Eigene Wege aus der Isolation

Ferndorf..  Gabriele Giesler war auf der Suche. Fündig wurde sie bei sich selbst. Die 59-Jährige gründet eine Selbsthilfegruppe für Menschen die an Depressionen, Angst- und Panikerkrankungen leiden. Am kommenden Mittwoch, 24. Juni, 18 Uhr schließt sie das Gemeindehaus in der Ferndorfer Straße zum ersten Mal auf.

Das Thema Selbsthilfegruppe begegnet der Rentnerin erstmals in Bad Griesbach, im Bayerischen Wald. Fünfeinhalb Wochen Behandlung. Eine Sozialarbeiterin rät ihr, zu Hause eine Selbsthilfegruppe zu besuchen. Erfahrungen austauschen mit anderen Betroffenen. Überhaupt. Wieder aus dem Haus zu gehen. Das ist das Tückische bei psychischen Erkrankungen. Man zieht sich zurück. Die Freunde werden weniger. Es wird getuschelt. „Irgendwann ist man nicht mehr viel unter Menschen“, sagt Gabriele Giesler. In einer Selbsthilfegruppe treffen Betroffene auf andere Betroffene: auf Verständnis. „Menschen, die das nicht kennen, können sich nicht hinein versetzen.“ Sie kennen die Probleme nicht, die Sorgen, die Ängste, die Nöte.

Warteliste in Siegen

Allerdings: Die Gruppe in Siegen, eine von bislang zwei kreisweit, ist voll. 15 Menschen kommen regelmäßig zusammen. Es gibt sogar eine Warteliste. Gabriele Giesler fährt nach Olpe. Dort findet sie einen Platz, merkt aber bald, dass auch im Sauerland der Bedarf zu steigen scheint.

„Bei psychischen Erkrankungen ist es schwierig, wenn die Gruppe zu groß wird“, sagt Melanie Kölsch. Sie arbeitet für die Selbsthilfekontaktstelle der Diakonie. Das ist so etwas wie eine Zentrale für Selbsthilfegruppen, unterstützt, berät und vermittelt. So spezifisch die Krankheitsbilder sind, so viel Einfühlungsvermögen brauchen die Erkrankten.

Geld gibt es nicht

„Ich habe mich angeboten, die Gruppe in Kreuztal zu gründen“, sagt Gabriele Giesler. Um anderen zu helfen – und sich selbst. Jahrzehntelang stand sie unter Strom, war das, was gemeinhin Powerfrau genannt wird. Sie arbeitete, hatte einen kleinen Flohmarktladen im Haus. „Ich habe die Lust wiedergefunden, Dinge selbst in die Hand zu nehmen, das tut mir gut.“

Geld gibt es für ihr Engagement nicht. Alles ehrenamtlich. „Das traue ich mir schon zu“, betont die 59-Jährige.

Vier Menschen von der Siegener Warteliste wollen am Mittwoch nach Ferndorf kommen. Und einer aus Olpe. Gabriele Giesler ist sich sicher, dass es noch mehr werden.

Denn noch hat längst nicht jeder gefunden, was er sucht.