termin dem DRK für eine Blutspende. Dabei habe die Feier immer zwei Wochen vor den Ferien stattgefunden, schüttelt der Schulleiter den Kopf. Er ist sichtlich getroffen und damit nicht allein. „Die Eltern fühlen sich getreten. Und das sehe nicht nur ich so“, fügt Grebing an.

Abgang mit vollen Klassen

Zehn Planstellen hat das Kollegium noch von einst über 30. Wirklich klein wird die Schule aber auch nach den Sommerferien nicht: Über hundert Jugendliche werden die letzten beiden Jahrgänge füllen. Die 85, die aus Deuz mitkommen. Und eine komplette Klasse von der Weidenauer Haardter-Berg-Schule, die in diesen Tagen geschlossen wird — ausschließlich Schüler aus Dreis-Tiefenbach, um die die Stadt Netphen in den vergangenen Jahren immer vergeblich geworben hat. „Es ist offen, ob wir drei Klassen im 10. Schuljahr bekommen“, sagt Udo Grebing. Wenn nicht, werden sich 34 Jugendliche in die einzige 10 A drängeln.

Ehemalige schauen vorbei

Der allerletzte Tag der offenen Tür: „Keine Feier, die können wir mit unserem Kollegium gar nicht mehr stemmen. Und es soll ja auch keine Beerdigung sein“, merkt Udo Grebing an. Er empfinde Trost und Dankbarkeit, weil so viele gekommen sind. Schüler bevölkern die Gänge und hängen den eigenen Erinnerungen nach oder bekommen die der Mütter serviert, die sich auf den Abschlussfotos der 90er Jahre entdecken: „Und wo ist Papa?“

Überall stehen Beamer und werfen die Vergangenheit auf große Leinwände, vor denen sich ebenfalls Schüler versammeln. Viele Lehrer sind auch gekommen. Solche mit grauen Haaren und jüngere, „die wir ausgebildet haben“, sagt Sigrid Münker, die „14 Jahre sehr gern aus Ferndorf hierher gefahren ist“ und jetzt mit sichtbar gemischten Gefühlen Abschied Richtung Sekundarschule nimmt. Udo Grebing hingegen will seine Schule im wahrsten Sinne des Wortes „zu Ende“ bringen. „Ich war mit 29 Jahren am längsten hier. Die 30 hat man mir nicht mehr gegönnt“, bedauert er, erinnert gleichzeitig daran, dass „der Impuls für die Sekundarschule von uns hier ausgegangen ist“. Diese Folge hat er nicht erwartet.

Fast vier Jahrhunderte Schule in Deuz

1630

wurde die erste Schule in Deuz errichtet – zumindest ungefähr um diese Zeit. Erhalten ist der Glockenturm am Haus Zaunstraße 2.

1745

wurde ein Schultrakt an die Kapelle angebaut — auf Pfosten, weil die Katholiken den protestantischen Bau nicht dulden mochten. Wenn nicht a u f dem Grundstück, dann eben ü b e r dem Boden, mochten die Bauherren sich gedacht haben. „Die gefundene Lösung könnte aus Schilda sein“, sagt Ortsbürgermeister Dr. Herbert Kneppe.

1832

wurde das Gebäude erweitert. Auch der Hohlraum zwischen den Pfosten war verfüllt worden, und irgendwann gingen hier auch katholische Kinder zur Schule.

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1930 baute die katholische Kirchengemeinde eine eigene Schule, eine Baracke am Nauholzer Weg. Nach dem 2. Weltkrieg diente das ehemalige HJ-Heim als Schule.

1951wurde die heutige Hauptschule als Volksschule errichtet. 1969, 1973, 1974, 1986 und 2002 wurde das Gebäude erweitert. Nach der Schulreform war sie eine von drei Hauptschulen im Stadtgebiet.

1990 machte die Hauptschule Netphen dem Gymnasium Platz, 2002 wurde die Hauptschule in Dreis-Tiefenbach geschlossen.

2017 ist im Sommer auf dem Netphener Kreuzberg Schluss mit der „Deuzer“ Hauptschule. An ihre Stelle und an die Stelle der im gleichen Jahr schließenden Realschule ist die 2012 gestartete Sekundarschule getreten.